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Montag, 1.2.2010
Barcelona
Vor beinahe vier Jahren habe ich mich mit dem Schatten des Windes befasst, einem Roman des spanischen Schriftstellers Carlos Ruiz Zafón, über dessen Rezension ich damals versucht hatte, der Leserschaft den Mund wässrig zu machen. Inzwischen liegt längst der Nachfolger vor mit dem Titel Das Spiel des Engels, und wieder geht es in erster Linie um Romanschreiber, um deren Besessenheit, die bis zur Selbstaufgabe reichen kann.
Eine weitere Parallele zwischen den beiden Romanen besteht hinsichtlich des Handlungsortes, denn der Engel spielt sein Spiel ebenfalls im historischen Barcelona, in den finsteren
Vierteln zwischen Hafen und den vermeintlichen herrschaftlichen Lebensräumen unterhalb des Tibidabo.

Interessant wird es für den Leser, wenn ihm bewusst wird, dass der Nachfolgeroman nicht etwa als vollkommen eigenständige Geschichte frei schwebt, sondern durchaus an den
Schatten des Windes anknüpft. Diese Verknüpfung allerdings ist ein ungewöhnliche.
Selbstverständlich spielt auch diesmal wieder der Friedhof der vergessenen Bücher im Barrio Gótico der katalanischen Hafenstadt seine Rolle. Aber auch hinsichtlich des Personals gibt
es Verbindungen. Der neue Roman endet zeitlich mehr oder weniger mit dem Beginn der ersten Geschichte in den Dreißigerjahren des 20. Jahrhunderts.
Der Protagonist im Spiel des Engels ist ein guter Bekannter von Großvater und Vater der Hauptperson im Schatten des Windes.
Der Nachfolgeroman ist somit chronologisch gesehen der Vorgänger und zieht den Leser noch ein gutes Stück tiefer hinein in die Düsternis der Vergangenheit, in
Unerklärbares und Mystisches; und wer weiß schon, ob hier nicht endlich auch der Teufel selbst seine Auftritte bekommt.
Der Epilog setzt in dieser Hinsicht einen ganz besonderen Akzent, und wer es liebt, am Ende einer Geschichte jede Menge offene Enden zum eigenen Weiterspinnen vorzufinden, für den sind beide
Gechichten ein absolutes Muss.
So lange da draußen noch tiefer Winter herrscht, nehmt Euch die zwei Romane von Carlos Ruiz zur Brust. Dunkelheit und Kälte sind ganz außerordentlich passende Lesebegleiter.
Link mich: http://www.e-script.de/?p=1265007601