Flashback Zufallsrezension: Jeden Sonntag eine neu & zufällig ausgewählte Buchbesprechung aus der Vergangenheit — Gute Bücher altern nicht!
Auf der Su­che nach Lese­stoff? ❤ Hier fin­dest Du Buch­be­spre­chun­gen mit An­spruch aber oh­ne Al­lü­ren. Ich schrei­be meist über bel­le­tris­ti­sche Ti­tel; über sol­che, die mir ge­fal­len oder auch mal nicht ge­fal­len ha­ben; manch­mal Main­stream, manch­mal ab­seits der aus­ge­tre­te­nen Pfa­de. (Per­sön­li­che Emp­feh­lun­gen und ein paar Wor­te zu die­sem Pro­jekt gibt’s ganz un­ten auf die­ser Sei­te.)

Zu den Elefanten

Peter Karoshi, Zu den Elefanten, 2021
Peter Karoshi, 2021

Peter Karoshi macht sich auf den Weg Zu den Elefanten. Denn so lau­tet der Ti­tel der No­vel­le des Wie­ner Kul­tur­wis­sen­schaft­lers, His­to­ri­kers und Schrift­stel­lers, die 2021 über­ra­schend für den Deut­schen Buch­preis no­mi­niert wur­de. Mich in­te­res­siert an die­sem Text vor al­lem die Tat­sa­che, dass der Autor da­bei Be­zug nimmt auf eine his­to­risch ver­bürg­te Be­ge­ben­heit; näm­lich auf die Rei­se des Ele­fan­ten So­li­man von der ibe­ri­schen Halb­in­sel bis nach Wien, die im sech­zehn­ten Jahr­hun­dert statt­fand. Viel­leicht er­in­nert sich der eine oder die an­de­re Le­se­r¦in noch an den Ro­man Die Rei­se des Ele­fan­ten von Jo­sé Sa­ra­ma­go, des por­tu­gie­si­schen No­bel­preis­trä­gers, in dem ge­nau die­se Ele­fan­ten­rei­se er­zählt wur­de.

Ka­ro­shi ist sich der li­te­ra­ri­schen Vor­ge­schich­te durch­aus be­wusst. Sein Pro­ta­go­nist Theo spricht so­gar mit dem Sohn über den Ro­man des Por­tu­gie­sen. Die Rei­se des Ele­fan­ten kommt da­bei al­ler­dings aus Sicht des His­to­ri­kers schlecht weg:

„Ja, José Sara­mago, der war das. Aber, schau, ich habe das Buch nie gele­sen, so einen his­tori­sieren­den Scheiß kann kei­ner lesen. Das ist es ja, was einen in den Wahn­sinn treibt, dass einer eine wahre Ge­schich­te nimmt und sie völ­lig neu und falsch erfin­det!“
(Seite 79)

→ weiterlesen

Peter-Huchel-Preis 2022

Dinçer Güçyeter
Dinçer Güçyeter, 2021

Der türkisch­stäm­mige Thea­ter­ma­cher, Ver­le­ger und Ly­ri­ker Dinçer Güçyeter (42) wur­de mit dem Pe­ter-Hu­chel-Preis aus­ge­zeich­net. Den mit 10.000 Euro do­tier­ten Preis stif­ten das Land Ba­den-Würt­tem­berg und der Süd­west­­rund­­funk. Er soll die li­te­ra­ri­sche Ar­beit deutsch­spra­chi­ger Ly­ri­ke­rin­nen und Ly­ri­ker wür­di­gen. Im ver­gan­ge­nen Jahr er­hielt Mar­cel Bey­er den Preis.

