Schöne Neue Welt

Aldous Huxley, Schöne Neue Welt, 2020
Aldous Huxley, 2020

Die Erstauflage von Al­dous Hux­leys Klas­si­ker Schöne Neue Welt wur­de im Jahr 1932 auf eng­lisch ver­öf­fent­licht. Die Li­te­ra­tur­in­sti­tu­tion Mo­dern Li­bra­ry wähl­te den Ro­man 1998 auf Platz fünf der bes­ten eng­lisch­spra­chi­gen Ro­ma­ne des 20. Jahr­hun­derts. Der an­de­re gro­ße dys­to­pi­sche Klas­si­ker der Epo­che, 1984 von Geor­ge Or­well, er­schien sieb­zehn Jah­re spä­ter und be­legt Platz 13 die­ser Bes­ten­lis­te. Wer so wie ich die Brave New World noch in einer zer­schlis­se­nen Schul­aus­ga­be im Re­gal ste­hen hat, wird sich wahr­schein­lich über die in einer Son­der­aus­ga­be er­schie­ne­nen präch­tig auf­ge­mach­ten und il­lus­trier­ten Neu­auf­la­ge in deut­scher Spra­che und in klas­si­scher Fa­den­hef­tung freu­en. Eine Aus­ga­be für die Ewig­keit.

Der Ti­tel der Er­zäh­lung be­zieht sich übri­gens auf Wil­liam Sha­kes­pea­res Büh­nen­dra­ma Der Sturm und reiht sich so­mit naht­los an mei­ne vor­an­ge­gan­ge­nen Buch­be­spre­chung von Mar­ga­ret At­woods He­xen­saat an.

„O, Wun­der! Wie vie­le herr­li­che Ge­schöp­fe es hier gibt! Wie schön der Mensch ist! O schö­ne neue Welt, die sol­che Bür­ger trägt!“
(Miran­da, als sie auf ih­rer ein­sa­men In­sel die Be­kannt­schaft der Schiff­brü­chi­gen macht)

Schöne Neue Welt – Worum es geht

Hux­ley beschreibt in sei­nem Roman eine Gesell­schaft um das Jahr 2500 unse­rer Zeit­rech­nung. Es soll die beste aller vor­stell­ba­ren Wel­ten sein: Denn alle Men­schen gehö­ren einer von fünf Kas­ten an, die nach dem grie­chi­schen Alpha­bet benannt sind, von Alpha bis Epsi­lon. Alphas sind Füh­rungs­per­sonen, Epsi­lons nie­drige Dienst­leis­ter. Die Zutei­lung zu den Kas­ten erfolgt durch vor­ge­burt­li­che bio­logi­sche Ein­wir­kung und post­na­tale Kon­ditio­nie­rung. Doch egal, wel­cher Kaste man ange­hört, jeder­mann ist glück­lich mit und stolz auf seine Zuge­hörig­keit. Um Stö­run­gen die­ses aus­ta­rier­ten Sys­tems zu ver­mei­den, wer­den In­di­vi­dua­li­tät för­dern­de Kon­zepte eli­mi­niert und blei­ben ver­bo­ten: etwa Natur­ver­bun­den­heit, Lie­be, Part­ner­schaft und Fami­lie, Reli­gion oder Erin­ne­rung an die Ver­gan­gen­heit.

Wer mehr Details über Inhalt und Rezep­tion des Klas­si­kers erfah­ren möchte, kann mit einem Klick auf den fol­gen­den Link eine aus­führ­li­che Zusam­men­fas­sung sicht­bar machen. Denn danach – in mei­ner eigent­li­chen Bespre­chung – soll es in ers­ter Linie um gestal­teri­sche Aspekte und um die Über­set­zung der Neu­auf­lage von 2020 gehen.

Details zum Inhalt aufklappen

Wer nicht weiß, worum es in Schöne Neue Welt geht, fin­det hier zunächst eine aus­führ­li­che, kom­men­tier­te Zusam­men­fas­sung des Inhalts. Abschlie­ßend gibt es noch ein paar Anmer­kun­gen zur Wir­kung des Romans, der die öffent­li­che Dis­kus­sion im zwan­zigs­ten Jahr­hun­dert mit­ge­prägt hat.

Schöne Neue Welt – Zeitgeschichtliche Einordnung

Die Roman­hand­lung spielt im fik­ti­ven Jahr 632n.F. Dabei steht die Abkür­zung „n.F.“ für „nach Ford“. Denn in jener Zukunft rech­net die Mensch­heit längst nicht mehr in Jah­ren nach Christi Geburt, son­dern in Jah­ren nach Henry Ford. Jenem Henry Ford näm­lich, der mit seiner „Tin Lizzie“, dem Ford Modell T, zu Beginn des zwan­zigs­ten Jahr­hun­derts die Ära der Fließ­band­ar­beit in der Schönen Neuen Welt ein­läu­tete. Je nach­dem, ob man als kon­kre­tes Bezugs­jahr nun die Geburt Henry Fords selbst (1863) oder die sei­nes emble­mati­schen Auto­mo­bils (1908) annimmt, ergibt sich also für die­ses Jahr 632n.F. in unse­rer gegen­wär­ti­gen Zeit­rech­nung als Äqui­va­lent 2495 oder 2540n.Chr.

