Flashback Zufallsrezension: Jeden Sonntag eine neu & zufällig ausgewählte Buchbesprechung aus der Vergangenheit — Gute Bücher altern nicht!
Auf der Su­che nach Lese­stoff? ❤ Hier fin­dest Du Buch­be­spre­chun­gen mit An­spruch aber oh­ne Al­lü­ren. Ich schrei­be meist über bel­le­tris­ti­sche Ti­tel; über sol­che, die mir ge­fal­len oder auch mal nicht ge­fal­len ha­ben; manch­mal Main­stream, manch­mal ab­seits der aus­ge­tre­te­nen Pfa­de. (Per­sön­li­che Emp­feh­lun­gen und ein paar Wor­te zu die­sem Pro­jekt gibt’s ganz un­ten auf die­ser Sei­te.)

Mord im Herbst

Henning Makell, Mord im Herbst, 2013
Henning Mankell, 2013

Ein recht dünnes Bändchen kredenzt uns Autor Henning Mankell mit seinem elften und vorletzten Teil der Wallander-Krimireihe; gerade einmal 120 Taschenbuchseiten, nur ein Viertel oder Fünftel dessen, was wir aus den anderen Wallandern gewohnt waren. Und Mord im Herbst hält immerhin auch elf Jahre Abstand zu seinem Vorgänger Vor dem Frost, zumindest was die Veröffentlichungsdaten sowohl der schwedischen als auch der deutschen Ausgabe betrifft – beide erst 2013. Doch dieses späte Veröffentlichungsjahr trügt. Immerhin erschien das Büchlein in den Niederlanden bereits 2004, und die Romanhandlung trägt sich im Oktober 2002 zu, also auch wieder wie gekannt nur ein Jahr nach dem zehnten Band.

Was ist das bloß für ein Durcheinander? – Wir erinnern uns: Mit Die Brandmauer wollte Mankell die Wallanderserie ursprünglich abschließen. Dann schob er das Prequel Wallanders erster Fall nach. Und schließlich beschrieb er in Vor dem Frost den Generationenwechsel: Kurts Tochter Linda war die eigentliche Protagonistin des vorherigen, zehnten Wallanderromans.

In Mord im Herbst ist es nun auf einmal doch wieder Kurt Wallander, der die Ermittlungen vorantreibt. Linda ist zwar noch prominent im Privatleben ihres Vaters vorhanden, assistiert im Kriminalfall allerdings nur mehr beiläufig. – Und erst recht nicht mehr als Ich-Erzählerin.

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Wallanders erster Fall

Henning Mankell, Wallanders erster Fall, 2002
Henning Mankell, 2002

Eigentlich war bereits Die Brandmauer als Abschlussband der Wallander-Romanserie Henning Mankells angelegt. Doch nur ein Jahr nach der Brandmauer schiebt der Autor eine Sammlung mit fünf kürzeren Erzählungen über den längst weltberühmten Schwedenkommissar nach. Diese Sammlung trägt den Titel Wallanders erster Fall (und andere Erzählungen). Wie der Titel vermuten lässt, handelt der neunte Band in der Zeit vor dem ersten Roman, Möder ohne Gesicht, er präsentiert also die Vorgeschichte von Kurt Wallander. Im Vorwort erklärt Mankell, er habe bemerkt, dass er „im Kopf anfing, Erzählungen zu schreiben, die vor der Romanserie spielten“. Er habe diesen Band herausgegeben, „weil er ein Ausrufezeichen darstellt nach dem Punkt, den ich mit Die Brandmauer gesetzt hatte“.

Für die weltweite Fangemeinde des schwedischen Kommissars stellt der neunte Band keinen Epilog dar, sondern einen Prolog. Obwohl er zuletzt geschrieben ist.

„Wallander ist für viele ein lebendiger Mensch geworden. Er ist aus den Buchseiten herausgetreten und zu einem Mitmenschen geworden. Auch wenn alle im Innersten natürlich wissen, daß er nur in der Vorstellung existiert. Aber er hat trotzdem eine Vergangenheit. Er war einmal jung. In diesen Erzählungen versuche ich, einige der frühesten Teile seines Lebens, so wie ich sie mir vorstelle, in das Bild einzufügen.
Kein Bild wird jemals vollständig. Aber diese Geschichten gehören zur Serie über Wallander. Ich mache den Sack zu.“ (Seite 11)

Wallanders erster Fall –

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Die Brandmauer

Henning Mankell, Die Brandmauer, 2001
Henning Mankell, 2001

Der ach­te Band der Ro­man­se­rie um den schwe­di­schen Kult-Kom­mis­sar trägt in der deut­schen Über­set­zung den Ti­tel Die Brandmauer. Ur­sprüng­lich hat­te Hen­ning Man­kell die­se Fol­ge als Ab­schluss sei­ner Wal­lan­der­ro­ma­ne ge­plant. Al­ler­dings reich­te er an­schlie­ßend doch noch drei wei­te­re Bän­de nach. Der deut­sche Buch­ti­tel Die Brand­mau­er wirkt übri­gens etwas ver­un­glückt, wenn man weiß, dass das schwe­di­sche Ori­gi­nal Brand­vägg lau­tet. Die­ser Be­griff wird übli­cher­wei­se nicht im Sin­ne einer ge­mau­er­ten Brand­schutz­wand son­dern viel­mehr mit „Fire­wall“ über­setzt. Aber viel­leicht war es ja Ab­sicht des Über­set­zers, die Le­ser­schaft nicht schon vor dem Auf­blät­tern der ers­ten Sei­te mit der Na­se auf das Ro­man­the­ma zu sto­ßen? Oder war da­mals in den Neun­zi­gern schlicht und ein­fach das Wort „Fire­wall“ noch nicht im Sprach­ge­brauch prä­sent?

Tat­säch­lich steckt hin­ter der Ge­schich­te ein von lan­ger Hand ge­plan­ter Com­pu­ter­an­griff auf die Fi­nanz­sys­te­me der Mensch­heit, der einen welt­wei­ten wirt­schaft­li­chen Kol­laps aus­lö­sen soll. – Da­zu schreibt Man­kell im Nach­wort auf Sei­te 575:

„Ich ver­mu­te ja, daß das, was in die­sem Buch steht, bald ge­sche­hen wird.“

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