Komplette Liste aller Rezensionen seit 2002
Auf der Suche nach Lese­stoff? Hier findest Du Buch­be­sprechun­gen mit An­spruch aber ohne Allü­ren. Ich schreibe meist über bel­le­tris­tische Titel; über solche, die mir ge­fallen oder auch mal nicht ge­fallen haben; manchmal Main­stream, manchmal ab­seits der aus­ge­tre­tenen Pfade. (Per­sön­liche Empfeh­lungen und ein paar Worte zu diesem Projekt gibt’s ganz unten auf dieser Seite.)

Der Feind im Schatten

Henning Mankell, Der Feind im Schatten, 2010
Henning Mankell, 2010

Beinahe sechs Jahre nach seinem vorhergehenden Auftritt in Mord im Herbst gibt Kurt Wallander nun endgültig seine literarische Abschieds­vorstellung. Henning Mankell hat seinem zwölften und letzten Band der Wallanderromanserie den Titel Der Feind im Schatten gegeben. Die Handlung setzt im Januar 2007 ein, also beinahe auf den Tag genau siebzehn Jahre nach dem ersten Wallander, Mörder ohne Gesicht. Der schwedische Kultkommissar wird jetzt 60 Jahre alt und hatte sich erst vier Jahre zuvor endlich seinen Traum erfüllt: Er war aus seiner Wohnung in der Mariagatan in Ystad hinaus aufs Land gezogen, in Richtung Löderup, wo sein Vater gelebt hatte. Und Wallander hat sich tatsächlich – auch wie erträumt – einen Hund zugelegt: einen Labrador, den er nach seinem Lieblingstenor Björling „Jussi“ nennt.

Wallanders letzter Fall ist eigentlich gar nicht sein Fall. Er ermittelt nämlich nebenbei in seiner Freizeit in einer familiären Angelegenheit. Tochter Linda ist Mutter geworden: Mit ihrem Lebens­gefährten Hans von Enke hat sie Kurt zum Großvater einer Enkelin namens Klara gemacht. Da hatte Wallander natürlich auch die künftigen Schwieger­eltern Lindas kennengelernt, Håkan und Louise von Enke; einen pensionierten Marine­kapitän und eine ehemalige Lehrerin. Nach der Feier von Håkans Fünfund­siebzigstem verschwindet erst der Mann spurlos und einige Zeit später auch seine Frau Louise. Kurt Wallander gräbt in der Vergangen­heit der beiden und deckt dabei Merkwürdiges, Beunruhigendes auf.

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Mord im Herbst

Henning Makell, Mord im Herbst, 2013
Henning Mankell, 2013

Ein recht dünnes Bändchen kredenzt uns Autor Henning Mankell mit seinem elften und vorletzten Teil der Wallander-Krimireihe; gerade einmal 120 Taschenbuchseiten, nur ein Viertel oder Fünftel dessen, was wir aus den anderen Wallandern gewohnt waren. Und Mord im Herbst hält immerhin auch elf Jahre Abstand zu seinem Vorgänger Vor dem Frost, zumindest was die Veröffentlichungsdaten sowohl der schwedischen als auch der deutschen Ausgabe betrifft – beide erst 2013. Doch dieses späte Veröffentlichungsjahr trügt. Immerhin erschien das Büchlein in den Niederlanden bereits 2004, und die Romanhandlung trägt sich im Oktober 2002 zu, also auch wieder wie gekannt nur ein Jahr nach dem zehnten Band.

Was ist das bloß für ein Durcheinander? – Wir erinnern uns: Mit Die Brandmauer wollte Mankell die Wallanderserie ursprünglich abschließen. Dann schob er das Prequel Wallanders erster Fall nach. Und schließlich beschrieb er in Vor dem Frost den Generationenwechsel: Kurts Tochter Linda war die eigentliche Protagonistin des vorherigen, zehnten Wallanderromans.

In Mord im Herbst ist es nun auf einmal doch wieder Kurt Wallander, der die Ermittlungen vorantreibt. Linda ist zwar noch prominent im Privatleben ihres Vaters vorhanden, assistiert im Kriminalfall allerdings nur mehr beiläufig. – Und erst recht nicht mehr als Ich-Erzählerin.

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Wallanders erster Fall

Henning Mankell, Wallanders erster Fall, 2002
Henning Mankell, 2002

Eigentlich war bereits Die Brandmauer als Abschlussband der Wallander-Romanserie Henning Mankells angelegt. Doch nur ein Jahr nach der Brandmauer schiebt der Autor eine Sammlung mit fünf kürzeren Erzählungen über den längst weltberühmten Schwedenkommissar nach. Diese Sammlung trägt den Titel Wallanders erster Fall (und andere Erzählungen). Wie der Titel vermuten lässt, handelt der neunte Band in der Zeit vor dem ersten Roman, Möder ohne Gesicht, er präsentiert also die Vorgeschichte von Kurt Wallander. Im Vorwort erklärt Mankell, er habe bemerkt, dass er „im Kopf anfing, Erzählungen zu schreiben, die vor der Romanserie spielten“. Er habe diesen Band herausgegeben, „weil er ein Ausrufezeichen darstellt nach dem Punkt, den ich mit Die Brandmauer gesetzt hatte“.

Für die weltweite Fangemeinde des schwedischen Kommissars stellt der neunte Band keinen Epilog dar, sondern einen Prolog. Obwohl er zuletzt geschrieben ist.

„Wallander ist für viele ein lebendiger Mensch geworden. Er ist aus den Buchseiten herausgetreten und zu einem Mitmenschen geworden. Auch wenn alle im Innersten natürlich wissen, daß er nur in der Vorstellung existiert. Aber er hat trotzdem eine Vergangenheit. Er war einmal jung. In diesen Erzählungen versuche ich, einige der frühesten Teile seines Lebens, so wie ich sie mir vorstelle, in das Bild einzufügen.
Kein Bild wird jemals vollständig. Aber diese Geschichten gehören zur Serie über Wallander. Ich mache den Sack zu.“ (Seite 11)

Wallanders erster Fall –

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