In dieser fer­nen Zukunft lebt die Mensch­heit bereits seit Jahr­hun­der­ten in einem Welt­staat, der von aus­gesuch­ten Füh­rungs­per­sön­lich­kei­ten gesteu­ert wird. Wie war es dazu gekom­men?

Der neunjährige Krieg

„Der neun­jäh­rige Krieg begann 141n.F.“ […] Anthrax­bom­ben am Kur­fürs­ten­platz und im ach­ten Arron­disse­ment […] Der neun­jäh­rige Krieg, der Große Wirt­schafts­kol­laps. Man hatte die Wahl zwi­schen Welt­kon­trolle und Unter­gang. […] Regie­ren ist eine Frage des Sitz­flei­sches, nicht des Hand­streichs, man regiert mit Hirn und Hin­tern, nicht Hau­ruck. […] In Ver­bin­dung mit einer Kam­pagne gegen die Ver­gan­gen­heit, mit der Schlie­ßung der Museen […] mit der Unter­drü­ckung aller vor dem Stich­tag 150n.F. ver­öffent­lich­ten Bücher.“
(Text­frag­mente, die in die Roman­hand­lung ein­ge­streut sind, Sei­ten 60 bis 64)

Die neuen Macht­ha­ber nut­zen also die Gunst der Stunde nach einer voll­kom­me­nen gesell­schaft­li­chen und infra­struk­tu­rellen Zer­stör­ung in Folge eines desas­trö­sen Drit­ten Welt­krie­ges, ihre Vision eines stabi­len Welt­staa­tes lang­sam aber unbe­irr­bar umzu­set­zen: nicht mit­tels Zwang son­dern durch Ver­füh­rung.

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Ziel und Methoden des Weltstaates

„Sta­bi­li­tät“, betonte der Con­trol­ler, „Sta­bi­li­tät. Das erste und oberste Gebot. Sta­bi­li­tät. Daher dies alles.“
(Mustapha Mond, Seite 55)

Die Macht­ha­ber des neuen Sys­tems nach dem Gro­ßen Kol­laps, in der Über­set­zung „Con­trol­ler“ genannt, set­zen ihr Sta­bi­li­täts­ziel mit eini­gen weni­gen rigo­rosen Maß­nah­men durch, die aller­dings das Leben der Men­schen exor­bi­tant umge­stal­ten:

1. Die Struktur der Menschheit

wird neu orga­ni­siert: Es gibt fünf Kas­ten, die nach dem grie­chi­schen Alpha­bet benannte wer­den. Alphas stel­len die neuen Füh­rer. Am ande­ren Ende der Skala sind Epsi­lons für die nied­rigs­ten gesell­schaft­li­chen Dienst­leis­tun­gen vor­gese­hen. Damit in kei­ner der Kas­ten Man­gel oder Über­ange­bot an Per­so­nal herrscht, wird eine dras­ti­sche Gebur­ten­pla­nung einge­führt.

Fortpflan­zung nach her­kömm­li­chem bio­logi­schen Prin­zip gibt es nicht mehr. Statt des­sen wer­den weib­li­che Eizel­len in-vitro mit männ­li­chen Sper­mien befruch­tet und je nach Bedarf gezüch­tet. Künf­tige Ange­hö­rige nie­dri­ger Kas­ten wer­den geklont, um die not­wen­dige Per­sonal­menge zu gewähr­leis­ten, und vor­geburt­lich ver­gif­tet, um ihre Intel­li­genz zu redu­zie­ren. Alphas und Betas hin­ge­gen wer­den in ihrer Ent­wick­lung geför­dert.

Mit die­ser Gebur­ten­pla­nung ein­her gehen die Abschaf­fung von Eltern­schaft und Fami­lie, von sozia­len Bezie­hungs­geflech­ten wie dauer­hafte Part­ner­schaf­ten, Reli­gion und Inte­res­sen­gemein­schaf­ten.

2. Menschliche Individualität

wird unter­drückt: Die eben genann­ten feh­len­den zwi­schen­mensch­li­chen Bezie­hun­gen indi­vidu­el­ler Art wer­den ersetzt durch Trieb­befrie­di­gung auf ver­schie­de­nen Ebe­nen. „Jeder gehört jedem“, freie Liebe; denn wer zu oft mit dem sel­ben pennt, gehört nicht etwa zum Estab­lish­ment son­dern ver­stößt gegen gesell­schaft­li­che Benimm­re­geln.

