Flashback Zufallsrezension: Jeden Sonntag eine neu & zufällig ausgewählte Buchbesprechung aus der Vergangenheit — Gute Bücher altern nicht!
Auf der Su­che nach Lese­stoff? ❤ Hier fin­dest Du Buch­be­spre­chun­gen mit An­spruch aber oh­ne Al­lü­ren. Ich schrei­be meist über bel­le­tris­ti­sche Ti­tel; über sol­che, die mir ge­fal­len oder auch mal nicht ge­fal­len ha­ben; manch­mal Main­stream, manch­mal ab­seits der aus­ge­tre­te­nen Pfa­de. (Per­sön­li­che Emp­feh­lun­gen und ein paar Wor­te zu die­sem Pro­jekt gibt’s ganz un­ten auf die­ser Sei­te.)

Das Spiel des Engels

Carlos Ruiz Zafón, Das Spiel des Engels, 2008
Carlos Ruiz Zafón, 2008

Mit Das Spiel des Engels prä­sen­tiert der spa­ni­sche Autor Car­los Ruiz Za­fón den zwei­ten Teil sei­nes Zy­klus um den sa­gen­um­wo­be­nen „Fried­hof der Ver­ges­se­nen Bü­cher“, einer ge­spens­ti­schen Bi­blio­thek Aber­tau­sen­der oder Mil­lio­nen von Schrif­ten, die tief im Her­zen der Alt­stadt Bar­ce­lo­nas ver­wahrt wer­den. Das En­gels­spiel knüpft allein schon durch sei­ne Schau­plät­ze an Za­fóns Best­sel­ler Der Schat­ten des Win­des an, der sie­ben Ja­hre zu­vor das Le­se­pub­li­kum ver­zau­ber­te. Doch wäh­rend der Vor­gän­ger die Ver­zü­ckun­gen des Le­sens fei­er­te, spürt der Fol­ge­band nun den Qua­len der Schrift­stel­ler nach.

Bei genau­erem Hin­se­hen ist bald zu er­ken­nen, dass der zwei­te Band eine Art li­te­ra­ri­sches Pre­quel zum ers­ten dar­stellt. Die Ge­schich­te setzt im Jahr 1917 ein, also knapp drei­ßig Jah­re vor dem Schat­ten des Win­des. Sie en­det schließ­lich in der Zeit der Ge­burt von Da­niel Sem­pe­re, der Haupt­fi­gur der Wind­schat­ten­er­zäh­lung. Tat­säch­lich ist der Pro­ta­go­nist des En­gels­spiels, ein ge­wis­ser Da­vid Mar­tín, nicht nur Al­ters­ge­nos­se von Da­niels Va­ter son­dern so­gar des­sen Freund und Ehe­stif­ter.

David wächst unter pre­kä­ren Ver­hält­nis­sen auf. Die Mut­ter hat die junge Fami­lie früh ver­las­sen, sein Vater ist Kriegs­vete­ran, Anal­pha­bet und Alko­holi­ker. Die Kind­heit des Jun­gen ist eine Abfolge von Schre­cken, aber immer­hin setzt er sich gegen den jäh­zor­ni­gen Vater durch, der ihm das Lesen von Büchern ver­bie­ten will. David bewahrt sich die Liebe zur Lite­ra­tur nicht zuletzt dank der Unter­stüt­zung durch Daniel Sem­pe­res Groß­va­ter, der damals Inha­ber der Buch­hand­lung im Santa-Ana-Vier­tel war, die im Schat­ten des Win­des im Zen­trum der Hand­lung stand.

→ weiterlesen

Caesarenblut

Claudia Magerl, Caesarenblut, 2015
Claudia Magerl, 2015

Mit Caesarenblut ha­be ich nun den vier­ten his­to­ri­schen Ro­man der Auto­rin Clau­dia Ma­gerl ge­le­sen. Wie in den drei an­de­ren Bän­den er­zählt sie auch in die­ser Ver­öf­fent­li­chung die Ge­schich­te einer his­to­risch ver­bürg­ten Fi­gur aus der zwei­ten Rei­he des Macht­ge­fü­ges im da­ma­li­gen rö­mi­schen Kai­ser­reich. Ihr Pro­ta­go­nist ist dies­mal Ga­ius Cas­sius Chaerea. Die­ser Chaerea, so nennt Ma­gerl ih­ren Hel­den meist kurz, ist Sohn eines Rit­ter­ge­schlechts, der es bis zum Rang des Tri­buns der kai­ser­li­chen Prä­to­ria­ner­gar­de un­ter dem zwei­ten rö­mi­schen Kai­ser Ti­be­rius brach­te. Als Gar­de­sol­dat war Chaerea al­ler­dings nie­mals der per­sön­li­che Ver­trau­te des Kai­sers. In­so­fern bricht die Auto­rin in der Kon­stel­la­tion des Per­so­nals in ge­wis­ser Wei­se aus dem Sche­ma ih­rer an­de­ren drei Ro­ma­ne aus.

