
Seit 1996 wird alljährlich in Dublin der internationale Dublin Literary Award EN verliehen. Der Preis ist mit 100.000 Euro dotiert und damit – zumindest meines Wissens – direkt nach dem Nobelpreis für Literatur der weltweit finanziell am zweithöchsten ausgestattete Literaturpreis. Für die Nominierung der Kandidaten sind eine Reihe öffentlicher Bibliotheken verantwortlich, 2023 waren es 81 Bibliotheken aus 31 Ländern. Formale Voraussetzung für eine Nominierung: Belletristik, „hoher literarischer Anspruch“ und zumindest in Übersetzung ins Englische veröffentlicht. Dieses Jahr im Mai ging der Preis an Marzahn, mon amour, Geschichten einer Fußpflegerin von Katja Oskamp (53).
Die Autorin stammt aus Leipzig, hat erst Theaterwissenschaft und später Schriftstellerei studiert. Ihre Debuterzählung mit dem Titel Halbschwimmer erschien vor zwanzig Jahren, beschreibt eine Jugend in der DDR und wurde sehr positiv aufgenommen. Die beiden Folgeromane Die Staubfängerin (2007) und Hellerdorfer Perle (2010) kamen weniger gut an. So kam es, dass die Autorin seit 2015 als Fußpflegerin im Berliner Kosmetiksalon einer Bekannten arbeitet. In Marzahn, mon amour verarbeitet Oskamp die Erlebnisse ihrer neuen Profession: Ganz unten ist sie angekommen, bei den Füßen ihrer Kunden.




