Meine ganz persönlichen Lesempfehlungen
Auf der Su­che nach Lese­stoff? Hier fin­dest Du Buch­be­spre­chun­gen mit An­spruch aber oh­ne Al­lü­ren. Ich schrei­be meist über bel­le­tris­ti­sche Ti­tel; über sol­che, die mir ge­fal­len oder auch mal nicht ge­fal­len ha­ben; manch­mal Main­stream, manch­mal ab­seits der aus­ge­tre­te­nen Pfa­de. (Per­sön­li­che Emp­feh­lun­gen und ein paar Wor­te zu die­sem Pro­jekt gibt’s ganz un­ten auf die­ser Sei­te.)

Peter-Huchel-Preis 2022

Dinçer Güçyeter
Dinçer Güçyeter, 2021

Der türkisch­stäm­mige Thea­ter­ma­cher, Ver­le­ger und Ly­ri­ker Dinçer Güçyeter (42) wur­de mit dem Pe­ter-Hu­chel-Preis aus­ge­zeich­net. Den mit 10.000 Euro do­tier­ten Preis stif­ten das Land Ba­den-Würt­tem­berg und der Süd­west­­rund­­funk. Er soll die li­te­ra­ri­sche Ar­beit deutsch­spra­chi­ger Ly­ri­ke­rin­nen und Ly­ri­ker wür­di­gen. Im ver­gan­ge­nen Jahr er­hielt Mar­cel Bey­er den Preis.

Die Jury wähl­te in ih­rer Sit­zung am 28. und 29. Ja­nu­ar 2022 den im Elif Ver­lag, den Güçyeter selbst führt, er­schie­ne­nen Band „Mein Prinz, ich bin das Ghet­to“ als her­aus­ra­gen­de Neu­er­schei­nung des Jah­res 2021. In der Be­grün­dung der neun­köp­fi­gen Ju­ry heißt es:

„Dinçer Güçyeters Ge­dicht­band ‚Mein Prinz, ich bin das Ghet­to‘ ver­han­delt mit ex­pres­sio­nis­ti­scher Sprach­wucht und fein­sin­ni­ger Am­bi­va­lenz fa­mi­liä­re, so­zi­ale und kul­tu­rel­le Ver­or­tun­gen so­wie post­pa­tri­ar­cha­le Mög­lich­kei­ten einer sou­ve­rä­nen Exis­tenz.“

Ein aus­führ­li­ches Por­trait des Ly­ri­kers aus Net­te­tal fin­det man bei der Wo­chen­zeit­schrift der Frei­tag.

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Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand, Jonas Jonasson
Jonas Jonasson, 2009

Der Hundertjährige, der aus dem Fens­ter stieg und ver­schwand ist der De­but­ro­man des schwe­di­schen Schrift­stel­lers Jo­nas Jo­nas­son aus dem Jahr 2009. Das Buch wur­de zu einem ge­wal­ti­gen in­ter­na­tio­na­len Er­folg und in­ner­halb von nur fünf Jah­ren welt­weit über sechs Mil­lio­nen Mal ver­kauft. Der Ro­man er­zählt die Ge­schich­te des hun­dert­jäh­ri­gen Al­lan Karls­son, der im Jahr 2005 an sei­nem run­den Ge­burts­tag aus dem Al­ters­heim in Malmköping flieht und sich un­ter skur­ri­len Um­stän­den mit eini­gen Zu­falls­be­glei­tern auf eine Rei­se bis nach Ba­li be­gibt. Wäh­rend die­ser Rei­se wird aus der Le­bens­ge­schich­te des Ve­te­ra­nen Al­lan be­rich­tet, der oh­ne sein Zu­tun und meist ge­gen sei­nen Wil­len in die wich­tigs­ten po­li­ti­schen Er­eig­nis­se des 20. Jahr­hun­derts ver­wi­ckelt wur­de. Der „Hun­dert­jäh­ri­ge“ ist ein li­te­ra­ri­sches Road Movie der ver­gnüg­lichs­ten Art!