Der zweite Grund­satz für alle die­ser schö­nen neuen Men­schen lau­tet: Kon­sum. Besorge Dir das, was auch alle ande­ren toll fin­den. Ver­bringe Deine Frei­zeit mit ange­sag­ten Akti­vitä­ten („Fühl­kino“, Sport­parks). Und ver­bringe kei­nes­falls Zeit alleine, damit Du nicht ins Nach­den­ken und dabei womög­lich auf dumme Idee kommst!

3. Die Selbstverortung des Menschen

wird unter­bun­den: Es gibt keine Mög­lich­kei­ten mehr, eigene Gedan­ken in Zusam­men­hang mit dem Ideen­pool der gesam­ten Mensch­heit zu brin­gen. Denn es gibt keine zugäng­li­che his­tori­sche Lite­ra­tur, keine Museen, keine Ge­schichts­schrei­bung mehr, mit deren Hilfe der Mensch eigene Gedan­ken oder Ver­dachts­mo­mente über­prü­fen könnte.

Jedes Indivi­duum bleibt stets zurück­gewor­fen auf die Vor­ga­ben des Regi­mes, ohne die Mög­lich­keit, diese in Ver­gleich zu set­zen zu Ini­tia­ti­ven, die womög­lich andere schon zuvor ange­dacht hat­ten. Es gibt keiner­lei Anre­gun­gen zu alter­nati­ven Gedan­ken.

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Das Leben in der Schönen Neuen Welt

Zu den geschil­der­ten Metho­den des Macht­gefü­ges gehört auch der Wech­sel von reli­giö­sen Leit­figu­ren hin zum Erneu­erer der welt­li­chen Glau­bens­sätze, zu Henry Ford. Das christ­li­che Kreuz etwa wird ampu­tiert und zum T, als Sym­bol für seine ulti­ma­tive Errun­gen­schaft, das Auto­mobil­mo­dell T. Und an Stelle des bekann­ten Stoß­seuf­zers „ogott­ogott“ sto­ßen die Men­schen nun den Ein­wurf „oford­oford“ aus. Dies geschieht vor allem dann, wenn sie mit schier unglaub­li­chen Schau­er­ge­schich­ten aus der fins­te­ren Ver­gan­gen­heit kon­fron­tiert wer­den; etwa mit dem ver­klemm­ten Umgang mit Sexu­ali­tät oder der übli­chen Kind­heit im Fami­lien­ver­band mit Vater, Mut­ter und Ge­schwis­tern. – Oford­oford!

In der neuen Welt ver­bringt der Mensch sein Leben im Kon­takt mit Sei­nes­glei­chen, also inner­halb der eige­nen Kaste. Ein­zige Aus­nahme im Roman: Alphas ver­keh­ren auch mit Betas. Das liegt in ers­ter Linie daran, dass es nach streng patri­archa­li­schem Mus­ter keine Alpha­frauen gibt. Die Kon­trolle der Welt liegt aus­schließ­lich in Män­ner­hand1.

Doch auf wel­cher Kas­ten­ebene auch immer, der Unter­schied zwi­schen Pflich­ten und Ver­gnü­gen ist glatt gebü­gelt. Die Men­schen erle­di­gen mit Freude und Erfül­lung ihre Auf­ga­ben und ver­brin­gen ihre Frei­zeit ebenso freu­dig mit Kon­sum: Rei­sen, Sport, Kino und Sex mit stän­dig wech­seln­den Part­nern1. Das alles ist ihnen Ver­gnü­gen und Ver­pflich­tung zugleich. Nie­mand denkt über diese unre­flek­tierte, bequeme Lebens­weise nach.

Das Leben zieht in beschwer­de­freier Mono­to­nie vor­über. Krank­hei­ten und Alter spie­len keine Rolle mehr. Erwach­sene ver­än­dern sich bis in ihre Sech­zi­ger so gut wie über­haupt nicht. Und dann däm­mern sie sediert in Hos­pi­zen in den Tod.

Und wenn wir schon von sedie­ren spre­chen: Für alle Momente per­sön­li­cher Kri­sen erhal­ten die Bür­ger des Welt­staa­tes ganz offi­ziell ein Beru­higungs­mit­tel namens Soma, das wie eine Droge wirkt, aber keine bösen Nach­wir­kun­gen mit sich bringt. Mit Soma lässt sich alles Nega­tive weg­bü­geln.

