
T. C. Boyles Kurzgeschichten sind meist schmerzhaft erhellend, sein Humor rabenschwarz. Die Geschichten in seiner dritten Sammlung, Wenn der Fluss Whiskey wär, befassen sich mit gesellschaftlichen Missständen und menschlichen Abgründen. Dabei lassen sie nie die absurden Details unseres zeitgenössischen Lebensstils außer Acht. Und für jeden seiner Seitenhiebe auf Amerika hat Boyle einen guten Lacher parat, auch wenn einem der oft im Halse stecken bleibt. Seine Königsdisziplin ist die moderne Fabel über Menschen unserer Gesellschaft, die beinahe Karikaturen sind, noch nicht ganz unglaubwürdig, aber auf dem besten Weg dorthin. In diesem Sammelband, den er 1989 im englischen Original zwischen die beiden Romane World’s End und Der Samurai von Savannah geschoben hat, wandelt Boyle manchmal hart an der Grenze zum Wahnwitz.
Mit der vorliegenden Besprechung von Boyles dritter Kurzgeschichtensammlung schließe ich die letzte Lücke unter meinen Rezensionen von Veröffentlichungen des US-Autors in den ersten drei Jahrzehnten seines Schaffens. Wer sich für einen vollständigen Überblick interessiert, könnte sich an meiner Liste aller Romane oder aller Kurzgeschichtenbände orientieren. (Dort finden sich auch die Links zu allen Einzelbesprechungen.)



