
Nach seinem Erstling Wassermusik ist Willkommen in Wellville der zweite der biographischen Romane T. C. Boyles. Und auch diesmal ist es ein „Berufener“, den der Autor portraitiert. Dr. John Harvey Kellogg war nicht nur der Miterfinder der Corn Flakes sondern betrieb mehr als sechzig Jahre lang das Battle Creek Sanatorium. Seit Ende des neunzehnten Jahrhunderts bis in die Jahre der Weltwirtschaftskrise behandelte Kellogg die Essstörungen wohlhabender Amerikaner nach Grundsätzen und mit Methoden, die nach heutigen Maßsstäben einerseits Stirnrunzeln hervorrufen, aber andererseits durchaus den Nerv der Zeit treffen könnten. Drei Schlagwörter zum Credo des Kurdoktors: Vegetarische Ernährung ist gesund! Sex ist ungesund! Und Masturbation ist eine Sünde! – Boyle hält sich eng an die historischen Fakten, obwohl er natürlich seine Version der Geschichte erzählt, so wie sie sich zugetragen haben könnte.
Willkommen in Wellville ist der insgesamt fünfte Roman des US-Autors und erschien im Original zwei Jahre nach Der Samurai von Savannah und drei vor América. Schon mit diesem Werk zeichnete sich ab, welche Persönlichkeiten Boyle für seine Biografien bevorzugt: Menschen mit ausgeprägtem Sendungsbewusstsein, ambitionierten Ideen und unbeirrter Hartnäckigkeit, die aber doch alle letztlich scheiterten.
Letztlich konnte auch Dr. Kellogg, der sich und anderen mehr Klistiere verabreicht hatte als sonst irgend jemand auf der Welt, der mehr Gemüse gegessen, weniger geraucht, weniger getrunken, weniger geschlafen und mehr körperliche Übungen gemacht hatte als praktisch jeder andere seiner Zeitgenossen, nicht ewig leben. Am 14. Dezember 1943 segnete John Harvey Kellogg das Zeitliche […].
(Schlussatz auf Seite 626)



