Meine ganz persönlichen Lesempfehlungen
Auf der Su­che nach Lese­stoff? Hier fin­dest Du Buch­be­spre­chun­gen mit An­spruch aber oh­ne Al­lü­ren. Ich schrei­be meist über bel­le­tris­ti­sche Ti­tel; über sol­che, die mir ge­fal­len oder auch mal nicht ge­fal­len ha­ben; manch­mal Main­stream, manch­mal ab­seits der aus­ge­tre­te­nen Pfa­de. (Per­sön­li­che Emp­feh­lun­gen und ein paar Wor­te zu die­sem Pro­jekt gibt’s ganz un­ten auf die­ser Sei­te.)

Freiheitsgeld

Andreas Eschbach, Freiheitsgeld, 2022
Andreas Eschbach, 2022

Man müsste Andreas Esch­bach als Be­ra­ter der Bun­des­re­gie­rung emp­feh­len. Denn bei ihm heißt das bü­ro­kra­ti­sche Wort­un­ge­tüm „be­din­gungs­lo­ses Grund­ein­kom­men“ deut­lich hand­li­cher Freiheitsgeld. Sein gleich­na­mi­ger Ro­man han­delt in der deut­schen Zu­kunft im Jah­re 2064 und ist glei­cher­ma­ßen Po­lit­thril­ler wie Ge­sell­schafts­stu­die. Scha­de ist nur, dass we­der der Autor noch ich mehr in der La­ge sein wer­den zu über­prü­fen, wie vie­le sei­ner Pro­gno­sen bis in 42 Jah­ren ein­ge­trof­fen sein wer­den. Al­so be­schrän­ken wir uns zu­nächst da­rauf, den span­nen­den kri­mi­na­lis­ti­schen An­teil des Ro­mans zu ge­nie­ßen. Der Er­fin­der des Frei­heits­gel­des, ein längst pen­sio­nier­ter Ex-Bun­des­kanz­ler, und sein ener­gischs­ter Wi­der­sa­cher, ein Jour­na­list, wer­den bei­de tot auf­ge­fun­den. Be­steht eine Ver­bin­dung zwi­schen den bei­den To­des­fäl­len? Die po­li­zei­li­chen Er­mitt­lun­gen wer­den von fins­te­ren Kräf­ten be­hin­dert, die eine Auf­klä­rung der Hin­ter­grün­de un­be­dingt ver­hin­dern wol­len.

Freiheitsgeld – Worum geht es?

Genau genom­men prä­sen­tiert uns der Autor in sei­nem Roman vier Ge­schich­ten in einer: Da ist zum einen diese Gesell­schafts­stu­die, aus der wir erfah­ren, wie Deutsch­land in vier Jahr­zehn­ten aus­se­hen mag. Hinzu kommt zwei­tens die kri­mina­lis­ti­sche Hand­lung um die bei­den Todes­fälle, die der Pro­tago­nist der Ge­schich­te auf­zuklä­ren hat. Eine dritte Kom­po­nente stellt die poli­tisch-gesell­schaft­li­che Dis­kus­sion um Sinn oder Unsinn des Frei­heits­gel­des dar. Die nimmt in der zwei­ten Roman­hälfte erheb­li­chen Anteil des Tex­tes ein­. Und zum Vier­ten steu­ert Esch­bach durch immer wie­der geschickt ein­ge­streute Hand­lungs­de­tails auf eine Erklä­rung der zunächst rät­sel­haf­ten Behin­de­rung der kri­mina­lis­ti­schen Ermitt­lun­gen zu, die in einer Art Show­down auf den letz­ten zwan­zig Buch­sei­ten umfas­send abge­schlos­sen wird. Diese Erklärung bildet gewis­ser­ma­ßen eine logi­sche Klam­mer um die drei ande­ren Roman­kom­ponen­ten.

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Dein Land in Schutt und Asche

