Flashback Zufallsrezension: Jeden Sonntag eine neu & zufällig ausgewählte Buchbesprechung aus der Vergangenheit — Gute Bücher altern nicht!
Auf der Su­che nach Lese­stoff? Hier fin­dest Du Buch­be­spre­chun­gen mit An­spruch aber oh­ne Al­lü­ren. Ich schrei­be meist über bel­le­tris­ti­sche Ti­tel; über sol­che, die mir ge­fal­len oder auch mal nicht ge­fal­len ha­ben; manch­mal Main­stream, manch­mal ab­seits der aus­ge­tre­te­nen Pfa­de. (Per­sön­li­che Emp­feh­lun­gen und ein paar Wor­te zu die­sem Pro­jekt gibt’s ganz un­ten auf die­ser Sei­te.)

Königin Esther

John Irving, Königin Esther, 2025
John Irving, 2025

Königin Esther, im englischen Original Queen Esther, ist John Irvings sechzehnter Roman und sein erster, den ich zu lesen bekam. Dabei gehört John Winslow Irving zu den bedeutendsten nordamerikanischen Literaten nach dem zweiten Weltkrieg. Bekannt ist der Schriftsteller vor allem für seine Romanbegebenheiten, die irgendwo zwischen dem Makabren und dem Komischen pendeln. Skurrile, um nicht zu sagen groteske Geschichten habe ich hier bereits in großer Menge besprochen; und zwar mit den zwanzig Romanen von T. C. Boyle. Damit schließt sich dann auch der Kreis, denn in den Siebzigern lernte Boyle an der Universität in Iowa bei Irving – neben anderen Professoren – das Schreibhandwerk. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis ich nach Boyles Romanen bei denen von Irving landen würde. Ob ich mich wohl nach meinem Einstieg über Königin Esther an weitere Geschichten des US-ame­ri­ka­nisch-ka­na­di­schen Schriftstellers heranmachen werde?

Esther ist der Name einer der Romanfiguren Irvings. Sie hat zwar selbst nur wenige Auftritte in der Geschichte. Doch ist sie stets im Hintergrund des ausschweifenden, kleinteiligen und von einem Bruchstück zum nächsten mäandernden Romans präsent und hält all die Puzzleteilchen der Erzählung zusammen. Esther ist also eine Protagonistin, die aus der zweiten Reihe heraus agiert. Die formale Hauptrolle spielt Esthers Sohn James „Jimmy“ Winslow, der nicht zufällig den selbst gewählten Mittelnamen des Autors trägt. Jimmy ist nämlich ebenfalls angehender Schriftsteller und geht dem gleichen Hobbysport nach wie John Irving selbst: dem Freistilringen.

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Echtzeitalter

Tonio Schachinger, Echtzeitalter, 2023
Tonio Schachinger, 2023

Der Deutsche Buchpreis ging im Jahr 2023 an den Roman Echtzeitalter¹ von Tonio Schachinger. Die Jury begründete ihre Wahl folgendermaßen: „Auf den ersten Blick ist Tonio Schachingers ‚Echtzeitalter‘ ein Schulroman. Auf den zweiten viel mehr als das: ein Gesellschaftsroman, der das Aufwachsen seines Helden Till an einer Wiener Eliteeinrichtung beschreibt […]. Mit feinsinniger Ironie spiegelt Schachinger die politischen und sozialen Verhältnisse der Gegenwart […]. Auf erzählerisch herausragende und zeitgemäße Weise verhandelt der Text die Frage nach dem gesellschaftlichen Ort der Literatur².“ Die Handlung der Geschichte setzt im Herbst 2013 ein, als Till Kokorda elf Jahre alt wird – kurz nach seiner Einschulung als „Firsty“ am fiktiven Marianum, einem elitären Wiener Light-Inter­nat. Wir begleiten Till über 360 Textseiten hinweg und durch sieben Lebensjahre hindurch, bis in die Abschlussklasse im Jahr 2020.

Eng verzahnt mit seiner Schullaufbahn ist Tills Leidenschaft für das Computerspiel Age of Empires II. Er verbringt jede freie Minute mit dem Strategiespiel und rückt im Alter von fünfzehn ganz unerwartet in die Riege der weltweit beachteten Top-Spieler auf. Der Autor beschäftigt sich in seinem zweiten Roman mit den Fragen: Wieviel Selbstverwirklichung oder Freiheit lässt eine stark traditionell geprägte Bildungsstruktur zu? Welchen Einfluss haben Digitalisierung und insbesondere Gaming auf das Erwachsenwerden der Generation Z?

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Happy Birthday, Mr. Boyle!

Der US-Schriftsteller T. C. Boyle nach einer Lesung in der Isarphilharmonie, München, 24.11.2025
Der US-Schriftsteller T. C. Boyle, 2025

Thomas Coraghessan Boyle feiert¹ heute seinen 77. Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch, happy birthday, feliz cumpleaños. Dieses Ereignis betone ich aus drei sehr guten Gründen. Denn zum Ersten steht T. C. Boyle weit oben auf der Liste meiner liebsten Literaten.

Zum Zweiten habe ich vor einem Monat mit No Way Home seine brandaktuelle Veröffentlichung besprochen und damit endlich eine lange Lesereise abgeschlossen, die im Jahr 2006 mit meiner Lektüre von Drop City begonnen hatte. Tatsächlich habe ich jetzt nämlich alle bislang 20 Romane und 13 Kurzgeschichtenbände² gelesen und auch ausnahmslos auf E-Script vorgestellt. Was mir dabei alles begegnet ist, kann man in meinem Autorenprofil von T. C. Boyle nachlesen; dort findet man natürlich auch alle Links auf meine 33 Buchbesprechungen der boyleschen Publikationen.

Und zum Dritten …

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