Komplette Liste aller Rezensionen seit 2002
Auf der Suche nach Lese­stoff? Hier findest Du Buch­be­sprechun­gen mit An­spruch aber ohne Allü­ren. Ich schreibe meist über bel­le­tris­tische Titel; über solche, die mir ge­fallen oder auch mal nicht ge­fallen haben; manchmal Main­stream, manchmal ab­seits der aus­ge­tre­tenen Pfade. (Per­sön­liche Empfeh­lungen und ein paar Worte zu diesem Projekt gibt’s ganz unten auf dieser Seite.)

Georg-Büchner-Preis 2021

Clemens J. Setz, 2021
Clemens J. Setz, 2021

Der öster­reichi­sche Schrift­stel­ler und Über­set­zer Clemens Johann Setz (39) er­hält in die­sem Jahr den Georg-Büchner-Preis. Die Jury zeich­net da­mit „einen Sprach­künst­ler aus, der mit sei­nen Ro­ma­nen und Er­zäh­lun­gen im­mer wie­der mensch­li­che Grenz­be­rei­che er­kun­det“. Sie wür­digt Setz‘ „zu­tiefst hu­ma­nis­ti­sche Im­pul­se“, sei­ne „Men­schen­freund­lich­keit“, sein „en­zy­klo­pä­di­sches Wis­sen und einen Reich­tum der poe­ti­schen und sprach­schöp­fe­ri­schen Ima­gi­na­tion“. Der mit 50.000 Euro do­tier­te Georg-Büchner-Preis ist einer der wich­tig­sten li­te­ra­ri­schen Aus­zeich­nun­gen im deutsch­spra­ch­igen Raum. Im ver­gan­ge­nen Jahr wur­de Elke Erb für ihr li­te­ra­ri­sches Le­bens­werk aus­ge­zeich­net.

Herzlichen Glückwunsch, Herr Setz!

Über den Preisträger

Als Au­tor hat Setz bis­lang fünf­zehn Roma­ne, Erzäh­lungen, Gedicht­bände und Theater­stücke ver­öffent­licht. Als Über­setzer hat er meh­rere Werke von Eward Gorey sowie von John Leake und Scott McClanahan ins Deutsche gebracht. In mei­nem Bücher­regal wird stets sein Roman Indigo einen Ehren­platz behal­ten. In die­sem Werk schreibt er über eine rät­sel­hafte Stö­rung, die dazu führt, dass jeder, der dem Trä­ger des soge­nann­ten „Indigo-Syn­droms“ zu nahe kommt, von Übel­keit, Schwin­del und Kopf­schmerz befal­len wird. Setz‘ radi­kaler Roman wurde als „Bas­tard aus Agenten-, Science-Fiction- und Polit­thriller, Schauer- und Liebes­geschichte, unter­mischt mit Amok­lauf­fanta­sien und Schock­bildern“ bezeich­net, das Buch stand 2012 auf der Short­list des Deut­schen Buch­prei­ses.

„Jahre­lang habe sie, so erklärte die Frau, alle Leute nach dem Ampel-Sys­tem ein­ge­teilt: Sol­che mit roter Aura waren unge­müt­liche Exem­plare, jäh­zor­nig, klein­lich, begriffs­stut­zig; gelbe Aura bedeu­tete Geduld, Für­sorg­lich­keit, Ver­ständ­nis; grün bedeu­tete Albern­heit,Wild­heit, mit­unter auch Faul­heit. Aber seit eini­gen Jah­ren fie­len ihr hier und da kleine blaue Wesen auf, Kin­der mit indi­go­blauer Aura. Der Mode­rator fragte nach, aber die wie eine Fle­der­maus geklei­dete Sehe­rin schüt­telte den Kopf und meinte, sie könne beim bes­ten Wil­len nicht sagen, wel­che Eigen­schaf­ten diese Farbe dar­stelle, aber sie ver­mute, es habe zu zun mit dem Kom­men eines neuen Zeit­al­ters, dem der Fische. Dieser Zusam­men­hang war nie­man­dem ver­ständ­lich, und so erklärte die Frau, dass es sich bei die­sen Kin­dern mög­licher­weise um spiri­tuel­lere, intelli­gen­tere Wesen handle, die auf die Erde gekom­men seien, um den Pla­ne­ten zu ret­ten.“
(Indigo, Seite 55 f.)

