Backflash Zufallsrezension: Jeden Sonntag eine neu & zufällig ausgewählte Buchbesprechung aus der Vergangenheit — Gute Bücher altern nicht!
Auf der Su­che nach Lese­stoff? Hier fin­dest Du Buch­be­spre­chun­gen mit An­spruch aber oh­ne Al­lü­ren. Ich schrei­be meist über bel­le­tris­ti­sche Ti­tel; über sol­che, die mir ge­fal­len oder auch mal nicht ge­fal­len ha­ben; manch­mal Main­stream, manch­mal ab­seits der aus­ge­tre­te­nen Pfa­de. (Per­sön­li­che Emp­feh­lun­gen und ein paar Wor­te zu die­sem Pro­jekt gibt’s ganz un­ten auf die­ser Sei­te.)

Nur die Liebe bleibt

Nur die Liebe bleibt
Stefanie Zweig, 2006

Der Erfolg ihres Romandebuts Irgendwo in Afrika hat die Autorin Stefanie Zweig beflügelt. Die autobiografische Geschichte um die jüdische Familie Redlich, die sich der Verfolgung durch die Nationalsozialisten im deutschen Oberschlesien durch Auswandern nach Kenia im Jahr 1938 entzog, wurde verfilmt und 2003 sogar mit dem Osacar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet. Nach diesem Erfolg hatte die Autorin mit Irgendwo in Deutschland und Owuors Heimkehr bereits zwei Romane zum gleichen Thema nachgelegt. Nur die Liebe bleibt ist nun ihr dritter Folgeroman zur eigenen Lebensgeschichte.

Darin konzentriert sich Stefanie Zweig auf die Umstände und den Ablauf der Flucht. Familienvater Walter Redlich tritt diese mit einer Fahrt nach Genua und einer anschließenden Schiffsreise nach Kenia an. Seine Frau Jettel und die Tochter Regina – das Alter Ego von Frau Zweig – folgen ihm später über Hamburg und Mombasa. Der Aufenthalt in Afrika selbst spielt in diesem Roman eine untergeordnete Rolle. Die Geschichte endet schließlich mit dem Beginn der Rückreise nach Deutschland im Jahr 1947.

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Wo kein Zeuge ist

Wo kein Zeuge ist
Elizabeth George, 2006

Jack The Rip­per schlitzt im drit­ten Jahr­tau­send kei­ne leich­ten Lon­do­ner Mäd­chen auf, son­dern männ­li­che Ju­gend­li­che. Eine Mord­se­rie an Zwölf­jäh­ri­gen gibt den Rah­men ab für die drei­zehn­te und jüngs­te Fol­ge der Kri­mi­nal­ro­ma­ne um die Scot­land-Yard-Er­mit­tler Lyn­ley und Ha­vers. Der Ro­man Wo kein Zeuge ist der US-Ame­ri­ka­ne­rin Eli­za­beth Geor­ge hat buch­stäb­lich al­les: Eine rät­sel­haf­te Mord­se­rie, die eine Her­aus­for­de­rung an In­tel­li­genz und Bauch­ge­fühl der Er­mitt­ler dar­stellt. Zwi­schen­mensch­li­ches, das mit der Mör­der­su­che zwar nichts zu tun hat, aber die Beam­ten zu Iden­ti­fi­ka­tions­fi­gu­ren wer­den lässt. So­zia­len Spreng­stoff durch die In­te­gra­tion von Reiz­the­men wie Ras­sen­pro­ble­ma­tik und Pä­do­phi­lie. Per­sön­li­che Stel­lung­nah­men zu ak­tu­el­len Streit­punk­ten wie „ein­ge­bet­te­tem“ Jour­na­lis­mus oder In­te­gra­tions­pro­jek­ten für so­zial ge­fähr­de­te Ju­gend­li­che. – Ein Pot­pour­ri an Cha­rak­te­ren, Sze­nen und Rand­be­rich­ten, das die Ein­schrän­kung auf das Gen­re „Kri­mi“ fast nicht mehr gel­ten lässt!

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Die Siechenmagd

Die Siechenmagd
Ursula Neeb, 2006

Frankfurt am Main im aus­gehen­den Mittel­alter: In der Stände­gesell­schaft der freien Reichs­stadt lebt die Fami­lie Dunckel. Die Dunckels befin­den sich auf der unter­sten Stu­fe des sozia­len Gefü­ges. Der „Schund­mummel“ Eduard Dunckel ver­rich­tet als Schin­der, Abdecker, Kloa­ken­reini­ger und Hunds­häuter die „unehr­lichen“ Auf­gaben für die Stadt. Seine Frau Anna steht als Magd in den Dien­sten eines begü­ter­ten Aus­sätzi­gen auf dem benach­bar­ten Gut­leut­hof. Die fünf­zehn­jährige Toch­ter Maria, von allen nur „die Mäu“ genannt, beginnt auf Ver­mitt­lung der Mut­ter eben­falls als Siechenmagd für einen der begü­ter­ten Lepra­kran­ken zu arbei­ten. Doch dem jun­gen Mäd­chen graut es vor der gefähr­lichen Arbeit beim aus­sät­zigen ehe­mali­gen Kauf­mann Ulrich Neu­haus. Als ihr Herr sie kör­per­lich zu nöti­gen beginnt, kommt es zum Eklat. Die Mäu flieht vor dem Ge­setz und ver­sucht, sich in Rich­tung Prag durch­zu­schla­gen, um irgendwo ein neues, besse­res Leben zu begin­nen.

Die Siechenmagd – Worum geht es?

Die Autorin Ursula Neeb ist aus­gebil­dete Kultur­histo­rike­rin und lebt in der Taunus­gemeinde Schmit­ten nörd­lich des heuti­gen Frank­furts. Nach einem kultur­geschicht­lichen Buch über die Frank­furter Wasser­häuschen ist Die Siechen­magd ihr zwei­tes Werk. Darin zeich­net sie an­hand der Erleb­nisse der jun­gen Maria Dunckel ein beklem­mendes Por­trait des gesell­schaft­lichen Gefü­ges in der Groß­stadt am Main.

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