Georg-Büchner-Preis 2021

Clemens J. Setz, 2021
Clemens J. Setz, 2021

Der öster­reichi­sche Schrift­stel­ler und Über­set­zer Clemens Johann Setz (39) er­hält in die­sem Jahr den Georg-Büchner-Preis. Die Jury zeich­net da­mit „einen Sprach­künst­ler aus, der mit sei­nen Ro­ma­nen und Er­zäh­lun­gen im­mer wie­der mensch­li­che Grenz­be­rei­che er­kun­det“. Sie wür­digt Setz‘ „zu­tiefst hu­ma­nis­ti­sche Im­pul­se“, sei­ne „Men­schen­freund­lich­keit“, sein „en­zy­klo­pä­di­sches Wis­sen und einen Reich­tum der poe­ti­schen und sprach­schöp­fe­ri­schen Ima­gi­na­tion“. Der mit 50.000 Euro do­tier­te Georg-Büchner-Preis ist einer der wich­tig­sten li­te­ra­ri­schen Aus­zeich­nun­gen im deutsch­spra­ch­igen Raum. Im ver­gan­ge­nen Jahr wur­de Elke Erb für ihr li­te­ra­ri­sches Le­bens­werk aus­ge­zeich­net.

Herzlichen Glückwunsch, Herr Setz!

Über den Preisträger

Als Au­tor hat Setz bis­lang fünf­zehn Roma­ne, Erzäh­lungen, Gedicht­bände und Theater­stücke ver­öffent­licht. Als Über­setzer hat er meh­rere Werke von Eward Gorey sowie von John Leake und Scott McClanahan ins Deutsche gebracht. In mei­nem Bücher­regal wird stets sein Roman Indigo einen Ehren­platz behal­ten. In die­sem Werk schreibt er über eine rät­sel­hafte Stö­rung, die dazu führt, dass jeder, der dem Trä­ger des soge­nann­ten „Indigo-Syn­droms“ zu nahe kommt, von Übel­keit, Schwin­del und Kopf­schmerz befal­len wird. Setz‘ radi­kaler Roman wurde als „Bas­tard aus Agenten-, Science-Fiction- und Polit­thriller, Schauer- und Liebes­geschichte, unter­mischt mit Amok­lauf­fanta­sien und Schock­bildern“ bezeich­net, das Buch stand 2012 auf der Short­list des Deut­schen Buch­prei­ses.

„Jahre­lang habe sie, so erklärte die Frau, alle Leute nach dem Ampel-Sys­tem ein­ge­teilt: Sol­che mit roter Aura waren unge­müt­liche Exem­plare, jäh­zor­nig, klein­lich, begriffs­stut­zig; gelbe Aura bedeu­tete Geduld, Für­sorg­lich­keit, Ver­ständ­nis; grün bedeu­tete Albern­heit,Wild­heit, mit­unter auch Faul­heit. Aber seit eini­gen Jah­ren fie­len ihr hier und da kleine blaue Wesen auf, Kin­der mit indi­go­blauer Aura. Der Mode­rator fragte nach, aber die wie eine Fle­der­maus geklei­dete Sehe­rin schüt­telte den Kopf und meinte, sie könne beim bes­ten Wil­len nicht sagen, wel­che Eigen­schaf­ten diese Farbe dar­stelle, aber sie ver­mute, es habe zu zun mit dem Kom­men eines neuen Zeit­al­ters, dem der Fische. Dieser Zusam­men­hang war nie­man­dem ver­ständ­lich, und so erklärte die Frau, dass es sich bei die­sen Kin­dern mög­licher­weise um spiri­tuel­lere, intelli­gen­tere Wesen handle, die auf die Erde gekom­men seien, um den Pla­ne­ten zu ret­ten.“
(Indigo, Seite 55 f.)

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