Auf der Suche nach Lesestoff?❤Hier findest Du Buchbesprechungen mit Anspruch aber ohne Allüren. Ich schreibe meist über belletristische Titel; über solche, die mir gefallen oder auch mal nicht gefallen haben; manchmal Mainstream, manchmal abseits der ausgetretenen Pfade. (Persönliche Empfehlungen und ein paar Worte zu diesem Projekt gibt’s ganz unten auf dieser Seite.)
Nur ein Jahr nach ihrem Erstlingsroman Bruderschwur legte Claudia Magerl nach mit einer Fortsetzung mit dem Titel Feuertod. Auch diesmal geht es wieder um Marcus Agrippa, den römischen Feldherrn und Vertrauten von Kaiser Augustus. Hatte der erste Teil der Geschichte noch die Zeit des Bürgerkrieges nach Gaius Julius Caesars Tod zum Inhalt, beschäftigt sich der Feuertod mit der römischen Blütezeit während der Regierung des Augustus.
Wir erinnern uns: Nach einem vernichtenden Seesieg gegen Antonius und Kleopatra eilte Augustus, damals noch unter dem Namen Octavian, den Fliehenden nach, während sein Vertrauter auf eigenen Wunsch nach Rom zurückkehrte, um dort die Amtsgeschäfte im Sinne des Freundes zu ordnen.
Nun, wir alle wissen, dass Antonius und Kleopatra in Alexandria Selbstmord begangen haben sollen, um einer Gefangennahme durch Rom zuvor zu kommen. Mit diesem Finale ist nun der siegreiche Oktavian uneingeschränkter Liebling der Römer und des Senats. Geschickt lässt er sich zunächst lediglich zum princeps senatus, Erster des Senats, küren. Darüber hinaus reißt er aber auch alle wichtigen Funktionen in Staat und Militär an sich. 27 v. Chr. erhält Oktavian die Kaiserwürde und den Ehrennamen Augustus, „der Erhabene“. Und mit Augustus erstürmt auch dessen Freund und erster Vertrauter Marcus Vipsanius Agrippa die Höhen der Macht im Rom der Antike.
Die deutsche Literaturwissenschaftlerin und Buchhandels-Unternehmerin Rachel Salamander (72) erhält für das Jahr 2020 den Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf. Die mit 50.000 Euro dotierte Auszeichnung „wird an Persönlichkeiten verliehen, die durch ihr geistiges Schaffen im Sinne der Grundrechte des Menschen, für die sich Heinrich Heine eingesetzt hat, den sozialen und politischen Fortschritt fördern, der Völkerverständigung dienen oder die Erkenntnis von der Zusammengehörigkeit aller Menschen verbreiten“.
„Der Heine-Preis der Landeshauptstadt Düsseldorf 2020 wird an Rachel Salamander verliehen. Die Literaturwissenschaftlerin und Publizistin hat couragiert maßgeblich zum Wiederaufbau des jüdischen intellektuellen Lebens nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland beigetragen. Als Unternehmerin holte sie mit ihren Literaturhandlungen all die jüdischen Autorinnen und Autoren, deren Bücher einst verbrannt worden waren, in den Kanon deutscher Literatur zurück. In Zeitungen und Zeitschriften diskutiert sie öffentlichkeitswirksam über die Bedeutung von Literatur und setzt sich ganz im Sinne Heinrich Heines für Völkerverständigung und gegen Antisemitismus ein.“
(Aus der Begründung der Jury)
Herzlichen Glückwunsch, Frau Salamander!
Heinrich-Heine-Preis – Über die Preisträgerin
Rachel Salamander ist Tochter einer Familie jüdischen Glaubens, die den Holocaust überlebt hatte. Sie studierte in München Philosophie, Germanistik und Romanistik. 1982 eröffnete sie ebendort die „Literaturhandlung“, eine auf jüdische Literatur und Literatur über das Judentum spezialisierte Buchhandlung. Mittlerweile gibt es sieben Ableger der Literaturhandlung in ganz Deutschland. Seit Dezember 2015 ist Salamander Mitglied des Aufsichtsrats des Suhrkamp Verlags.