Chro­no­lo­gisch reiht sich Caesarenblut als drit­te Er­zäh­lung naht­los in die Rei­he der an­de­ren Ro­man­bän­de der Auto­rin ein: Bru­der­schwur und Feu­er­tod, die Bän­de 1 und 2, haben Mar­cus Vip­sa­nius Agrip­pa zur Haupt­fi­gur, den Freund und Ver­trau­ten von Ga­ius Oc­ta­vius, dem spä­te­ren Kai­ser Augus­tus (31 v.Chr. bis 14 n.Chr.).
Die hier be­spro­che­ne Ge­schich­te um Ga­ius Cas­sius Chaerea deckt nun die Re­gie­rungs­zei­ten der bei­den Nach­fol­ger des Augus­tus ab; die der Cae­sa­ren Ti­be­rius (14 bis 37) und Ca­li­gu­la (37 bis 41). Sie en­det mit dem Amts­an­tritt von Kai­ser Clau­dius.
Die vier­te Fol­ge schließ­lich, Der Tem­pel des Cas­tor, setzt ein mit der Re­gie­rungs­zeit des Clau­dius und hat die ers­te Le­bens­hälf­te des Mar­cus Sal­vius Otho zum In­halt, des en­gen Freun­des von Kai­ser Ne­ro (54 bis 68).

Die vier Ro­ma­ne Clau­dia Ma­gerls de­cken die ju­lisch-clau­di­sche Dy­nas­tie der rö­mi­schen Cae­sa­ren­zeit ab, al­so knapp die rund hundert Jah­re zwi­schen 30 v. Chr. und 70 nach Christi Geburt.

→ weiterlesen

Achtsam morden am Rande der Welt

Karsten Dusse, Achtsam morden am Rande der Welt
Karsten Dusse, 2021

Der Boss der Acht­sam­keit kehrt er­neut zu­rück. Kars­ten Dus­se prä­sen­tiert uns den drit­ten Teil sei­ner Ge­schich­te um Björn Die­mel, den Rechts­an­walt, der durch An­wen­dung buddhis­ti­scher Prin­zi­pi­en der selbst­be­stimm­ten Le­bens­füh­rung zum mehr­fa­chen Mör­der und Chef eines Ver­bre­cher­syn­di­kats wur­de. Achtsam morden am Rande der Welt schließt naht­los an die bei­den Vor­gän­ger­ge­schich­ten an: Acht­sam mor­den und Das Kind in mir will acht­sam mor­den. Dies­mal wid­met sich Dus­se der Me­tho­de des Pil­gerns zur Selbst­fin­dung. Es war zu er­war­ten, dass auch Teil drei der Ge­schich­te wie­der in den Best­sel­ler­lis­ten des Buch­han­dels lan­den wür­de.

Im Gro­ßen und Gan­zen bleibt der Autor auch im drit­ten Teil sei­ner Acht­sam­keits­se­rie dem Kon­zept der bei­den Vor­gän­ger treu. Denn na­tür­lich ist auch dies­mal die Figur des Psy­cho­gu­­rus Josch­ka Breit­ner¹ mit von der Par­tie, der wie gewohnt für den spi­ri­tu­el­len Un­ter­bau des Ro­mans ver­ant­wort­lich ist und mit sei­nen Sinn­sprü­chen die ein­zel­nen Kapi­tel ein­lei­tet. Da­zu ge­sel­len sich er­neut die tro­cke­nen, aus der Hüf­te ge­schos­se­nen Wort­wit­ze des Autors sowie ein paar scharf ge­rit­te­ne At­ta­cken auf ge­sell­schaft­li­che Phä­no­me­ne, die Dus­se ein Dorn im Auge sind.

→ weiterlesen

Cookie-Hinweis