Backflash Zufallsrezension: Jeden Sonntag eine neu & zufällig ausgewählte Buchbesprechung aus der Vergangenheit — Gute Bücher altern nicht!
Auf der Suche nach Lesestoff? Hier findest Du Buchbesprechungen mit Anspruch aber ohne Allüren. Ich schreibe meist über belletristische Titel; über solche, die mir gefallen oder auch mal nicht gefallen haben; manchmal Mainstream, manchmal abseits der ausgetretenen Pfade. (Persönliche Empfehlungen und ein paar Worte zu diesem Projekt gibt’s ganz unten auf dieser Seite.)

Vor dem Frost

Vor dem Frost
Henning Mankell, 2003

Wachablösung im schwedischen Ystadt: Linda, die Tochter von Kurt Ingvar Wald, setzt sich ans Steuer. Zwar ist es auch dieses Mal noch ihr Vater, der im Kriminalfall „vor dem Einsetzen des Frostes“ die Ermittlungen leitet, aber machen wir uns nichts vor: Eigentlich ist es die Tochter, die die Straftaten aufklärt. – Linda, übernehmen Sie!

Zunächst einmal muss dringend angemerkt werden, dass ich nicht an geistiger Umnachtung leide. Tatsächlich heißt der Kriminalkommissar, um den sich bisher das Gros der Romane von Autor Henning Mankell drehte, mit Nachnamen Wallander. Nicht etwa Wald. Wenn man allerdings die Hintergründe ausleuchtet, die zu Mankells ungeheuer erfolgreichen Krimiserie führten, so stellt man fest: Zum fiktiven Polizisten Kurt Wallander gibt es ein Vorbild in der Realität. Kurt Ingvar Wald ist wie Wallander Polizeibeamter in Ystad. Er ist geschieden, hat eine Tochter namens Linda und liebt die Oper. Außerdem klärte er um 1990 den realen Mordfall an dem Bauernehepaar auf, den Mankell im ersten Wallander, Mörder ohne Gesicht, wiedergab.

Vor dem Frost – Generationenwechsel

Nach neun Folgen mit Kurt Wallander soll also jetzt Schluss sein. Vor dem Frost berichtet von der Übergabe der Amtsgeschäfte vom Vater an die Tochter. Linda Wallander hat die Polizeischule absolviert und wartet auf ihren Dienstbeginn in Ystad. Sie wohnt übergangsweise zu Hause bei ihrem Vater. Vor diesem Hintergrund bleibt es nicht aus, dass sie auch ohne Mandat in die Ermittlungen einbezogen wird.
Als ein anonymer Anrufer der Polizei von brennenden Schwänen berichtet, begleitet sie Kurt ebenso an den Ort des Geschehens wie kurz darauf, als ihr Vater einem Bauern beisteht, dessen Jungstier mit Bezin übergossen und angezündet wurde. Außerdem findet Linda die Spur zum ersten menschlichen Opfer der Mörder.

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Die Rückkehr des Tanzlehrers

Die Rückkehr des Tanzlehrers
Henning Mankell, 2002

Als Henning Mankell im Jahr 1991 seinen ersten Kriminalroman unter dem Titel Mördare utan ansikte veröffentlichte, kannte den Autoren kaum jemand. Dies verwundert: Er ist nämlich mit der Theaterregisseurin Eva Bergman, Tochter des Filmregisseurs Ingmar Bergman, verheiratet und leitet in Mozabique eines der renommiertesten Theater Afrikas, das Teatro Avenida in Maputo. Zehn Jahre danach gehört Mankell zu den meist gelesenen Krimiautoren der Welt. Sein Debütroman wurde noch im Erscheinungsjahr zweifach als bester schwedischer Krimi ausgezeichnet und erschien 1999 als Mörder ohne Gesicht in deutscher Übersetzung. Für Die Rückkehr des Tanzlehrers erhielt Henning Mankell in diesem Jahr den Deutschen Bücherpreis in der Kategorie Publikumspreis.

Die Rückkehr des Tanzlehrers – Hintergrund

Interessant an dieser Erfolgsgeschichte ist der Hintergrund ihrer Entstehung. Autor Mankell besitzt in der Nähe der südschwedischen Kleinstadt Ystad ein Sommerhaus, in dem er regelmäßig Urlaube verbringt. Ein realer, brutaler Überfall auf ein Bauernehepaar ließ in der Region Schonen eine Welle von Ausländerfeindlichkeit aufwallen.

Kurzerhand erfand Mankell die Figur des Kurt Wallander, den er in Mörder ohne Gesicht den Fall lösen ließ. Der Erfolg des Buches ließ dem Schriftsteller danach wohl kaum eine Wahl: Im Jahresrhythmus entstanden immer neue Thriller um Kommissar Wallander, insgesamt bislang neun Bände.
Mit dem Nachtrag Wallanders erster Fall schloss Mankell die Serie um den Kultpolizisten im Jahr 1999 ab. Ein Jahr danach präsentierte er in seinem Titel Die Rückkehr des Tanzlehrers einen Nachfolger: Stefan Lindman, seines Zeichens Polizeikommissar in Borås.

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Rabbit, eine Rückkehr

Die Rückkehr
John Updike, 2002

John Updike, einer der meistgelesenen amerikanischen Autoren des zwanzigsten Jahrhunderts, wurde durch seine Fortsetzungsromane über Harry „Rabbit“ Angstrom weltweit bekannt. In vier Bänden begleitet er seinen Protagonisten über vierzig Jahre hinweg durch dessen Leben, beginnend in der Jugend und abschließend mit seinem Tod. Der dritte und vierte Band der Romanfolgen wurden jeweils mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnet. Zehn Jahre nach Harrys Tod, schiebt Updike eine abschließende fünfte Folge mit dem Titel Rabbit eine Rückkehr nach. Darin nimmt er einige lose Enden auf, schließt den Reigen und schafft einen letztlich versöhnlichen Abschluss.

Bisher habe ich hier noch keinen der Rabbit-Romane besprochen. Daher beginne ich diese Rezension mit einem knappen Überblick zu den Bänden eins bis vier.

Rabbit, eine Rückkehr – Vorgeschichte

In seiner Tetralogie über den typischen Jedermann Harry Angstrom, genannt Rabbit, skizzierte John Updike im Zehn-Jahres-Rhythmus ein sarkastisches Bild der amerikanischen Mittelschicht. Rabbit ist nämlich unfähig, dauerhafte Bindungen einzugehen oder wahrhaftige zwischenmenschliche Kommunikation aufrecht zu erhalten. Er leidet unter dem Verlust seiner Ideale und sucht den Sinn des Lebens in zielloser, konsumorientierter Sexualität.
An der Entwicklung des Protagonisten spiegeln sich die Alltagsbeobachtungen des Autors wider. Dabei beobachtet er den Verfall amerikanischer Wertvorstellungen und der christlichen Tradition.

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