Kaufempfehlungen

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Die Lieferung

Die Lieferung, 2019
Andreas Winkelmann, 2019

Zwischen­durch als Urlaubs­lek­türe für Strand und Terrasse habe ich mir Die Lieferung von Andreas Winkel­mann auf dem E-Reader mit­ge­nom­men. Einen Thriller. Immer­hin mal auf Platz 1 der Spie­gel-Best­seller­liste. Kann also nicht so ver­kehrt sein. Und tat­säch­lich war ich anfangs ziem­lich ange­tan. Der Autor schafft es tat­säch­lich, Spannung aufzu­bauen und über weite Strecken beizu­behal­ten. Genau das Rich­tige für die Ferien­zeit? Auch wenn dieses Brief­marken­cover auf dem E-Reader arg miss­glückt daher­kommt?

Wir tau­chen also ein in die Hand­lung: Offen­bar geht es hier um junge, attrak­tive Frauen, die alle ver­schwin­den und spä­ter durch ein trau­mati­sches Erleb­nis den Ver­stand ver­loren zu haben schei­nen. Gemein­sam mit dem ermitteln­den Prota­gonisten Jens Kerner begegnen wir zunächst einer nackten, voll­kommen durch­gedreh­ten Furie mit nacht­blei­chem Kör­per und gescho­renem Schä­del, die durch den Wald stol­pert und durch den Hel­den erst dank foot­ball­artigem Kör­per­ein­satz gestoppt wer­den kann. In einem paral­lelen Hand­lungs­strang beglei­ten wir eine zweite junge Frau, die sich auf uner­klär­liche, aber nichts­desto­weniger bedroh­liche Weise ver­folgt fühlt. Und dann taucht in einem drit­ten, rück­wärts gewand­ten Plot ein Junge auf, der trauma­tische Erfah­run­gen mit dem wun­der­hüb­schen Nach­bars­mäd­chen macht, für das er schwärmt, die aller­dings für ihn, den sozial benach­tei­lig­ten Nie­mand uner­reich­bar bleibt.

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Weltbuchtag 2021

Diada de Sant Jordi
Der Georgstag ist Weltbuchtag

La Diada de Sant Jordi (katalanisch) | el Día de San Jorge (kastilisch) | der Feier­tag des Hei­li­gen Georg wird in Kata­lonien als Tag seines Schutz­patrons, des Heili­gen Georgs von Kappa­dokien, des heroi­schen Drachen­töters* und christ­lichen Schutz­heiligen, am 23. April jeden Jahres gefeiert. Der 23. April 303 gilt nämlich als Tag der Fol­terung und Hin­rich­tung Georgs von Kappa­dokien.

Der religiöse Gedenktag fällt mittler­weile zusam­men mit dem Dia del Llibre i la Fira de les Roses (katalanisch) | Tag des Buches und Fest der Rosen. Das Datum wird in Kata­lonien als Tag der Ver­lieb­ten begangen. Schon im 15. Jahr­hun­dert war es Brauch, der Her­zdame eine Rose zu schen­ken, “vermella com la sang” (katalanisch) | “rot wie das Blut”.
Seit Ende der Neun­zehn­hundert­zwanziger­jahre begannen die Damen damit, sich für Rosen bei ihren Rittern mit Buch­ges­chen­ken zu revan­chieren. Im Jahr 1930 leg­te die Cambra del Llibre de Cata­lunya, eine Unter­nehmer­ve­reini­gung von Heraus­gebern, Druckern und Buch­händlern, schließ­lich den 23. April als Gedenk­tag des Buches fest. Das Datum fällt auf die Todes­tage von Shakes­peare und Cervan­tes und ist außer­dem Geburts- oder Sterbe­tag mehre­rer weite­rer welt­weit bekann­ter Schrift­steller.

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