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1) Einschub: Bedeutung von „pneumatisch“ in der Schönen Neuen Welt

Insbesondere in Bezug auf Frauen ver­wen­det Hux­ley im Roman häu­fig die unge­wöhn­li­che und uner­klär­te Qua­lifi­ka­tion „pneu­ma­tisch“, im eng­li­schen Ori­gi­nal tat­säch­lich pneu­ma­tic. Die tech­ni­sche Bedeu­tung des Wor­tes, „druck­luft­betä­tigt“, ist wohl kaum rele­vant in die­sem Zusam­men­hang. Im spi­ritu­el­len Kon­text könnte es im Sinne von „erfüllt von Pneuma“ ein Kom­pli­ment an die Per­sön­lich­keit einer Frau sein. Ich befürchte aller­dings, „pneu­ma­tisch“ ist hier ein bewusst ent­mensch­li­chend gemein­ter Begriff für üppige Kör­per­for­men:

Als Leninas Sexual­part­ner, Henry Fos­ter, sie gegen­über dem Stell­ver­tre­ten­den Prä­des­tina­tor beschreibt, ist das als Kom­pli­ment gemeint. „Aber ja, sie ist ein präch­ti­ges Mäd­chen. Wun­der­bar pneu­ma­tisch. Ich staune, dass Sie sie noch nicht hat­ten.“ Andere Frauen wer­den im Ver­gleich mit ihr zwar als wun­der­bare Men­schen bezeich­net, aber eben weni­ger pneu­ma­tisch als Lenina. […] Grund­sätz­lich ist pneu­ma­tisch also eine gute Eigen­schaft, aber offen­sicht­lich kann man auch zu viel des Guten davon haben. Höchst­wahr­schein­lich bezieht sich „pneu­ma­tisch“ auf die weib­li­che Brust­größe.
(study.com: Meaning of Pneu­ma­tic in Brave New World)

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Die Schatten der Vergangenheit

Ist also alles eitel Son­nen­schein in der Schönen Neuen Welt? – Nein. Wenn näm­lich die Soma-Sedie­rung ver­sagt und ein­zelne Indi­vi­duen hef­tig auf­begeh­ren, wer­den sie aus der Gemein­schaft aus­geschlos­sen. Men­schen, die sich nicht inte­grie­ren las­sen woll­ten, leben in soge­nann­ten Reser­va­ten. Ohne die tech­ni­schen und medi­zini­schen Errun­gen­schaf­ten des Welt­staa­tes, nach den Bedin­gun­gen der alten Welt. Mit Schmutz, Krank­heit, Alter, kör­per­li­cher Fort­pflan­zung, Reli­gio­nen und all dem, was unsere heu­tige Gesell­schaft noch aus­macht. Reser­vate sind von Elek­tro­zäu­nen umge­ben, ihre Bewoh­ner haben kei­nen Zutritt zur Schönen Neuen Welt.

Gefü­gige Welt­staats­bewoh­ner kön­nen die Reser­vate besu­chen, um dort das Gru­seln zu ler­nen. Und genau an die­ser Schnitt­stelle zwi­schen den Wel­ten ent­steht die sehr, sehr knappe tat­säch­li­che Hand­lung der Roman­ge­schich­te.

Reservatsbesuch

Der Alpha-Mann Ber­nard und seine Beta-Beglei­te­rin Lenina stat­ten einem der Reser­vate eine Kurz­vi­site ab. Dort ent­de­cken sie einen jun­gen Mann namens John und des­sen Mut­ter, die viele Jahre zuvor selbst eine Beta gewe­sen war, jedoch bei einem Reser­vats­be­such ver­un­glückte und dort zurück­gelas­sen wurde. Zu allem Unglück war sie schwan­ger von ihrem dama­li­gen Alpha-Beglei­ter. John wurde also als Sohn zweier Welt­staats­bür­ger im Reser­vat gebo­ren; ein Skan­dal son­der­glei­chen!

Bernard gelingt es, die Macht­ha­ber zu über­zeu­gen, John und der Mutter die Aus­reise aus dem Reser­vat zu erlau­ben. Der Wilde, John Savage, erregt Auf­sehen in der Schönen Neuen Welt. Etwa in der Art eines Tar­zans, der aus sei­ner Welt geris­sen und in Lon­don wie ein wil­des Tier der Gesell­schaft prä­sen­tiert wird.

Clash der Kulturen

Dieser John Savage war im Reser­vat an eine uralte Sha­kes­peare-Aus­gabe gekom­men und hatte sich selbst eine gewisse Bil­dung ange­le­sen. Er weckt damit das Inte­resse des Welt­con­trol­lers Mustapha Mond. Es kommt zum Streit­ge­spräch zwi­schen dem Wil­den und Mond. In die­sem Gespräch erfährt nicht nur John son­dern auch die Leser­schaft, wieso die Mensch­heit zu dem ent­wi­ckelt wurde, was sie nun ist. John Savage hin­ge­gen gelingt es nicht, den Con­trol­ler von der Exis­tenz­berech­ti­gung his­tori­scher Werte zu über­zeu­gen.

