
Seinen zweiten Roman mit dem Titel Grün ist die Hoffnung hat T. C. Boyle drei Jahre nach seinem Erstling Wassermusik veröffentlicht. Im ersten Buch steckt immer die ganze Seele drin, heißt es. Das zweite Buch aber gilt als schwierig. Es ist Gradmesser dafür, ob aus dem Debütanten tatsächlich ein Schriftsteller wird, also jemand, der die Erwartungen nach dem Einstandswerk auch erfüllen kann. Nun wissen wir ja alle, dass es Boyle mit inzwischen neunzehn Romanen und einigen Erzählbänden zwischendurch längst geschafft hat. Trotzdem ist es spannend, das zweite Werk unvoreingenommen zu lesen. Vorweggenommen sei: Grün ist die Hoffnung ist völlig anders geraten als Wassermusik. Mit Biografie oder Abenteuern auf fremden Kontinenten hat die Geschichte nichts zu tun. Dafür aber legt sie den Grundstein für künftige boylesche Romanszenarien. Denn sie wirft die Figuren – wie in so vielen späteren Boyle-Romanen auch – in eine Konfrontation mit der Gewalt der Natur hinein und stellt menschliche Qualitäten in Frage. Außerdem trägt sie sich in dem US-Bundesstaat zu, in dem der Autor selbst zu Hause ist.
Boyle schickt seinen Erzähler Felix Nasmyth von San Francisco gut zweihundert Kilometer in den Norden ins Mendocino County, in die Wildnis nördlich von Willits, einem Kaff in Nordkalifornien. Was treibt Felix in diese gottverlassene Gegend? Die Aussicht auf ein paar hunderttausend Dollar. Ein Frisco-Freund, der umtriebige Investor Herbert Vogelsang, hat dort nämlich abgelegenes Terrain aufgekauft und Felix davon überzeugt, in der einsamen Gegend eine Marihuanaplantage anzulegen. Nur für einen Sommer lang. Mit der Aussicht auf einen lukrativen Deal: 1,5 Millionen Dollar Ertrag, die sich der Geldgeber Vogelsang, Felix als Verantwortlicher vor Ort und Boyd Dowst, der botanische Ratgeber der Pflanzung, redlich teilen werden.



