Backflash Zufallsrezension: Jeden Sonntag eine neu & zufällig ausgewählte Buchbesprechung aus der Vergangenheit — Gute Bücher altern nicht!
Auf der Su­che nach Lese­stoff? Hier fin­dest Du Buch­be­spre­chun­gen mit An­spruch aber oh­ne Al­lü­ren. Ich schrei­be meist über bel­le­tris­ti­sche Ti­tel; über sol­che, die mir ge­fal­len oder auch mal nicht ge­fal­len ha­ben; manch­mal Main­stream, manch­mal ab­seits der aus­ge­tre­te­nen Pfa­de. (Per­sön­li­che Emp­feh­lun­gen und ein paar Wor­te zu die­sem Pro­jekt gibt’s ganz un­ten auf die­ser Sei­te.)

Weltbuchtag 2022

Weltbuchtag: Diada de Sant Jordi
Der Georgstag ist Weltbuchtag

La Diada de Sant Jordi (ka­ta­la­nisch) | el Día de San Jorge (kas­ti­lisch) | der Fei­er­tag des Hei­li­gen Georg wird in Ka­ta­lo­nien als Tag seines Schutz­pa­trons, des Hei­li­gen Ge­orgs von Kap­pa­do­kien, des he­roi­schen Dra­chen­tö­ters* und christ­li­chen Schutz­hei­li­gen, am 23. April je­den Jah­res ge­fei­ert. Der 23. April 303 gilt näm­lich als Tag der Fol­te­rung und Hin­rich­tung Ge­orgs von Kap­pa­do­kien.

Der re­li­giö­se Ge­denk­tag fällt mitt­ler­wei­le zu­sam­men mit dem Dia del Llibre i la Fira de les Roses (ka­ta­la­nisch) | Tag des Bu­ches und Fest der Ro­sen. Das Da­tum wird in Ka­ta­lo­nien als Tag der Ver­lieb­ten be­gan­gen. Schon im 15. Jahr­hun­dert war es Brauch, der Herz­da­me eine Ro­se zu schen­ken, „ver­mella com la sang“ (ka­ta­la­nisch) | „rot wie das Blut“.
Seit Ende der Neun­zehn­hun­dert­zwan­zi­ger­jah­re be­gan­nen die Da­men da­mit, sich für Ro­sen bei ih­ren Rit­tern mit Buch­ge­schen­ken zu re­van­chie­ren. Im Jahr 1930 leg­te die Cambra del Llibre de Cata­lunya, eine Un­ter­neh­mer­ver­eini­gung von He­raus­ge­bern, Dru­ckern und Buch­händ­lern, schließ­lich den 23. April als Ge­denk­tag des Bu­ches fest. Das Da­tum fällt auf die To­des­ta­ge von Sha­kes­pea­re und Cer­van­tes** und ist außer­dem Ge­burts- oder Ster­be­tag meh­re­rer wei­te­rer welt­weit be­kann­ter Schrift­stel­ler.

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Hexensaat

Margaret Atwood, Hexensaat, 2018
Margaret Atwood, 2018

Im Jahr 2013 kün­dig­te Mar­ga­ret At­wood an, im Rah­men des Ho­garth-Sha­kes­pea­re-Pro­jekts einen Bei­trag zu lie­fern. Drei Jah­re spä­ter er­schien der Ro­man Hag-Seed der ka­na­di­schen Schrift­stel­lerin, zwei Jah­re da­nach wur­de die deut­sche Über­set­zung un­ter dem Ti­tel Hexensaat auf­ge­legt. Da­rin er­zählt At­wood die Ge­schich­te des Thea­ter­re­gis­seurs Fe­lix, eines ge­fei­er­ten Stars, der je­doch den In­tri­gen sei­nes engs­ten Mit­ar­bei­ters zum Op­fer fällt und sich zu­rück­zieht. Zwölf Jah­re spä­ter sorgt das Schick­sal da­für, dass Fe­lix Ge­le­gen­heit zur Ra­che be­kommt. Die Ro­man­ge­schich­te ist eine Adap­tion des Büh­nen­dra­mas Der Sturm von Will­iam Sha­kes­pea­re.

Bei Sha­kes­pea­re wur­de der Mai­län­der Her­zog Pros­pe­ro von sei­nem Bru­der An­to­nio hin­ter­gan­gen und ent­mach­tet. Seit­her lebt er mit sei­ner Toch­ter Mi­ran­da auf einer ein­sa­men In­sel. Als sei­ne Fein­de Jah­re spä­ter mit dem Schiff an der In­sel vor­bei­kom­men, ent­fes­selt Pros­pe­ro mit Zau­ber­kraft einen Sturm und lässt das Schiff mit dem Kö­nig von Nea­pel, des­sen Sohn und sei­nem eige­nen Bru­der, der ihn einst ver­ra­ten hat­te, auf der In­sel stran­den. Ra­che ist Blut­wurst!

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Der Massai, der in Schweden noch eine Rechnung offen hatte

Jonas Jonasson; Der Massai, der in Schweden noch eine Rechnung offen hatte, 2020
Jonas Jonasson, 2020

Mit Der Hun­dert­jäh­ri­ge, der aus dem Fens­ter stieg und ver­schwand ge­lang dem schwe­di­schen Autor Jo­nas Jo­nas­son vor gut zehn Jah­ren ein Erst­lings­ro­man, der aus dem Stand zum welt­wei­ten Mil­lio­nen­sel­ler wur­de. Recht­zei­tig zum Weih­nachts­ge­schäft vor zwei Jah­ren er­schien Jo­nas­sons fünf­ter Ro­man mit dem Ti­tel Der Massai, der in Schweden noch eine Rechnung offen hatte. Er­staun­li­cher­wei­se tre­ten in die­ser Ge­schich­te gleich zwei Mas­sai auf, die bei­de eine Rech­nung in Schwe­den of­fen ha­ben: Ole Mba­tian der Jün­ge­re, ein ke­nia­ni­scher Me­di­zin­mann, und sein schwe­di­scher Adop­tiv­sohn Ke­vin Beck. Ole und Ke­vin bil­den das Zen­trum der Ge­schich­te, um das wei­te­re Per­so­nen krei­sen und die bi­zar­re Ro­man­hand­lung vo­ran­trei­ben.

Da wä­re an ers­ter Stel­le Vic­tor zu nen­nen. Vic­tor ist Ras­sist, skru­pel­lo­ser Ge­schäf­te­ma­cher und ein Ego­ma­ne, dem je­des mensch­li­che Ge­fühl fehlt. Außer­dem ist Vic­tor der leib­li­che Va­ter Ke­vins, den er mit einer Pros­ti­tu­ier­ten ge­zeugt hat.

„Er heißt Ke­vin“, sagte sie.
„Hä?“, sag­te Vic­tor.
„Er ist dein Sohn.“
„Sohn? Schei­ße, der ist doch schwarz.“
„Wenn du mich ge­nau an­siehst, geht dir viel­leicht auf, wie es da­zu kom­men konn­te.“
(Dia­log zwi­schen Ke­vins Mut­ter und Vic­tor, Sei­te 27)

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