Meine ganz persönlichen Lesempfehlungen
Auf der Su­che nach Lese­stoff? ❤ Hier fin­dest Du Buch­be­spre­chun­gen mit An­spruch aber oh­ne Al­lü­ren. Ich schrei­be meist über bel­le­tris­ti­sche Ti­tel; über sol­che, die mir ge­fal­len oder auch mal nicht ge­fal­len ha­ben; manch­mal Main­stream, manch­mal ab­seits der aus­ge­tre­te­nen Pfa­de. (Per­sön­li­che Emp­feh­lun­gen und ein paar Wor­te zu die­sem Pro­jekt gibt’s ganz un­ten auf die­ser Sei­te.)

Every

Dave Eggers, Every, 2023
Dave Eggers, 2023

Nach dem Verkaufserfolg seines Bestsellers Der Circle aus dem Jahr 2013 wandelte der US-Schrift­stel­ler Dave Eggers den eigenen Verlag, McSweeney’s Publishing EN, in eine Non­pro­fit-Or­ga­ni­sa­tion um ¹. Unter deren Dach veröffentlichte er dann ein Jahrzehnt nach dem Circle einen Romannachfolger: Every. In diesem zweiten Teil der Geschichte hat der monopolistische Medien- und Technologiekonzern aus dem ersten Roman in der Zwischenzeit auch noch mit dem weltweit erfolgreichsten Onlineversandhaus fusioniert. Wir blicken hier also einer Schreckensgeschichte über den gewaltigsten Onlineriesen aller Zeiten entgegen, einer Art appeligem Ama­zon-Google-Meta-Mons­ter. Es gilt daher: den Gürtel festgezurrt, die Hosenträger stramm verspannt, den Schutzhelm über den Scheitel gestülpt und los geht’s!

Eggers hat seinen Roman mit gleich drei Untertiteln versehen: Every –oder– Endlich ein Gefühl von Ordnung –oder– Die letzten Tage des freien Willens –oder– Grenzenlose Auswahl zerstört die Welt. Außerdem möchte ich hier gerne noch meinen Liebling unter den ebenfalls drei Epigraphen zitieren, die der Erzählung vorausgehen.

„Gibt es vielleicht außer dem angeborenen Wunsch nach Freiheit auch eine instinktive Sehnsucht nach Unterwerfung?“
(Erich Fromm, Die Furcht vor der Freiheit, 1941)

Der Autor macht seiner Leserschaft also von vornherein unmissverständlich klar, was auf den folgenden 570 Textseiten, unterteilt in 45 Kapitel, auf sie zukommt.

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Der Circle

Dave Eggers, Der Circle, 2014
Dave Eggers, 2014

Der Roman Der Circle erstürmte im Jahr 2014, nur ein paar Wochen nach seinem Erscheinen, die Spitzenplätze der Bestsellerlisten des deutschen Buchhandels. Der kalifornische Schriftsteller Dave Eggers schreibt darin über einen totalitär agierenden kalifornischen Medien- und Technologiekonzern, den „Circle“, der in den Zehnerjahre die Werte der amerikanischen Gesellschaft umkrempelt und die Bevölkerung in seine lemminghafte Gefolgschaft verwandelt. Der Autor macht gar keinen Hehl daraus, dass seine dystopische Geschichte eine modernisierte Fassung der Abgründe in George Orwells 1984 ist; im Gegenteil.

Orwell hatte sein Referenzwerk über totalitäre Überwachungsstaaten im Jahr 1948 abgeschlossen. Der Romanklassiker erlebte jedoch im Jahr 2013 ein intensives Revival, nämlich nachdem der Whistleblower Edward Snowden das PRISM-Über­wa­chungs­pro­gramm des US-Ge­heim­dien­stes NSA zur Überwachung und Auswertung elektronischer Medien offengelegt hatte. PRISM soll eine umfassende Überwachung der digitalen Kommunikation von Personen innerhalb und außerhalb der Vereinigten Staaten ermöglichen. Noch im gleichen Jahr erschien Eggers‘ The Circle im amerikanischen Original.

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Zähne und Klauen

T. C. Boyle, Zähne und Klauen, 2008
T. C. Boyle, 2008

Mit Zähne und Klauen liegt uns nun bereits der vierte Sammelband mit Kurzgeschichten des US-ame­ri­ka­ni­schen Romanciers T. C. Boyle vor, der ins Deutsche übersetzt wurde. Im englischen Original heißt der Band Tooth and Claw und erschien 2005, zwischen den beiden Romanen Dr. Sex und Talk Talk. Ist es überhaupt noch notwendig zu erklären, welches Thema die vierzehn Erzählungen dieser Sammlung gemeinsam haben? Denn eigentlich drehen sich Boyles meist skurrile Geschichten doch immer um das Gleiche: Seine Figuren befinden sich alle im Kampf mit der Natur; entweder mit der eigenen, oder aber mit irdischen oder gar kosmischen Naturkatastrophen. Und immer wieder begeistert uns der Autor mit seiner unvergleichlichen Fähigkeit, die unterschiedlichsten Charaktere diverser Epochen und Gesellschaftschichten in seine bizarren literarischen Versuchsanordnungen hineinzuwerfen und darin leiden zu lassen.

Der Titel des Bandes wurde sowohl in der englischen als auch in der deutschen Version vom Einzeltitel der zwölften Erzählung übernommen. Darin geht es um die Zähne und Klauen eines afrikanischen Servals, den ein junger Mann in seinem Schlafzimmer einquartiert, ohne daran zu denken, was eine solche Wildkatze in der häuslichen Umgebung von Menschen anzurichten im Stande ist. – Stirnrunzelnd fragst Du Dich, wie dumm man sein kann? Dann solltest Du unbedingt diese Geschichte und auch die anderen dreizehn selbst lesen, um festzustellen, wie viel Schlamassel man auf 370 Textseiten unterbringen kann.

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