Die Preisträgerin selbst hat eine Abhandlung mit dem Titel Zeitliche Mehrdimensionalität als Grundbedingung des Sinnverstehens veröffentlicht. Die Peter Lang AG hat diese im Jahr 1982 verlegt. Salamander behandelt darin hermeneutische und neukantianische Grundlegung der Geisteswissenschaften, Kantische Erkenntniskritik und Hegelische Phänomenologie sowie die phänomenologische Richtung verstehender Soziologie.
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Die Verleihung des Ludwig-Börne-Preises war im vergangenen Jahr ausgesetzt worden. Letztes Wochenende wurde die Auszeichnung nun nachgeholt. Preisträger ist Christoph Ransmayr (67), österreichischer Romanautor und Journalist. Die Frankfurter Ludwig Börne Stiftung hatte mit der Vergabe des mit 20.000 Euro dotierten Preises diesmal den deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier beauftragt. Seine Entscheidung für Ransmayr begründete der Preisrichter wie folgt: „Die Reden und Reportagen Ransmayrs zeichnen sich durch genaue Weltbeobachtung und tiefe Menschlichkeit aus. In Zeiten geprägt von Uneinigkeit und Abgrenzungen, hält er auf emphatisch-aufklärerische Weise das Einende hoch. Weder Nation, noch Konfession, noch Stand, noch Geschlecht sind es, die für ihn zählen, sondern allein die Gleichheit der Menschen und das Geheimnis der Existenz“. Und er gibt dem Preisträger noch ein Lob mit: „Sie nehmen uns gefangen – und entlassen uns dann als neu und anders Sehende.“
Herzlichen Gückwunsch zum Ludwig-Börne-Preis 2020, Herr Ransmayr!
Über den Preisträger des Ludwig-Börne-Preises
Christoph Ransmayr gilt auch international als einer der einflussreichsten zeitgenössischen oberösterreichischen Romanautoren. Der Autor ist ein Weltreisender, der seinen Erfahrungen in seinem Werk Raum gibt. Und doch gilt er als einer, der Österreich von seinen Komplexen nach dem Zweiten Weltkrieg freigeschrieben hat. Diese erstaunliche Kombination lässt sich vielleicht am besten an seinem Roman Morbus Kitahara nachvollziehen, der im Nazi-KZ Ebensee beginnt und schließlich in Brasilien sein Ende findet.
„Zwei Tote lagen schwarz im Januar Brasiliens“
(Vielzitierter erster Satz aus Morbus Kitahara)
Weitere Romane von Christoph Ransmayr (Auszug):
Strahlender Untergang (1982)
Die Schrecken des Eises und des Untergangs (1984)
Die letzte Welt (1988)
Morbus Kitahara (1995)
Der fliegende Berg (2006)
In seinem international bekanntesten Roman, Die letzte Welt, der mittlerweile in dreißig Sprachen übersetzt wurde, beschreibt der Autor die bizarre Reise seines Protagonisten ans Schwarze Meer, wo dieser Spuren Ovids aufspüren will, der nach seiner Verbannung aus Rom dort in Tomis verstorben sein soll.
„Ransmayrs Texte betreiben Zivilisationskritik, indem sie anthropologische Fragen poetisieren: Wo findet die Entdecker- und Abenteurernatur des Menschen ihre natürliche Grenze? Wo schlägt das Pathos der Entgrenzung in Zeit und Raum – Sinnbild dafür ist das Gehen durch menschenleere Stein-, Sand- oder Eiswüsten – um in (Selbst)Zerstörung? Wo zwischen den Dokumenten und Daten der Überlieferung und den Eigenschaften einer nichtmenschlichen Natur ist der Ort des Menschen?“ (Bernhard Fetz, 2017)
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