Flashback Zufallsrezension: Jeden Sonntag eine neu & zufällig ausgewählte Buchbesprechung aus der Vergangenheit — Gute Bücher altern nicht!
Auf der Su­che nach Lese­stoff? ❤ Hier fin­dest Du Buch­be­spre­chun­gen mit An­spruch aber oh­ne Al­lü­ren. Ich schrei­be meist über bel­le­tris­ti­sche Ti­tel; über sol­che, die mir ge­fal­len oder auch mal nicht ge­fal­len ha­ben; manch­mal Main­stream, manch­mal ab­seits der aus­ge­tre­te­nen Pfa­de. (Per­sön­li­che Emp­feh­lun­gen und ein paar Wor­te zu die­sem Pro­jekt gibt’s ganz un­ten auf die­ser Sei­te.)

Ankündigung: Der Engel von München

Historischer Roman über Geli Raubal, Hitlers NichteDer italienische Schriftsteller Fabiano Massimi hat im Januar 2020 einen historischen Roman mit dem Titel L’angelo di Monaco veröffentlicht, der südlich der Alpen sofort die Bestsellerlisten stürmte. Eine spanische Übersetzung mit dem Titel El ángel de Múnich erschien Anfang Juli. Sie wurde ebenso begeistert aufgenommen wie das Original in Italien. Meine Anfrage an verschiedene Verlage allerdings, ob denn ein deutscher „Engel von München“ geplant sei, wurde lediglich vom Knaur Verlag überhaupt beantwortet: Nein, da sei nichts in Planung. Hat die Zurückhaltung der Deutschen vielleicht damit zu tun, dass der Roman auf dem Leben von Adolf Hitlers Nichte Geli Raubal aufbaut? Ist das ein Thema, mit dem wir hier lieber nichts zu tun haben wollen?

In deutschen Online-Portalen konnte ich inzwischen zumindest die spanische Romanversion finden, die man für den 20. Oktober 2020 vorbestellen kann. Das italienische Original konnte ich hierzulande bisher gar nicht finden. – Da das alles sehr unbefriedigend ist, besorge ich mir jetzt El ángel de Múnich direkt in Spanien.

Ich rechne damit, bis Ende des Monats eine Buchbesprechung hier veröffentlichen zu können;
[Nachtrag, 31.07.2020:] Heute habe ich die angekündigte Buchbesprechung veröffentlicht; für all diejenigen nämlich, die wissen wollen, was unsere europäischen Nachbarn so sehr fasziniert, dass sie die Erstauflagen längst aufgekauft haben.

Fabiano Massimi, El ángel de Múnich
Alfaguara Verlag, 2020

Worum geht es im Engel von München?

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Georg-Büchner-Preis 2020

Elke Erb, ausgezeichnet mit dem Georg-Büchner-Preis 2020
Elke Erb, 2020

Die Schriftstellerin und Übersetzerin Elke Erb (82) erhält in diesem Jahr den Georg-Büchner-Preis, den wichtigsten deutschen Literaturpreis. Die Jury würdigt damit Erbs „unverwechselbares und eigenständiges schriftstellerisches Lebenswerk, dessen Anfänge 1975 in der DDR lagen und das sich nach deren Ende unbeirrt bis in die Gegenwart fortsetzt“. Es gelinge ihr, „Freiheit und Wendigkeit der Gedanken in der Sprache zu verwirklichen, indem sie sie herausfordert, auslockert, präzisiert, ja korrigiert“.

Herzlichen Glückwunsch, Frau Erb!

Die Preisträgerin ist seit der erstmaligen Verleihung des Georg-Büchner-Preises im Jahr 1951 die elfte Frau, die ausgezeichnet wurde. Für diejenigen, die mit Frau Erb und ihrem Werk nicht vertraut sind: Sehr viel Wissenswertes über die „Poetin mit dem gniggernden Lachen“ kann man bei der TAZ nachlesen.

Elke Erb blickt auf eine lange Liste von Veröffentlichungen zurück: Fast dreißig Titel seit 1975. Im Jahr 2019 veröffentlichte die Poetin ihr bislang letztes Werk, ein Gedichtband mit dem Titel Gedichtverdacht:

Das leuchtet ein
Der kluge Blick (auf etwas hinunter – textwärts)
und der gütige – sie sind zum Verwechseln ähnlich.
Leuchtet ein!
~ datiert 20.6.14, Gedichtverdacht, Seite 38 ~

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NSA

NSA - Nationales Sicherheits-Amt, Andreas Eschbach, 2018
Andreas Eschbach, 2018

Mit NSA – Nationales Sicherheits-Amt prä­sen­tiert uns An­dre­as Esch­bach eine ver­blüf­fen­de Um­ge­stal­tung der Mensch­heits­ge­schich­te in der Post­mo­der­ne: Was wä­re wohl pas­siert, hät­te die na­tio­nal­so­zia­lis­ti­sche Dik­ta­tur be­reits im ver­gan­ge­nen Jahr­hun­dert über mo­der­ne EDV-In­fra­struk­tur ver­fügt? – Rei­ne Fik­tion? Nun, so weit her ge­holt ist die­se Ge­schichts­um­schrei­bung gar nicht.

Um die Trag­wei­te des ak­tuel­len Ro­mans von An­dre­as Esch­bach er­fas­sen zu kön­nen, müs­sen wir fast zwei­hun­dert Ja­hre in der Ent­wick­lungs­ge­schich­te der Mensch­heit zu­rück­rei­sen. Be­reits im Vor­wort sei­nes Ro­mans NSA schreibt Esch­bach:

Seit es Lord Char­les Bab­ba­ge im Ja­hre 1851 ge­lun­gen ist, sei­ne – da­mals noch mit Dampf und Loch­kar­ten be­trie­ben – „Ana­ly­ti­sche Ma­schi­ne“ fer­tig­zu­stel­len, hat die ma­schi­nel­le Ver­ar­bei­tung von In­for­ma­tio­nen ra­sche Fort­schrit­te ge­macht.“

NSA – Historischer Hintergrund

Die­ser aller­erste Roman­satz hat es wahr­lich in sich. Denn der eng­li­sche Mathe­mati­ker und Erfin­der Bab­bage hatte tat­säch­lich bereits im Jahr 1837 den Ent­wurf eines Vor­läu­fers moder­ner Com­pu­ter ver­öffent­licht. Es ist mitt­ler­weile all­ge­mein aner­kannt, dass sein Ent­wurf kor­rekt war. Seine „Ana­lyti­cal Engine“ hätte funk­tio­niert. Das bekom­men Infor­matik­stu­den­ten auch heute noch in ihren Erst­semes­tern erzählt.

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