Georg Adamah, Dein Land in Schutt und Asche, 2022
Georg Adamah, 2022

Dystopische Ge­schich­ten sind ge­ra­de wie­der en vo­gue. Un­ter dem Ti­tel Dein Land in Schutt und Asche hat Autor Georg Ada­mah im Früh­jahr eine sol­che Erzäh­lung heraus­ge­bracht: Deutsch­land in drei Jah­ren. Was wir uns al­le nicht vor­stel­len wol­len, ist jen­seits der glat­ten Ober­flä­che der me­dia­len Be­richt­er­stat­tung und der be­hä­bi­gen Gleich­gül­tig­keit des Po­li­tik­be­triebs lang­sam auf­ge­blüht. Im Ver­bor­ge­nen wur­de die Glut der Un­zu­frie­den­heit an­ge­facht und bricht plötz­lich als Flä­chen­brand her­vor. Bür­ger­krieg! Mit­ten in Deutsch­land! Wer die Ent­wick­lung nicht wahr­ha­ben woll­te, wird mit einem Don­ner­schlag auf­ge­weckt und sieht sich mit einem Mal sei­ner Exis­tenz be­raubt. Tod oder Flucht, eine drit­te Al­ter­na­ti­ve ist nicht er­kenn­bar. Ada­mahs Pro­ta­go­nist Is­mael van Wey­den ist einer de­rer, die völ­lig un­vor­be­rei­tet ihr bis­he­ri­ges Le­ben zu­rück­las­sen müs­sen, nur um über­haupt über­le­ben zu kön­nen.

Nennt mich Ismael

Adamah beginnt seine Ge­schich­te mit einem der berühm­tes­ten Roman­zi­tate der Welt­lite­ra­tur, näm­lich mit dem ers­ten Satz He­rman Mel­villes in sei­nem Klas­si­ker Moby-Dick: Die Erzäh­lung des Matro­sen Ismael, der sich im 19. Jahr­hun­dert dem starr­köp­fi­gen, ver­bit­ter­ten Kapi­tän Ahab anschloss auf des­sen Straf­expe­di­tion gegen den Wei­ßen Wal. Auf eine Expe­dition, die mit dem Tod fast aller Betei­lig­ten endete. Ledig­lich Ismael konn­te sich ret­ten.

Beinahe zwei Jahr­hun­derte spä­ter tritt der moderne Ismael ein Reise­aben­teuer an, das zwar über­haupt nichts mit Wal­fang zu tun hat. Wohl aber erneut mit der Unfä­hig­keit des Men­schen, die Zei­chen der Zeit zu erken­nen. Und mit der Unbeirr­bar­keit unse­rer Spe­zies, stets im Klei­nen unse­res per­sön­li­chen Eigen­inte­res­ses zu han­deln und dafür das Gelin­gen eines grö­ße­ren Plans aufs Spiel zu set­zen.

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Moby-Dick

Herman Melville, Moby-Dick, 1851
Herman Melville, 1851

Sehr wenige Romantitel wird es in der Li­te­ra­tur­ge­schich­te ge­ben, die so gut wie je­der Mensch zu­min­dest der west­li­chen He­mis­phä­re ken­nen dürf­te. Einer von ih­nen ist si­cher Her­man Mel­vil­les Moby Dick aus dem Jahr 1851. (Mit oder oh­ne Bin­de­strich. Der Ori­gi­nal­ti­tel wur­de aus un­be­kann­ten Grün­den mit dem Strich ge­schrie­ben.) Es geht da­rin um den per­sön­li­chen Ra­che­feld­zug von Ka­pi­tän Ahab, den die Jagd auf einen rie­si­gen Pott­wal einst ein Bein ge­kos­tet hat­te. Vor­ge­tra­gen wird die­se Er­zäh­lung von einem jun­gen Ma­tro­sen na­mens Is­mael, der Teil der Schiffs­mann­schaft war, die un­ter Ahabs Kom­man­do Jagd auf den Rie­sen­wal Mo­by Dick mach­te.

Nennt mich Ismael.

Mit die­sem berühm­ten ers­ten Satz lei­tete Mel­ville seine Ge­schich­te über die Jagd auf Moby Dick ein. Die meis­ten Lite­ratur­zeit­schrif­ten igno­rier­ten übri­gens damals, vor 170 Jah­ren, den Roman. Bei allen ande­ren waren sich die Kri­ti­ker einig: Es han­delte sich um eine „wilde Mischung  aus Phi­loso­phie, Blas­phe­mie, Fan­ta­sie, Über­schwang und Aben­teuer“. Längst ist der Roman­text nicht mehr urhe­ber­recht­lich geschützt, es gibt zahl­rei­che Aus­gaben auch in deut­scher Spra­che. (Das Titel­bild hier oben stammt von der Aus­gabe des Ana­conda Ver­lags aus dem Jahr 2012, das in mei­nem Regal steht. Aller­dings habe ich den Roman sicher schon Jahr­zehn­te frü­her gele­sen, als Leih­gabe einer öffent­li­chen Büche­rei.)

Ei­nem See­len­ver­wand­ten, Natha­niel Haw­thorne, schrieb Mel­ville 1851, er „habe ein gott­lo­ses Buch geschrie­ben, und fühle mich doch unbe­fleckt wie ein Lamm“.

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