Also zieht er sich in die Ein­sam­keit eines unbe­wohn­ten engli­schen Küs­ten­strichs zurück, um dort als Ein­sied­ler zu leben. Denn mit der Schönen Neuen Welt kann er sich sei­ner­seits auch nicht anfreun­den. Zu fremd ist ihm diese Welt, zu fremd ihre Regeln. Hinzu kommt noch eine zum Schei­tern ver­ur­teilte Liebe zu Lenina, der Frau, die ihm im Reser­vat begeg­net war. Letzt­lich erhängt sich John in einem Akt der Ver­zweif­lung und Resi­gna­tion.

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Rezeption des Romans

Welchen Stel­len­wert lite­rari­sche Insti­tutio­nen dem bekann­tes­ten Roman Hux­leys bei­mes­sen, wird deut­lich, wenn man sich in Erin­ne­rung ruft, dass er seit einem Vier­tel­jahr­hun­dert auf Platz fünf der bes­ten englisch­spra­chi­gen Romane des 20. Jahr­hun­derts steht. (Siehe Ein­lei­tung ganz oben.)

In den Jahr­zehn­ten nach seinem Erschei­nen wurde Aldous Hux­leys uto­pi­sche Ge­schich­te übri­gens bei­leibe nicht von allen als Nega­tiv­bei­spiel, also als Dys­to­pie, emp­fun­den. Für viele stellte das sor­gen- und krank­heits­freie, unbe­schwerte Leben in der Schönen Neuen Welt durch­aus eine para­die­si­sche Vor­stel­lung dar.

Fest steht, dass der Autor mit sei­ner Erzäh­lung eine Menge ande­rer Schrift­stel­ler dazu brachte, eigene Uto­pi­en zur Zukunft der Mensch­heit auf­zustel­len. Der letzte, der sich direkt auf Hux­ley berief, war im Jahr 1998 Michel Houelle­becq, der in sei­nem Skan­dal­ro­man Ele­men­tar­teil­chen der Schönen Neuen Welt beschei­nigt, sich als „unglaub­lich zutref­fend“ erwie­sen zu haben. (Quelle: DIE ZEIT, Kor­rek­tu­ren an der Schö­nen Neuen Welt, 1999)

Aus aktueller Sicht

So manchem/r Leser¦in der Ge­schich­te mag sich ange­sichts des der­zeit eska­lie­ren­den Rus­sisch-Ukra­ini­schen Krie­ges das Nacken­haar auf­stel­len. Denn die­ses hux­ley­sche Jahr 141n.F., also das Jahr des neun­jäh­ri­gen Drit­ten Welt­krie­ges, ent­spricht doch etwa unse­rem 2050. Die krie­geri­schen Ereig­nisse, die im Roman als Aus­lö­ser zu dem schreck­lich schö­nen Welt­staat führ­ten, sind also gar nicht so weit ent­fernt vom aktu­el­len Jetzt und Heute.

Ich höre schon das Rau­nen der Anhän­ger von Ver­schwö­rungs­theo­rien: Bereits vor hun­dert Jah­ren wusste Aldous Hux­ley mehr als der Rest der Schlaf­schafe. Und er wusste auch, wie alles enden wird! Bei sol­cher Argu­men­ta­tion muss ich aller­dings – mit Ver­laub – erst mal ent­nervt durch­at­men.

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Schöne Neue Welt – Gestaltung der Sonderausgabe

Schöne neue Welt, schöne neue Aus­gabe! – Bereits im März 2014, kurz nach dem fünf­zigs­ten Todes­tag des Autors, erschien im Fischer Ver­lag die Neu­über­set­zung des Ori­gi­nals von Uda Strät­ling. Sechs Jahre spä­ter, im Sep­tem­ber 2020, schob der Ver­lag eine illus­trierte Son­der­aus­gabe nach. Die Gestal­tung des Buch­co­vers und der gut drei­ßig Abbil­dun­gen im Innen­teil über­nahm der Gra­fik­desig­ner und Comic­zeich­ner Rein­hard Kleist. Davon abge­se­hen beachte man aber bitte auch unbe­dingt die klas­si­sche Faden­hef­tung, die auf vie­len der fol­gen­den Abbil­dun­gen gut erkenn­bar ist.