Nach­dem sich mitt­ler­wei­le, mehr als zehn Jahre nach die­sem Roman­er­folg, einige Nach­fol­gege­schich­ten Jonas­sons in mei­nem Sta­pel unge­lese­ner Bücher ange­sam­melt haben, habe ich das erste Buch des Autors zur Ein­stim­mung auf einen Jonas­son-Zy­klus ein zwei­tes Mal gele­sen und diese Buch­bespre­chung hier ver­öffent­licht.

Der Hundertjährige, der aus dem Fens­ter stieg und ver­schwand – Über die Handlung

Erzählt wird also die Lebens­ge­schich­te von Allan Karls­son, der am Tag sei­nes hun­derts­ten Geburts­tags die Schnauze voll hat von sei­nem öden Lebens­abend in einem Alters­heim in einer schwe­di­schen Klein­stadt. Des­halb steigt Allan einem Impuls nach­ge­bend aus dem Fens­ter sei­nes Zim­mers und macht sich auf den Weg. Wie alle Wege in sei­nem Leben war also auch die­ser weder vor­berei­tet noch in irgend­einer Weise geplant. Autor Jonas­son teilt seine Ge­schich­te in zwei Rei­sebe­richte, die er von Kapi­tel zu Kapi­tel abwech­selnd erzählt.

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Das Labyrinth der Lichter

Carlos Ruiz Zafón, Das Labyrinth der Lichter, 2016
Carlos Ruiz Zafón, 2017

Mit dem Roman Das Labyrinth der Lichter schließt Car­los Ruiz Za­fón sei­nen vier­bän­di­gen Zy­klus um den Fried­hof der Ver­ges­se­nen Bü­cher im Her­zen Bar­ce­lo­nas ab. Fünf­zehn Jah­re nach Er­schei­nen des ers­ten Ban­des, Der Schat­ten des Win­des, be­en­det al­so der welt­weit am meis­ten ver­kauf­te spa­nisch­spra­chi­ge Autor sein Meis­ter­werk; nach 2.576 Buch­sei­ten und 27 Mil­lio­nen ge­druck­ten Exem­pla­ren. In einem Fern­seh­in­ter­view¹ schwört der Best­sel­ler­autor mit der Rech­ten auf sei­nem letz­ten Ro­man­band, dass nun de­fi­ni­tiv Schluss sein wird. Einen Gut­teil sei­nes Er­wach­se­nen­le­bens ha­be ihn die Ge­schich­te be­schäf­tigt, zwi­schen 36 und 51, er­zählt Ruiz Za­fón. Nun sei es end­lich Zeit für ein neu­es Pro­jekt. Da­mals ahn­te je­doch noch nie­mand, dass der Autor nur vier Jah­re spä­ter tot sein wür­de.

Die Tetra­lo­gie kreist zwar um ein zen­tra­les Motiv, eben um die­sen sagen­umwo­be­nen Fried­hof der Ver­ges­se­nen Bücher in Bar­ce­lo­na, der kata­lani­schen Metro­pole am Mit­tel­meer. Doch es sind vier sehr unter­schied­li­che Ro­ma­ne, die der Autor abge­lie­fert hat. Denn jeder der Bände hat sei­nen eige­nen Pro­tago­nis­ten und gehört einem ande­ren lite­rari­schen Genre an: Der Schat­ten des Win­des ist näm­lich im Kern ein Coming-of-Age-Ro­man um den jun­gen Daniel Sem­pere. Das Spiel des Engels ist eine mys­ti­sche Schau­erge­schich­te, des­sen Haupt­fi­gur der Schrift­stel­ler David Mar­tín ist. Teil drei, Der Gefan­gene des Him­mels, stellt einen Aben­teuer­ro­man um die pit­to­reske Figur des Fer­mín Romero de Tor­res dar. Und nun, den vier­ten und letz­ten Teil, den muss man in ers­ter Linie wohl als span­nende Kri­mi­ge­schich­te lesen, deren zen­trale Figur eine junge Geheim­agen­tin namens Ali­cia Gris ist.

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