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No Way Home

Am 16. September 2025 erschien der zwanzigste Roman des US-Romanciers T. C. Boyle mit dem Titel No Way Home. Die Besonderheit: Die deutsche Übersetzung ging ein halbes Jahr vor dem englischsprachigen Original in den Verkauf – ein Geschenk des Autors an seine große deutsche Fangemeinde. Ebenfalls neu: Von Kalifornien geht es diesmal nach Osten, mitten hinein in die Wüste. Nämlich in die Kleinstadt Boulder City, ein paar Kilometer südöstlich von Las Vegas. Dort spielt sich die Dreiecksbeziehung zwischen Terry, einem Arzt aus Los Angeles, der übergriffigen Bethany und deren eifersüchtigem Ex Jesse ab.
In den drei Romanvorgängern behandelte Boyle die Themen Klimawandel (Blue Skies), Evolution (Sprich mit mir) und eine Biografie des LSD-Papstes der Sechziger, Timothy Learys (Das Licht). In seinem neusten Werk stürzt er nun sein Personal und seine Leserschaft in menschliche Abgründe.
Nirgendwann

Im April 2025 erschien der Roman Nirgendwann des deutschen Autors Mac Conin. Er handelt von einem krisenhaften Lebensabschnitt der jungen Wahlkölnerin Johanna, genannt Jo, die sich zwischen den Wunschvorstellungen für ihr Leben und den harten Realitäten des Lebens in einer Großstadt bewegt. Aber wo Hoffnung ist, dort tun sich auch Wege auf. Dürfen wir optimistisch sein, dass aus dem Nirgendwann vielleicht doch ein Irgendwann und Irgendwo wird?
Bevor ich mich in die Erzählung stürze, möchte ich noch auf die auffällige Gestaltung des Buchumschlags hinweisen. Es handelt sich um eine Art buntes Kartonstadtmodell des Kölner Zentrums am Rhein, das ein wenig an naive Kunst erinnert. Sehr ansprechend, wirklich gut gemacht, das hebt sich von vielen der gewohnten, gewöhnlichen Buchcovern ab¹. Und wenn man sich einmal auf der Website des Verlags umsieht, wird man feststellen, dass auch die Gestaltung anderer Titel etwas Außergewöhnliches hat. Das muss wohl an der Leitung des Verlagsprojekts liegen. – Doch darüber später mehr. Jetzt: in medias res!
Good Home

Der Carl Hanser Verlag veröffentlichte im Jahr 2018 einen Kurzgeschichtenband des US-Autors T. C. Boyle, der zuvor nicht in dieser Zusammensetzung in den USA erschienen war. Wenn man allerdings genauer hinsieht, erkennt man, dass die einzelnen Erzählungen in Good Home aus verschiedenen früheren, englischsprachigen Sammelbänden übernommen und übersetzt wurden. Good Home wurde hierzulande ein Jahr nach dem Boyle-Roman Die Terranauten sowie ein Jahr vor Das Licht auf den Buchmarkt geworfen. Die zwanzig Geschichten der Sammlung entstanden in den Nullerjahren. Einmal mehr sind Boyles Protagonisten die Außenseiter, die Unglücklichen und Vernachlässigten der Gesellschaft, die nichts auf die Reihe kriegen. Die Figuren bewegen sich in einer Welt, in der menschliche Nähe brüchig geworden ist. Einsamkeit durchzieht ihre Existenz wie ein Grundton, während Solidarität in Momenten der Krise ausbleibt. Verantwortung wird abgegeben, Beziehungen verlieren sich in einem Geflecht aus Täuschung, Missverständnissen und unausgesprochenen Erwartungen.
Über die Kurzgeschichten
Zwanzig Erzählungen in einem Band, das ist eine Hausnummer, eine Herausforderung. Ich greife einmal diejenigen acht Geschichten heraus, die mich besonders beeindruckt haben. Darin geht es gleich zu Anfang um den Einfluss, den ein alkoholabhängiger Vater auf seine heranwachsende Tochter ausübt. Es geht um die Schlacht zwischen Kreationisten und Naturwissenschaftlern, um eine ungewöhnliche Geiselerpressung in Venezuela und um Brandstiftung in Kalifornien. Schließlich ereignet sich das Wunder der Musik in einem schäbigen Aufnahmestudio und wir kehren nach Big Timber zurück, wo sich diesmal ein Stalker herumtreibt. Wir folgen einer Familiensaga am Hudson River und wir begleiten gegen Ende hin in der titelgebenden Geschichte Good Home einen Kampfhundezüchter durch seine finsteren Stunden.

