
Manche Literaturkritiker stehen auf dem Standpunkt, biografische Romane seien etwas für schriftstellerische Anfänger. Weil diese mit einem vorgegebenen Tatsachengerüst den Mangel an eigenem, fiktiven Geschichtenmaterial kaschieren könnten. Seit nunmehr vier Dekaden beweist T. C. Boyle regelmäßig, dass eine solche Verallgemeinerung falsch ist. In seinem vierzehnten Roman schreibt der US-amerikanische Meister der Erzählkunst über die Schicksale dreier Frauen, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten um den Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts auf der einsamen kleinen Insel San Miguel vor der kalifornischen Küste landen: über die schwindsüchtige Marantha, die ihrem Mann folgt, weil sie sich Besserung ihres Gesundheitszustandes erhoffen; über Maranthas Adoptivtochter Edith; und über die einstige Großstadtbibliothekarin Elise, die schließlich auf San Miguel glückliche Jahre verbringt.
Zugegeben, dieser Abriss hört sich nicht zwingend nach einem literarischen Meisterwerk an. Zumal Boyle auch noch erklärt, er habe sich weitgehend an historisches Material aus dem neunzehnten Jahrhundert gehalten. Wie kann da noch Platz für Spannung oder wenigstens Unerhörtes sein? Doch zumindest meine Zweifel an der Lesbarkeit der Geschichten, gegen jegliche Anwandlung von Langeweile, hat der Autor schnell und gründlich zerstreut.