EN 1976 vs. 2020 DE
EN Fournier vs. Rotis Serif DE
Buchdeckel innen: Klonkinder
Kapitelbild 1
Kapitelbild 18
Smarte Klone
helikopTer
Mustapha Mond und John Savage

Abb. 1: Engli­sche Aus­gabe, 1955 (Reprint 1976) vs. deut­sche Son­der­aus­gabe, 2020
Abb. 2: Text­satz in Fou­rier (1976) vs. Rotis Serif (2020)
Abb. 3: Illus­tra­tion Innen­sei­ten der Buch­de­ckel, geklonte Zukunft?
Abb. 4, 5: Kapi­tel­illus­tra­tio­nen des ers­ten und letz­ten Kapi­tels
Abb. 6: Smarte Klone, Seite 227
Abb. 7: Heli­kop­Ter über Lon­don, Seite 77
Abb. 8: Musta­pha Mond und John Savage, Seite 281
(Alle Ab­bil­dun­gen sind von mir selbst er­stell­te und be­ti­tel­te Bild­zi­ta­te nach §51 Ziff. 1 UrhG der be­spro­che­nen Aus­ga­be des Fi­scher Ver­lags aus dem Jahr 2020. Die Rech­te an Ori­gi­nal­gra­fi­ken, die Tei­le der Ab­bil­dun­gen 3 bis 8 sind, lie­gen bei Rein­hard Kleist.)

Illustrationen

Der im nord­rhein-west­fäli­schen Hürth gebo­rene Rein­hard Kleist wurde beson­ders durch seine gra­fi­schen Bio­gra­fien bekannt. Als Bei­spiele hier­für mögen seine Werke über H.P. Love­craft, Johnny Cash, Elvis Pres­ley, Fidel Castro und Nick Cave die­nen. Im Alter von fünf­zig Jah­ren lie­ferte er die Illus­tra­tio­nen für die Schöne Neue Welt ab.

Der Stil des Comic­zeich­ners ist geprägt von kräf­ti­gen, flie­ßen­den Linien und kon­trast­rei­chen Schat­ten. Seine Zeich­nun­gen wir­ken atmos­phä­risch, die Figu­ren kari­katur­haft über­zeich­net. Die holz­schnitt­ar­ti­gen Illus­tra­tio­nen in der Schönen neuen Welt sind größ­ten­teils kolo­riert. Dabei setzt Kleist wenig gesät­tigte, dunkle Farb­töne ein. Dadurch ent­ste­hen im Zusam­men­wir­ken mit den star­ken Kon­tras­ten düs­ter wir­kende, beklem­mende Bil­der. (Siehe Bei­spiel­bil­der in der Foto­gale­rie ober­halb die­ses Abschnitts.)

Die Abbildungen des Buches

Jedes der acht­zehn Kapi­tel wird von einer brief­mar­ken­gro­ßen Kopf­abbil­dung ein­gelei­tet. Sie zei­gen Sze­nen aus dem mensch­li­chen Ent­wick­lungs­pro­zess der schö­nen neuen Bevöl­ke­rung der Erde; näm­lich von der In-vitro-Fer­tili­sa­tion bis hin zu Sze­nen aus dem Leben nach der Geburt, die in der Über­set­zung „Dekan­tie­rung“ genannt wird. (Siehe Abbil­dun­gen 4 und 5.) In den Text ein­ge­streut fin­den sich darü­ber hin­aus wei­tere drei­zehn ganz­sei­tige Abbil­dun­gen, die die Roman­hand­lung illus­trie­ren. (Siehe Abbil­dun­gen 6 bis 8.)

Die Men­schen, die die Schöne Neue Welt bewoh­nen, hat Kleist in Ein­heits­klei­dung dar­ge­stellt. Es han­delt sich dabei um eine Art Uni­form im Stile von Miche­lin-Männ­chen, die auf den Abbil­dun­gen gut zu erken­nen ist. Mich erin­nert diese Dar­stel­lung an die der­zeit moder­nen Pols­ter­ja­cken mit hori­zon­ta­len Stepp­näh­ten, in der gerade drei Vier­tel der Mensch­heit herum­zulau­fen schei­nen. Per­fekt zu die­ser aktu­el­len Mode­erschei­nung pas­sen die Smart­pho­nes, mit denen der Zeich­ner viele sei­ner klon­haf­ten Zukunfts­men­schen aus­stat­tet. Denn mit der­lei Stil­ele­men­ten gelingt es ihm sozu­sa­gen durch die Hin­ter­türe, die Hand­lung aus dem 26. Jahr­hun­dert in die Jetzt­zeit zu pro­jizie­ren. Sind wird womög­lich schon so weit? Leben wir nicht alle bereits an der Schwelle zur dys­topi­schen Vision der mensch­li­chen Zukunft, die Hux­ley vor neun­zig Jahren als Schre­ckens­sze­na­rio her­auf­beschwo­ren hat?

Zweifel­los ist Rein­hard Kleist eine raf­fi­nierte, dra­mati­sche Bebil­de­rung der schau­erli­chen Zukunfts­spe­kula­tion Aldous Hux­leys gelun­gen. Seine Illus­tra­tion ver­leiht der Ge­schich­te aus dem ver­gan­ge­nen Jahr­hun­dert eine über­ra­schend aktu­elle Note.

