
Der Carl Hanser Verlag veröffentlichte im Jahr 2018 einen Kurzgeschichtenband des US-Autors T. C. Boyle, der zuvor nicht in dieser Zusammensetzung in den USA erschienen war. Wenn man allerdings genauer hinsieht, erkennt man, dass die einzelnen Erzählungen in Good Home aus verschiedenen früheren, englischsprachigen Sammelbänden übernommen und übersetzt wurden. Good Home wurde hierzulande ein Jahr nach dem Boyle-Roman Die Terranauten sowie ein Jahr vor Das Licht auf den Buchmarkt geworfen. Die zwanzig Geschichten der Sammlung entstanden in den Nullerjahren. Einmal mehr sind Boyles Protagonisten die Außenseiter, die Unglücklichen und Vernachlässigten der Gesellschaft, die nichts auf die Reihe kriegen. Die Figuren bewegen sich in einer Welt, in der menschliche Nähe brüchig geworden ist. Einsamkeit durchzieht ihre Existenz wie ein Grundton, während Solidarität in Momenten der Krise ausbleibt. Verantwortung wird abgegeben, Beziehungen verlieren sich in einem Geflecht aus Täuschung, Missverständnissen und unausgesprochenen Erwartungen.
Über die Kurzgeschichten
Zwanzig Erzählungen in einem Band, das ist eine Hausnummer, eine Herausforderung. Ich greife einmal diejenigen acht Geschichten heraus, die mich besonders beeindruckt haben. Darin geht es gleich zu Anfang um den Einfluss, den ein alkoholabhängiger Vater auf seine heranwachsende Tochter ausübt. Es geht um die Schlacht zwischen Kreationisten und Naturwissenschaftlern, um eine ungewöhnliche Geiselerpressung in Venezuela und um Brandstiftung in Kalifornien. Schließlich ereignet sich das Wunder der Musik in einem schäbigen Aufnahmestudio und wir kehren nach Big Timber zurück, wo sich diesmal ein Stalker herumtreibt. Wir folgen einer Familiensaga am Hudson River und wir begleiten gegen Ende hin in der titelgebenden Geschichte Good Home einen Kampfhundezüchter durch seine finsteren Stunden.



