Meine ganz persönlichen Lesempfehlungen
Auf der Su­che nach Lese­stoff? Hier fin­dest Du Buch­be­spre­chun­gen mit An­spruch aber oh­ne Al­lü­ren. Ich schrei­be meist über bel­le­tris­ti­sche Ti­tel; über sol­che, die mir ge­fal­len oder auch mal nicht ge­fal­len ha­ben; manch­mal Main­stream, manch­mal ab­seits der aus­ge­tre­te­nen Pfa­de. (Per­sön­li­che Emp­feh­lun­gen und ein paar Wor­te zu die­sem Pro­jekt gibt’s ganz un­ten auf die­ser Sei­te.)

Die Analphabetin, die rechnen konnte

Jonas Jonasson; Die Analphabetin, die rechnen konnte; 2013
Jonas Jonasson, 2013

Nur ein Jahr nach­dem sein Über­ra­schungs­er­folg Der Hun­dert­jäh­ri­ge, der aus dem Fens­ter stieg und ver­schwand auf ers­ten Plät­zen der Best­sel­ler­lis­ten stand, schob Jo­nas Jo­nas­son einen zwei­ten Ro­man nach. Die Analphabetin, die rechnen konnte lan­de­te eben­falls so­fort auf den top Ver­kaufs­rän­gen des Buch­han­dels. Kein Wun­der, denn der schwe­di­sche Autor ver­ließ sich auch beim zwei­ten An­lauf auf das Er­folgs­re­zept, das sei­nen ers­ten Ro­man so er­folg­reich ge­macht hat­te. Auf eine Pro­ta­go­nis­tin näm­lich, die wie­der be­schei­den und höf­lich auf­tritt, aber ge­nau weiß, was sie will. Auf sein Ge­spür für Si­tua­tions­ko­mik. Und auf den Zau­ber des Un­wahr­schein­li­chen, des ge­ra­de­zu Ab­sur­den, das die Le­ser­schaft auf Trab hält.

Nach Allan Karls­son aus dem Hun­dert­jäh­ri­gen ist nun al­so eine Frau die Hel­din des zwei­ten Jo­nas­son-Ro­mans, Nom­be­ko Ma­ye­ki. Nom­be­ko wächst wäh­rend der Sieb­zi­ger­jah­re in So­we­to auf, einer Slum­sied­lung am Ran­de des süd­af­ri­ka­ni­schen Jo­han­nes­burg. Dank ih­rer phä­no­me­na­len Re­chen­be­ga­bung steigt das Mäd­chen von der La­tri­nen­ton­nen­trä­ge­rin in der Slum­hie­rar­chie auf und lan­det durch Zu­fall als Putz­frau bei einem al­ko­hol­kran­ken Wei­ßen, der das Atom­pro­gramm Süd­afri­kas lei­tet. Die­ser Mann ist nicht nur stän­dig be­trun­ken. Er hat auch kei­ne Ah­nung da­von, wie er sei­nem Staat eine Atom­bom­be ver­schaf­fen soll. Aber die­se Auf­ga­be über­nimmt ja nun glück­li­cher­wei­se Nom­be­ko für ihn. Er­folg­reich.

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Elefantöse Geschichten

Elefant

Elefanten: Mein Lieb­lings­tier ist zwei­fel­los der Ele­fant. Das ist so, seit ich in den Sech­zi­ger­jah­ren des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts mei­ne ers­ten Ele­fan­ten im Tier­park Hel­la­brunn und kurz da­rauf auch auf dem Schwarz­weiß-Bild­schirm im Wohn­zim­mer, und zwar in der Fern­seh­se­rie Dak­ta­ri ge­se­hen ha­be. Eine Wei­le lang ha­be ich dann Ele­fan­ten­fi­gu­ren in ver­schie­de­nen Grö­ßen ge­sam­melt. Und in­zwi­schen le­se ich ger­ne Ro­man­ge­schich­ten, in de­nen ele­fan­tö­ses Per­so­nal auf­tritt:

  • Die Reise des Elefanten, José Saramago, 2010Die Reise des Elefanten (18. Juni 2020) *****
    — Die Ge­schich­te um den Ele­­fan­­ten Sa­lo­­mon und des­­sen Füh­­rer, den Ma­hut Subhro. Als Ge­burts­tags­ge­schenk der ibe­ri­schen Kö­ni­ge Jo­hann und Ka­tha­ri­na an ih­ren Vet­ter, den Erz­her­zog Ma­xi­mi­lian von Ös­ter­reich reis­te Sa­lo­mon vom por­tu­gie­si­schen Be­lém bis nach Wien. Ein tie­risch-li­te­ra­ri­sches Road-Movie aus dem sechs­ten Jahr­hun­dert.
    (José Saramago, 2010)
  • Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand, Jonas JonassonDer Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand (27. Januar 2022) *****
    — Einer der Rei­se­be­glei­te­rin­nen des hun­­dert­­jäh­­ri­­gen Al­­lan Karls­­son ist die Ele­fan­ten­da­me Son­ja. Son­ja spa­ziert al­ler­dings nicht nur ein­fach so am Ran­de der Er­eig­nis­se mit. Viel­mehr trägt sie durch­aus einen ge­wich­ti­gen An­teil am Ro­man­ge­sche­hen.
    (Jonas Jonasson, 2009)
  • Peter Karoshi, Zu den Elefanten, 2021Zu den Elefanten (17. Februar 2022) *****
    — Theo hat Schwie­­rig­­kei­ten, sein Le­ben so zu ak­zep­­tie­ren, wie es läuft. Er be­gibt sich auf die Rei­se „zu den Ele­fan­ten“, die zu einem bi­zar­ren Selbst­fin­dungs­trip ge­rät. Beim Ver­such, sich selbst zu­recht zu rü­cken, ge­rät Theo außer Rand und Band.
    (Peter Karoshi, 2021)
  • T. C. Boyle, Fleischeslust, 1999Großwildjagd (11. August 2023) *****
    — Kurzgeschichte über Safarifantasien reicher Kalifornier, die auf einem staubigen Stück Land zwischen Ölbohrschwengeln auf „Wildtiere“ schießen, die aus Zoos und Zirkusarenen ausgemustert wurden. Eine gewichtige Rolle in der Erzählung spielt Elefantenoma Bessie Bee aus dem Barnum & Bailey Circus.
    (T. C. Boyle, 1999)

Zu den Elefanten

Peter Karoshi, Zu den Elefanten, 2021
Peter Karoshi, 2021

Peter Karoshi macht sich auf den Weg Zu den Elefanten. Denn so lau­tet der Ti­tel der No­vel­le des Wie­ner Kul­tur­wis­sen­schaft­lers, His­to­ri­kers und Schrift­stel­lers, die 2021 über­ra­schend für den Deut­schen Buch­preis no­mi­niert wur­de. Mich in­te­res­siert an die­sem Text vor al­lem die Tat­sa­che, dass der Autor da­bei Be­zug nimmt auf eine his­to­risch ver­bürg­te Be­ge­ben­heit; näm­lich auf die Rei­se des Ele­fan­ten So­li­man von der ibe­ri­schen Halb­in­sel bis nach Wien, die im sech­zehn­ten Jahr­hun­dert statt­fand. Viel­leicht er­in­nert sich der eine oder die an­de­re Le­se­r¦in noch an den Ro­man Die Rei­se des Ele­fan­ten von Jo­sé Sa­ra­ma­go, des por­tu­gie­si­schen No­bel­preis­trä­gers, in dem ge­nau die­se Ele­fan­ten­rei­se er­zählt wur­de.

Ka­ro­shi ist sich der li­te­ra­ri­schen Vor­ge­schich­te durch­aus be­wusst. Sein Pro­ta­go­nist Theo spricht so­gar mit dem Sohn über den Ro­man des Por­tu­gie­sen. Die Rei­se des Ele­fan­ten kommt da­bei al­ler­dings aus Sicht des His­to­ri­kers schlecht weg:

„Ja, José Sara­mago, der war das. Aber, schau, ich habe das Buch nie gele­sen, so einen his­tori­sieren­den Scheiß kann kei­ner lesen. Das ist es ja, was einen in den Wahn­sinn treibt, dass einer eine wahre Ge­schich­te nimmt und sie völ­lig neu und falsch erfin­det!“
(Seite 79)

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