Typografie

Gesetzt ist der Fließ­text der 2020er Son­der­aus­gabe in einer Vari­ante der Schrift­art Rotis Serif, die Otl Aicher erst­mals im Jahr 1988 ent­wor­fen hat und die Mono­type im Rah­men der Rotis Family Group her­aus­gibt. Die Rotis gilt unter Fach­leu­ten als umstrit­ten: Das Schrift­bild wirke näm­lich bei grö­ße­ren Text­men­gen unru­hig und flim­mere auf hel­lem Papier, heißt es. Daher wird sie bevor­zugt im Über­schrif­ten­be­reich oder in der Logo-Typo­gra­fie ver­wen­det. Doch im kul­turel­len und künst­leri­schen Bereich wird sie gele­gent­lich – wie eben auch hier – als Brot­schrift ein­ge­setzt. (Siehe Abbil­dung 2 in der Bil­der­gale­rie.)

Schöne Neue Welt – Zur Übersetzung

Erst­mals ins Deut­sche über­setzt wurde der Roman noch im Erschei­nungs­jahr 1932 durch den Öster­rei­cher Her­berth Her­litsch­ka. Die­ser Her­litsch­ka hat meh­rere der Werke Hux­leys über­setzt, und seine deut­sche Ver­sion der Schönen Neuen Welt wurde durch den Autor selbst autho­ri­siert. Dies ist inso­fern bemer­kens­wert, als es sich nicht nur um eine bloße Über­set­zung han­delte son­dern um eine voll­stän­dige Über­füh­rung in eine deut­sche Rah­men­umge­bung: Denn der Über­set­zer ver­legte die Hand­lung von Lon­don nach Ber­lin. Auch viele Figu­ren wur­den einge­deutscht. Aus Musta­pha Mond wurde bei­spiels­weise Mustafa Man­nes­mann, aus John Savage ein deut­scher Michel. Der „Reli­gions­stif­ter“ Henry Ford blieb aller­dings auch bei Her­litsch­ka mit sei­nem Namen beste­hen.

Eine sol­che Ummün­zung auf deut­sche Rah­men­bedin­gun­gen mochte im dama­li­gen gesell­schafts­poli­ti­schen Umfeld nicht nur sinn­voll son­dern gar unum­gäng­lich gewesen sein. Aber den­noch wurde der Roman schon 1933 von den Nazis auf die Liste ver­bote­ner Schrif­ten gesetzt.

Zweite Übersetzung

Im Jahr 1978 erschien im dama­li­gen DDR-Verlag Das Neue Ber­lin eine zweite Über­set­zung ins Deut­sche. Über­setze­rin war Eva Walch, die in ihrer Ver­sion wie­der auf Ori­ginal­schau­plätze und die ori­gina­len Per­sonen­na­men zurück­griff. Doch auch nach die­ser Ver­öffent­li­chung erschie­nen wei­tere deut­sche Publi­katio­nen der alten Her­litsc­hka-Ver­sion. Eine aktu­elle Über­set­zung war wohl über­fäl­lig.

Dritte aktuelle Übersetzung

Uda Strät­ling wurde 1954 in Bonn gebo­ren und ist frei­beruf­li­che Lite­ratur­über­setze­rin aus dem Engli­schen. Sie wuchs in den USA, Rumä­nien und Afrika auf. Spä­ter stu­dierte Strät­ling Publi­zis­tik, Sozio­lo­gie und Lin­guis­tik in Mün­chen. Heute lebt sie in Ham­burg.

Ihre deut­sche Inter­pre­ta­tion des Romans wurde zur Frank­fur­ter Buch­messe des Jah­res 2013 vor­ge­stellt. Rezen­sen­ten beschei­nig­ten damals der Über­setze­rin, Hux­leys Text „mit Bra­vour neu ins Deut­sche über­tra­gen“ zu haben (Pieke Bier­mann, Deutsch­land­ra­dio Kul­tur, 24.10.2013). „Uda Strät­ling hat sein Zukunfts­werk neu über­setzt – und zwar genau so, wie der Visi­onär ihn damals im Ori­gi­nal geschrie­ben hat“, stellte der Öster­rei­chi­scher Rund­funk, ORF.at, am 16.12.2013 fest. Und René Oth lobte am 12.11.2013 im Tage­blatt „Uda Strät­ling […], die sich voll auf den spöt­ti­schen Witz und die visio­näre Kraft der Spra­che Hux­leys kon­zen­triert“.

Wie schon Eva Walch vor ihr, über­nahm auch Strät­ling die engli­schen Ori­ginal­namen des Per­so­nals der Ge­schich­te: Michel heißt also wie­der John, Mustafa Man­nes­mann wieder Musta­pha Mond. Außer­dem moder­ni­sierte sie den Wort­schatz der Über­set­zung. Beson­ders gefal­len hat mir der Begriff „Dekan­tie­rung“ für die Geburt nach dem Aus­tra­gen der mensch­li­chen Embryos in glä­ser­nen Karaf­fen. So, als ob es sich um die Vor­berei­tun­gen zum Genuss wert­vol­ler Weine han­delte.