Die Jury wähl­te in ih­rer Sit­zung am 28. und 29. Ja­nu­ar 2022 den im Elif Ver­lag, den Güçyeter selbst führt, er­schie­ne­nen Band „Mein Prinz, ich bin das Ghet­to“ als her­aus­ra­gen­de Neu­er­schei­nung des Jah­res 2021. In der Be­grün­dung der neun­köp­fi­gen Ju­ry heißt es:

„Dinçer Güçyeters Ge­dicht­band ‚Mein Prinz, ich bin das Ghet­to‘ ver­han­delt mit ex­pres­sio­nis­ti­scher Sprach­wucht und fein­sin­ni­ger Am­bi­va­lenz fa­mi­liä­re, so­zi­ale und kul­tu­rel­le Ver­or­tun­gen so­wie post­pa­tri­ar­cha­le Mög­lich­kei­ten einer sou­ve­rä­nen Exis­tenz.“

Ein aus­führ­li­ches Por­trait des Ly­ri­kers aus Net­te­tal fin­det man bei der Wo­chen­zeit­schrift der Frei­tag.

Anzeige
Thalia ist als Onlineshop ausgewählt
Gebundenes Buch Taschenbuch E-Book Hörbuch

Wenn Du über diese Links bestellst, erhalte ich eine kleine Provision auf Deinen Einkauf (mehr darüber)

Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand, Jonas Jonasson
Jonas Jonasson, 2009

Der Hundertjährige, der aus dem Fens­ter stieg und ver­schwand ist der De­but­ro­man des schwe­di­schen Schrift­stel­lers Jo­nas Jo­nas­son aus dem Jahr 2009. Das Buch wur­de zu einem ge­wal­ti­gen in­ter­na­tio­na­len Er­folg und in­ner­halb von nur fünf Jah­ren welt­weit über sechs Mil­lio­nen Mal ver­kauft. Der Ro­man er­zählt die Ge­schich­te des hun­dert­jäh­ri­gen Al­lan Karls­son, der im Jahr 2005 an sei­nem run­den Ge­burts­tag aus dem Al­ters­heim in Malmköping flieht und sich un­ter skur­ri­len Um­stän­den mit eini­gen Zu­falls­be­glei­tern auf eine Rei­se bis nach Ba­li be­gibt. Wäh­rend die­ser Rei­se wird aus der Le­bens­ge­schich­te des Ve­te­ra­nen Al­lan be­rich­tet, der oh­ne sein Zu­tun und meist ge­gen sei­nen Wil­len in die wich­tigs­ten po­li­ti­schen Er­eig­nis­se des 20. Jahr­hun­derts ver­wi­ckelt wur­de. Der „Hun­dert­jäh­ri­ge“ ist ein li­te­ra­ri­sches Road Movie der ver­gnüg­lichs­ten Art!

Nach­dem sich mitt­ler­wei­le, mehr als zehn Jahre nach die­sem Roman­er­folg, einige Nach­fol­gege­schich­ten Jonas­sons in mei­nem Sta­pel unge­lese­ner Bücher ange­sam­melt haben, habe ich das erste Buch des Autors zur Ein­stim­mung auf einen Jonas­son-Zy­klus ein zwei­tes Mal gele­sen und diese Buch­bespre­chung hier ver­öffent­licht.

Der Hundertjährige, der aus dem Fens­ter stieg und ver­schwand – Über die Handlung

Erzählt wird also die Lebens­ge­schich­te von Allan Karls­son, der am Tag sei­nes hun­derts­ten Geburts­tags die Schnauze voll hat von sei­nem öden Lebens­abend in einem Alters­heim in einer schwe­di­schen Klein­stadt. Des­halb steigt Allan einem Impuls nach­ge­bend aus dem Fens­ter sei­nes Zim­mers und macht sich auf den Weg. Wie alle Wege in sei­nem Leben war also auch die­ser weder vor­berei­tet noch in irgend­einer Weise geplant. Autor Jonas­son teilt seine Ge­schich­te in zwei Rei­sebe­richte, die er von Kapi­tel zu Kapi­tel abwech­selnd erzählt.

→ weiterlesen

Cookie-Hinweis