
Wir schreiben das Jahr 79 n.Chr. Die Weltmacht Rom erlebt eine Zeit historischer Blüte. Erfüllt von Stolz auf das politische Sytem, kulturelle Errungenschaften und wissenschaftliche Glanzleistungen zehren die römischen Bürger von den Anstrengungen ihrer Ahnen, denen sie ihr zufriedenes und sattes Leben verdanken. Die Erwartungshaltung der Römer ist groß; die Bereitschaft des Einzelnen, eigene Beiträge zur Erneuerung zu leisten, hingegen minimal. Denn über der Gesellschaft der Reichen und Arrivierten liegt der modrige Geruch von Übersättigung, Gleichgültigkeit und Egozentrizität.
Pompeji: Ein Modell dieser selbstgefälligen Wohlstandsgesellschaft findet sich in den Sommermonaten am Golf von Neapel ein. Dank der Aqua Augusta, einer bautechnischen Meisterleistung, die den ausgedörrten Süden mit frischem Wasser im Überfluss versorgt, führt die römische Oberschicht in ihren Feriendomizilen ein ausschweifendes Leben. Doch mit einem Donnerschlag zerstört der Ausbruch des Vulkans Vesuv den römischen Mikrokosmos am Golf.
Historische Parallelen
Das Szenario kommt auch dem Leser bekannt vor, der in seiner Schulzeit nicht in den Genuss eines mehrjährigen Lateinunterrichts kam. Denn der Autor Robert Harris baut unübersehbar bereits in den Vorbemerkungen Parallelen zu New York und implizit auch zum Attentat am 11. September 2001 auf. Harris basiert seinen Erfolgsroman ganz bewusst auf Ähnlichkeiten zwischen der historischen Weltmacht Rom und den gegenwärtigen Verhältnissen in den USA.



