Flashback Zufallsrezension: Jeden Sonntag eine neu & zufällig ausgewählte Buchbesprechung aus der Vergangenheit — Gute Bücher altern nicht!
Auf der Su­che nach Lese­stoff? Hier fin­dest Du Buch­be­spre­chun­gen mit An­spruch aber oh­ne Al­lü­ren. Ich schrei­be meist über bel­le­tris­ti­sche Ti­tel; über sol­che, die mir ge­fal­len oder auch mal nicht ge­fal­len ha­ben; manch­mal Main­stream, manch­mal ab­seits der aus­ge­tre­te­nen Pfa­de. (Per­sön­li­che Emp­feh­lun­gen und ein paar Wor­te zu die­sem Pro­jekt gibt’s ganz un­ten auf die­ser Sei­te.)

Harry Potter und der Halbblutprinz

Harry Potter and the Half-Blood Prince
Joanne K. Rowling, 2005

Die Erwartungshaltung un­ter den Fans der Ro­man­se­rie ist enorm, der Run auf die Ver­kaufs­re­ga­le schlägt al­le Re­kor­de. Al­lein schon am ers­ten Tag wur­den in den USA 6,9 Mil­lio­nen Bän­de der sechs­ten und vor­aus­sicht­lich vor­letz­ten Fol­ge ab­ge­setzt, in Groß­bri­tan­ni­en wei­te­re zwei Mil­lio­nen. Das li­te­ra­ri­sche Phä­no­men setzt die Auto­rin Jo­an­ne Row­ling un­ter Druck. Ist es ihr mit Harry Potter und der Halbblutprinz ge­lun­gen, die ge­spann­te Le­ser­schaft er­neut in den Bann der Ge­schich­te um den he­ran­wach­sen­den Zau­be­rer Har­ry Pot­ter zu zie­hen?

Be­müht hat sie sich oh­ne Zwei­fel. Zu­min­dest zu Be­ginn durch­bricht sie das Hand­lungs­mus­ter, das nach fünf Bän­den lang­wei­lig zu wer­den droh­te. Statt näm­lich der üb­li­chen Ein­lei­tung aus dem Hau­se der Durs­leys, in dem der Pro­ta­go­nist ge­lang­weilt auf den Be­ginn des Schul­jah­res war­tet, lässt Row­ling dies­mal den neu­en Mi­nis­ter für Zau­be­rei beim bri­ti­schen Pre­mier – un­ver­kenn­bar To­ny Blair – vor­spre­chen. Grund da­für sind An­schlä­ge in der Welt der nicht-ma­gi­schen Mug­gel, die der Bö­se­wicht Vol­de­mort zu ver­ant­wor­ten hat. – Ein deut­li­cher Ver­such, die Ro­man­hand­lung in das ganz rea­le, ak­tu­el­le Kli­ma der Be­dro­hung durch is­la­mis­ti­sche Ter­ror­grup­pen ein­zu­we­ben.

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Sakrileg

Sakrileg
Dan Brown, 2003

Im englischen Original lautet der Titel von Dan Browns Best­seller The Da Vinci Code. Damit nimmt der Autor Bezug auf ein zentra­les Thema seines Thrillers. Der deutsche Roman­titel hinge­gen nennt beim Namen, welche Reak­tion Brown mit der Kern­these seiner Geschichte ausge­löst hat: Als „Sakrileg“ betrachten manche Christen die gewagte Unter­stellung einer intimen Bezie­hung zwischen dem histo­rischen Jesus Christus und Maria Magda­lena. Den Verkaufs­zahlen des Buches kommt der Streit zwi­schen den Lagern zu Gute. In den vergan­genen Wochen stand Sakrileg über Wochen hinweg an der Spitze der Best­seller­listen in Deutsch­land.

Vier Jahre nach Angels And Demons, das in der deut­schen Über­set­zung unter dem Titel Illuminati erschien, veröffent­lichte Dan Brown die Fort­set­zung der Erleb­nisse seines Helden Robert Langdon. Wie bereits in der Rezen­sion zu Illuminati im Detail beschrie­ben wurde, wirkt der Vorgän­ger­roman wie ein Ent­wurf für Sakrileg. Sehr wahr­schein­lich stimmen mir viele Leser zu, die beide Bücher kennen: Die zweite Geschichte wirkt zumin­dest in Bezug auf Stimmig­keit und Über­zeugungs­kraft des Plots ausge­woge­ner und gelun­gener. Weniger Anlei­hen bei James Bond und Indiana Jones erhö­hen Realitäts­bezug und Wahr­schein­lich­keit der Hand­lung im Ver­gleich zu Illuminati deut­lich. Auch wenn der Autor seinen Prota­go­nisten in den ersten Abschnit­ten des zwei­ten Romans augen­zwin­kernd als „Harrison Ford in Harris Tweed“ beschreibt.

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Tintenherz

Tintenherz
Cornelia Funke, 2003

Es gibt weni­ge Bü­cher, die für Kin­der ge­schrie­ben wur­den, aber Er­wach­se­ne eben­so in ih­ren Bann zie­hen. Die ers­ten in mei­ner kur­zen Lis­te wa­ren Mi­cha­el En­des Er­zähl­bän­de von Jim Knopf und Lu­kas, dem Lo­ko­mo­tiv­füh­rer, die vor fünf­und­vier­zig Jah­ren pu­bli­ziert wur­de. Das neus­te ist für mich nun seit ein paar Ta­gen Tintenherz von Cor­ne­lia Fun­ke: ein zau­ber­haf­tes Buch über die Faszination, die Bü­cher aus­üben kön­nen, das je­dem Bü­cher­nar­ren wärms­tens zu emp­feh­len ist; egal ob er nun acht oder acht­und­acht­zig Jah­re alt ist.

Wo­rum es in der Er­zäh­lung geht: Meg­gie Fol­chart ist zwölf Jah­re alt und lebt mit ih­rem Va­ter „Mo“ Mor­ti­mer, einem Buch­bin­der, auf einem he­run­ter­ge­kom­me­nen Hof. Die Mut­ter war neun Jah­re zu­vor „fort­ge­gan­gen“.

Tintenherz – Ein kleines biss­chen über die Hand­lung

Von ihrem Vater hat das Meg­gie die Liebe zu Büchern über­nom­men. All die Ge­schich­ten, die zwi­schen zwei Buch­rü­cken ste­cken, sind Meg­gie Trost oder Anre­gung in allen Lagen des Lebens. Als eines Abends der zwie­lich­tige Staub­fin­ger auf­taucht, wer­den Meg­gie und Mo in einen Stru­del sich über­schla­gen­der Ereig­nisse gezo­gen. Die drei flie­hen vor dem omi­nö­sen Böse­wicht Capri­corn in Rich­tung Süden – wahr­schein­lich nach Ita­lien. Sie fin­den Zuflucht bei Meg­gies Groß­tante Eli­nor Lore­dan, die zurück­gezo­gen auf ihrem Land­sitz inmit­ten einer rie­si­gen Bib­lio­thek lebt.

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