Meine ganz persönlichen Lesempfehlungen
Auf der Su­che nach Lese­stoff? Hier fin­dest Du Buch­be­spre­chun­gen mit An­spruch aber oh­ne Al­lü­ren. Ich schrei­be meist über bel­le­tris­ti­sche Ti­tel; über sol­che, die mir ge­fal­len oder auch mal nicht ge­fal­len ha­ben; manch­mal Main­stream, manch­mal ab­seits der aus­ge­tre­te­nen Pfa­de. (Per­sön­li­che Emp­feh­lun­gen und ein paar Wor­te zu die­sem Pro­jekt gibt’s ganz un­ten auf die­ser Sei­te.)

Sind wir nicht Menschen

T. C. Boyle, Sind wir nicht Menschen, 2020
T. C. Boyle, 2020

Zwischen seinen beiden Romanen Das Licht und Sprich mit mir veröffentlichte T. C.Boyle den Erzählband Sind wir nicht Menschen. Der Klappentext spricht vom „Meister der American Short Story“ und verspricht: „Böser, witziger und unterhaltsamer denn je.“ Die Sammlung umfasst neunzehn Kurzgeschichten, von denen jede einzelne im Durchschnitt 21 Buchseiten umfasst. Kurze Texthäppchen, die man schon mal zwischendurch verschlingen und eine Weile darüber nachdenken kann, was uns der Autor da mit auf den Weg geben wollte. Denn Boyles Geschichten sind so gut wie nie lediglich schöner Tand, formale Noblessen. Der US-Schriftsteller hat eigentlich immer eine Moral von der Geschicht‘ zur Hand. Und dieser letzte Erzählband beschäftig sich und die Leserschaft mit der Natur, gegen die der Mensch letztlich machtlos ist. Wen wundert’s? Unser Planet, seine Flora und Fauna ist seit Jahren das zentrale Thema T. C. Boyles.

„Den Menschen lieb‘ ich sehr, mehr noch die Natur.“
(Literarisches Motto; von Lord Byron, Ritter Harolds Pilgerfahrt, 1812)

Die Geschichtensammlung ist in dieser Zusammenstellung übrigens nur auf Deutsch erschienen. Die englischen Originale wurden in verschiedenen Medien bereits zwischen den Jahren 2011 und 2017 veröffentlicht. Dieser Umstand erklärt auch, warum nur die neueren Erzählungen von Dirk van Gunsteren ins Deutsche übersetzt wurde, die älteren hingegen von Anette Grube.

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Fleischeslust

T. C. Boyle, Fleischeslust, 2001
T. C. Boyle, 1999

Ich staune ja über das sehr unterschiedliche Arbeitstempo erfolgreicher Schriftsteller. Da ist zum Beispiel Uwe Tellkamp, dieses One-Hit-Wonder der deutschen Literatur in den Nullerjahren. Der braucht zehn und mehr Jahre, um einen einzigen Roman zu veröffentlichen. Andere, wie etwa  T. C. Boyle, hauen über Dekaden hinweg regelmäßig alle zwei Jahre einen Roman raus. Diese werden alle trotz ihrer relativ kurzen Entstehungszeit keinewegs und niemals als Trivialliteratur abgekanzelt. Und zwischendurch veröffentlichen sie auch noch Bände mit Kurzgeschichten, in sich geschlossenen Erzählungen, die alle nur ein paar Seiten lang sind und vermutlich eine Art von Abfallprodukten aus literarischen Ansätzen für nicht romantaugliche Texte darstellen. Und dennoch veröffentlicht und erfolgreich vermarktet werden.

Der erste solcher boyleschen Erzählbände, den ich zu Lesen bekam, war Fleischeslust aus dem Jahr 1999. Das Bändchen mit schlanken 290 Textseiten wurde 1994 im englischen Original mit dem Titel Without a Hero zwischen den Romanen Willkommen in Wellville und América (dem dritten und vierten Roman des Schriftstellers) veröffentlicht.

Es handelt sich um eine Sammlung von 15 Kurzgeschichten, die sich mit grotesken Auswüchsen westlicher Gesellschaften befassen, insbesondere der US-ame­ri­ka­ni­schen. Ein gruseliges Kompendium zum Zustand der glorreichen Vereinigten Staaten von Amerika.

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Die Terranauten

T. C. Boyle, Die Terranauten, 2017
T. C. Boyle, 2017

Kann es eine künstliche Welt geben, in der man überleben kann? Einen hermetisch abgeschlossenen Raum, in dem sich Flora und Fauna – einschließlich einiger Menschen – aufhalten und weiterentwickeln können? Nichts rein, nichts raus, sobald die künstliche Welt einmal verschlossen wurde? Hört sich das nach Besiedelungsplan für autarke Raumschiffe, für Pionierstützpunkte auf fremden Planeten an? Oder mehr nach Dschungelcamp-Soap unter verschärften Bedingungen? – In seinem sechzehnten Roman, Die Terranauten, der im Original 2016 veröffentlicht wurde, schreibt T. C. Boyle über ein wissenschaftliches Experiment, in dem vier Frauen und vier Männer zwei Jahre lang in einer künstlich angelegten Welt unter einer Glaskuppel (über)leben sollen.

Die Romanidee, die sich absurd anhören mag, hat sich Boyle jedoch nicht selbst aus den Gehirnwindungen gewrungen. Bereits ein Vierteljahrhundert vor der Romanveröffentlichung hatte genau dieses Experiment tatsächlich stattgefunden. Gut vierzig Kilometer nördlich der Stadtgrenze von Tucson im US-Bundesstaat Arizona, in den Santa Catalina Mountains, ließ Ende der Achtzigerjahre der Milliardär Edward Bass einen riesigen Kuppelbau errichten.

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