
Oder: Harry Potter, Teil 8? – Der neue Roman von Joanne Rowling wird von den Rezensenten der Literaturszene recht einhellig als missglückter Versuch eines Genrewechsels, als nice try belächelt. Mich wundert, dass bislang niemand die Parallelen zwischen der Potterserie und Ein plötzlicher Todesfall beleuchtet hat. Dabei liegen doch eben diese Parallelen so nahe. Hat nicht die Autorin einfach das Grundrezept der Pottergeschichte in die Realität übertragen?
Die Handlung der Geschichte ist schnell umrissen: In einer kleinen aber feinen südenglischen Gemeinde verstirbt ein Gemeinderat, der sich vehement für ein Unterschichtenviertel und eine Drogenklinik eingesetzt hatte. In der Folge entbrennt ein Machtkampf zwischen dessen lokalpolitischen Erben und den streng konservativen Kräften im Rat, die die Sozialbrennpunkte loswerden wollen. Dieser Machtkampf wird unerwartet beeinflusst von den jugendlichen Kindern der erwachsenen Akteure.
Natürlich fragt sich die Leserschaft – zunächst einmal zu Recht -, was dieser Plot mit Harry Potter zu tun haben soll. Zur Beantwortung dieser Frage stelle ich einen Interpretationsansatz in den Raum: Joanne K. Rowling hat das gesamte Szenario der Bände eins bis sieben samt Personal aus der Zaubererwelt herausgerissen und in den Kontext der aktuellen realen Welt gestellt. Und dort zieht sie die einst reizvolle magische Geschichte ins Grobe, ins Vulgäre. Wie es wohl gewesen wäre, wenn alle Figuren der Potterromane nur ihre hässlichsten Seiten gezeigt hätten?



