Flashback Zufallsrezension: Jeden Sonntag eine neu & zufällig ausgewählte Buchbesprechung aus der Vergangenheit — Gute Bücher altern nicht!
Auf der Su­che nach Lese­stoff? Hier fin­dest Du Buch­be­spre­chun­gen mit An­spruch aber oh­ne Al­lü­ren. Ich schrei­be meist über bel­le­tris­ti­sche Ti­tel; über sol­che, die mir ge­fal­len oder auch mal nicht ge­fal­len ha­ben; manch­mal Main­stream, manch­mal ab­seits der aus­ge­tre­te­nen Pfa­de. (Per­sön­li­che Emp­feh­lun­gen und ein paar Wor­te zu die­sem Pro­jekt gibt’s ganz un­ten auf die­ser Sei­te.)

Feuchtgebiete

Feuchtgebiete
Charlotte Roche, 2008

Die Autorin Char­lot­te Ro­che hat einen Erst­lings­ro­man ver­öf­fent­licht, der sich von Früh­jahr bis Herbst 2008 ein hal­bes Jahr lang auf dem ers­ten Platz vie­ler deut­scher Best­sel­ler­lis­ten ge­hal­ten hat. Die­se un­ge­wöhn­li­che Be­stän­dig­keit im Li­te­ra­tur­ver­trieb wird er­gänzt durch die eben­so un­ge­wöhn­li­che, schar­fe Dis­kre­panz zwi­schen sen­sa­tio­nel­len Ver­kaufs­zah­len und der durch­gän­gi­gen Ab­leh­nung durch den so­ge­nann­ten ernst­haf­ten deut­schen Li­te­ra­tur­be­trieb. Da darf man sich schon fra­gen, wel­che Ur­sa­chen dem Buch sei­nen kom­mer­zi­el­len Er­folg be­schert ha­ben.

Eines ist si­cher: Der Ro­man po­la­ri­siert. Die einen prei­sen ihn als ge­nial, an­de­re emp­fin­den ihn als por­no­gra­fisch oder ein­fach ekel­er­re­gend. Gleich­gül­tig steht dem Text wohl kei­n(e) Leser¦in ge­gen­über.

Feuchtgebiete – Rezeption

Die Fan­ge­meinde von Frau Roche lässt sich in drei Kate­go­rien ein­tei­len: Zum ers­ten sind da sicher die­jeni­gen, die sich mehr oder weni­ger ins­ge­heim von Schil­derun­gen sexu­el­ler Prak­ti­ken und Vor­gänge anre­gen las­sen. Ins­beson­dere wohl von Prak­ti­ken, die in unse­rer Gesell­schaft zu den Tabu­the­men gehö­ren.

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Die Mittagsfrau

Die Mittagsfrau
Julia Franck, 2007

Bücher, die mit Preisen ausgezeichnet werden, sind – vor allem dann, wenn sie aus den Federn bis dahin wenig bekannter Autoren stammen – der aufmerksamen Kritik aller etablierten Rezensoren in besonderem Maße ausgesetzt. Dies gilt auch für Die Mittagsfrau von Julia Franck, die für ihren Roman den Deutschen Buchpreis 2007 erhalten hat.

Im Blätterwald der Feuilletons von der FAZ bis zur Zeit werden der Autorin stilistische Schwächen und der Hang zu Geschwülst in der Formulierung bescheinigt. Das Niveau, das Franck auf den ersten Seiten erreiche, so heißt es, flache mit zunehmender Handlung immer mehr ab. Die Figuren seien überzeichnet, das Vokabular aufbauschend. Solch institutionalisiertes Infragestellen erlaube ich mir einmal zu relativieren. Es mag ja sein, dass Frau Franck hohem stilistischen Anspruch in ihrem Roman nicht durchgängig gerecht wird. Allerdings halte ich es durchaus für legitim, das Hauptaugenmerk der Leserschaft auf die Leistung der Autorin zu lenken, die an ganz anderer Stelle als der formalen zu suchen ist.

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Tannöd

Tannöd
Andrea Maria Schenkel, 2006

Die Regensburger Schriftstellerin An­drea Ma­ria Schen­kel wur­de für ih­ren Erst­lings­kri­mi Tannöd mit dem Deut­schen Kri­mi Preis 2007 aus­ge­zeich­net. Auch den Fried­rich-Glau­ser-Preis und den Co­ri­ne-Preis hat sie für den 125 Sei­ten kur­zen Ro­man er­hal­ten. Die Flut der Aus­zeich­nun­gen ist ganz ge­wiss be­rech­tigt.

Die Hand­lung setzt nach En­de des zwei­ten Welt­krie­ges ein, nach einem Mord­mas­sa­ker, dem drei Ge­ne­ra­tio­nen einer Fa­mi­lie samt der Haus­magd zum Op­fer ge­fal­len sind. Al­le sechs Op­fer hat­ten auf einem ein­sa­men Bau­ern­hof ir­gend­wo in der ba­ye­ri­schen Pro­vinz ge­lebt. Das En­de der Ge­schich­te ist er­reicht, als der Tä­ter we­ni­ge Wo­chen nach der Tat ge­ra­de An­stal­ten macht, sich selbst das Le­ben zu neh­men.

Außer­ge­wöhn­lich sind Hin­ter­grün­de und Her­gang der Mord­tat bei­lei­be nicht. Dies stellt man rasch fest, wenn man Fak­ten re­sü­miert, die man im Lau­fe der Lek­tü­re des Bänd­chens auf­ge­nom­men hat. We­der ein psy­chisch de­for­mier­tes Mör­der­mons­ter, noch eine aus­ge­feil­te Ver­ket­tung von Um­stän­den hat die­ser Kri­mi zu bie­ten.
„Ein Aller­welts­fall!“, könn­te man also aus kri­mi­no­lo­gi­scher Sicht­wei­se kon­sta­tie­ren. Und das ist er auch: ein Fall aus ganz rea­len Ge­richts­ak­ten der Neun­zehn­zwan­zi­ger­jah­re. Er­fa­hre mehr da­rü­ber in der Fuß­no­te.¹

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