Die Über­set­zung des Wahl­spruchs des Welt­staa­tes ist gleich­falls neu und lau­tet nun „Kol­lek­tivi­tät, Iden­ti­tät, Sta­bili­tät“ statt „Gemein­schaft, Ein­heit­lich­keit, Bestän­dig­keit“. Ein sar­kas­ti­scher Kon­trast zu „Einig­keit und Recht und Frei­heit“ aus dem Lied der Deut­schen. Oder zu „Frei­heit, Gleich­heit, Brü­der­lich­keit“, dem Motto der Fran­zösi­schen Repu­blik.

Anmerkungen der Übersetzerin

In ihren gut zwan­zig Sei­ten lan­gen Anmer­kun­gen am Ende der Aus­gabe bie­tet Uta Strät­ling einen sehr inte­res­san­ten Ein­blick in Fra­gestel­lun­gen, die im Ver­lauf der Über­set­zung auf­tra­ten. Jeder Hin­weis ist dort mir der Sei­ten­zahl ver­se­hen, auf die er sich bezieht. Wir erfah­ren zum Bei­spiel, wieso in aller Welt das eng­li­sche „brave“ mit „schön“ über­setzt wird und warum die Adjek­tive im Titel beide groß­geschrie­ben wer­den. Auch zu den Eigen­na­men des Roman­per­so­nals und zu ver­schie­de­nen tech­ni­schen Bezeich­nun­gen erfah­ren wir Wun­dersa­mes.

Man sollte sich unbe­dingt die Zeit neh­men, wäh­rend der Lek­türe immer mal wie­der nach hin­ten zu blät­tern. Denn dann liest man den Roman womög­lich mit ganz ande­ren Augen. Eine wahre Fund­grube für alle, die sich für die Ge­schich­te hin­ter der Ge­schich­te inte­ressie­ren!

Huxleys berüchtigtes Vorwort

Vier­zehn Jahre nach der Ver­öffent­li­chung setzte der Autor sei­nem Roman ein Vor­wort voran, in dem er sich selbst­kri­tisch mit sei­ner Ge­schich­te beschäf­tigte. Die­ses Vor­wort ist seit­her übli­cher­weise Bestand­teil aller späteren Aus­gaben.

Als lite­rari­sches Werk weist sie erheb­li­che Män­gel auf, doch um sie zu behe­ben, müsste ich das Buch noch ein­mal schrei­ben –  und als ältere und andere Per­son würde ich dabei ver­mut­lich nicht nur einige Form­feh­ler, son­dern auch man­chen Vor­zug til­gen, den sie ursprüng­lich gehabt haben mag.
(Seite 316)

Uta Strät­ling packt das Vor­wort in ihrer Über­set­zung dort­hin, wo es auch mei­ner Mei­nung nach hin­ge­hört: näm­lich nach den Schluss­punkt der Roman­ge­schich­te. (Siehe auch Abbil­dung 2). Denn wer möchte schon vor der Lek­türe vor­gebe­tet bekom­men, was der Autor glaubt, falsch gemacht zu haben. Als Nach­wort ist die­ses ehe­ma­lige Vor­wort tat­säch­lich wesent­lich sinn­vol­ler.

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Fazit:

Dem Fischer Ver­lag ist eine höchst bemer­kens­werte Neu­auf­lage eines lite­rari­schen Ever­greens gelun­gen. Die Schöne Neue Welt von Aldous Hux­ley erblüht näm­lich in einer opu­len­ten Pracht, in der die Illus­tra­tio­nen Rein­hard Kleists der Erzäh­lung nicht nur ein Gesicht geben. Denn seine Zeich­nun­gen sor­gen auch dafür, dass die Dys­to­pie mit einem Mal nicht in einer fer­nen Zukunft spielt, son­dern in unsere Gegen­wart gezo­gen wird. Auch die Über­set­zung ins Deut­sche trägt dazu bei, der fast hun­dert Jahre alten Ge­schich­te Aktu­ali­tät zu ver­lei­hen.

Einer unbe­bil­der­ten Vari­ante der Neu­auf­lage würde ich auf jeden Fall vier von fünf mög­li­chen Ster­nen zuge­ste­hen. Auch wenn die ur­sprüng­li­che Roman­ge­schich­te selbst durch­aus ihre Schwä­chen haben mag. Doch die illus­trier­te Fas­sung setzt noch einen drauf. Diese Bear­bei­tung hat sich mit Bra­vour nicht weni­ger als die volle Sterne­zahl ver­dient.

Aldous Leonard Huxley: Schöne Neue Welt
Fischer Verlag, 2020

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