Meine ganz persönlichen Lesempfehlungen
Auf der Su­che nach Lese­stoff? Hier fin­dest Du Buch­be­spre­chun­gen mit An­spruch aber oh­ne Al­lü­ren. Ich schrei­be meist über bel­le­tris­ti­sche Ti­tel; über sol­che, die mir ge­fal­len oder auch mal nicht ge­fal­len ha­ben; manch­mal Main­stream, manch­mal ab­seits der aus­ge­tre­te­nen Pfa­de. (Per­sön­li­che Emp­feh­lun­gen und ein paar Wor­te zu die­sem Pro­jekt gibt’s ganz un­ten auf die­ser Sei­te.)

San Miguel

T. C. Boyle, San Miguel, 2013
T. C. Boyle, 2013

Manche Literaturkritiker stehen auf dem Standpunkt, biografische Romane seien etwas für schriftstellerische Anfänger. Weil diese mit einem vorgegebenen Tatsachengerüst den Mangel an eigenem, fiktiven Geschichtenmaterial kaschieren könnten. Seit nunmehr vier Dekaden beweist T. C. Boyle regelmäßig, dass eine solche Verallgemeinerung falsch ist. In seinem vierzehnten Roman schreibt der US-ame­ri­ka­ni­sche Meister der Erzählkunst über die Schicksale dreier Frauen, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten um den Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts auf der einsamen kleinen Insel San Miguel vor der kalifornischen Küste landen: über die schwindsüchtige Marantha, die ihrem Mann folgt, weil sie sich Besserung ihres Gesundheitszustandes erhoffen; über Maranthas Adoptivtochter Edith; und über die einstige Großstadtbibliothekarin Elise, die schließlich auf San Miguel glückliche Jahre verbringt.

Zugegeben, dieser Abriss hört sich nicht zwingend nach einem literarischen Meisterwerk an. Zumal Boyle auch noch erklärt, er habe sich weitgehend an historisches Material aus dem neunzehnten Jahrhundert gehalten. Wie kann da noch Platz für Spannung oder wenigstens Unerhörtes sein? Doch zumindest meine Zweifel an der Lesbarkeit der Geschichten, gegen jegliche Anwandlung von Langeweile, hat der Autor schnell und gründlich zerstreut.

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T. C. Boyle, eine Lesereise

T. C. BoyleThomas Coraghessan Boyle (77) wurde drei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Städtchen Peekskill¹, keine hundert Kilometer nördlich von New York City geboren. Er wuchs mit seiner eineinhalb Jahre jüngeren Schwester Kathleen Elizabeth († 2019)² im Haushalt katho­lisch-gläu­bi­ger, alkoholkranker Eltern auf und schaffte nur mit Ach und Krach den High-School-Abschluss. Ein Studium der Fächer Englisch und Geschichte schloss er ’68 an der State University of Potsdam New York mit einem Bachelorabschluss ab, nachdem er seinen Plan einer Musikerkarriere als Saxophonist aufgegeben hatte. Dem jungen Boyle wird nachgesagt, er habe gegen Ende der wilden Sechziger nichts ausgelassen³. Fast zehn Jahre später erwarb er dann einen Doktortitel in Englischer Literatur des neunzehnten Jahrhunderts an der University of Iowa.

Seit 1986 ist Boyle Professor für Englisch EN – inzwischen emeritiert – an der University of South California. Im Jahr 2009 wurde der Autor als Mitglied in die American Academy of Arts and Letters EN aufgenommen. Seine Karriere als einer der bekanntesten und erfolgreichsten US-ame­ri­ka­ni­schen Schriftsteller begann 1982 mit der Veröffentlichung seines ersten Romans mit dem Titel Wassermusik. Den brachte er drei Jahre nach seiner allerersten Publikation, dem kurzen Erzählband Tod durch Ertrinken, heraus. Inzwischen wurden seine Bücher in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt, einige seiner Geschichten wurden verfilmt.

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Blue Skies

T. C. Boyle, Blue Skies, 2023
T. C. Boyle, 2023

Der neunzehnte Roman des US-Best­sel­ler­autors T. C. Boyle trägt den Titel Blue Skies – „Blauer Himmel“. Doch der idyllische Romantitel trügt, das kann man bereits unschwer an der Umschlaggestaltung erkennen. Denn der ständig blaue Himmel, wie er in der kalifornischen Heimat Boyles vorherrscht, bringt glühende Hitze, Waldbrände und Tod mit sich. Kalifornien verbrennt, während an der Ostküste in Florida das Land im Dauerregen und Überschwemmungen versinkt. Blue Skies ist dystopischer Katastrophenroman, Ökothriller und satirische Überspitzung in einem. Mitten im Umweltdebakel stehen Boyles Protagonisten, die Mitglieder der Familie Cullen: Mutter Ottilie, Sohn Cooper und Tochter Catherine; als Vertreter der Betroffenheitsfraktion der Babyboomer einerseits, der Klimaaktivisten und der Lifestyleszene andererseits. Diesen dreien bleibt in Boyles Geschichte wirklich nichts erpart.

„Wenn das das neue Normal wird, wie leben wir dann damit?“, fragte der Autor in einem Radiointerview mit dem Rundfunk Berlin-Brandenburg. Genau diese Frage versucht er, in seinem aktuellen Roman zu beantworten.

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