Backflash Zufallsrezension: Jeden Sonntag eine neu & zufällig ausgewählte Buchbesprechung aus der Vergangenheit — Gute Bücher altern nicht!
Auf der Su­che nach Lese­stoff? Hier fin­dest Du Buch­be­spre­chun­gen mit An­spruch aber oh­ne Al­lü­ren. Ich schrei­be meist über bel­le­tris­ti­sche Ti­tel; über sol­che, die mir ge­fal­len oder auch mal nicht ge­fal­len ha­ben; manch­mal Main­stream, manch­mal ab­seits der aus­ge­tre­te­nen Pfa­de. (Per­sön­li­che Emp­feh­lun­gen und ein paar Wor­te zu die­sem Pro­jekt gibt’s ganz un­ten auf die­ser Sei­te.)

Nur wenn du mir vertraust

Nur wenn Du mir vertraust
Deborah Crombie, 2004

Sommerzeit, Krimizeit: Nur wenn du mir vertraust, ein Serienroman um das Ermittlerpaar Gemma James und Duncan Kincaid von Scotland Yard, geschrieben von der US-Amerikanerin Deborah Crombie. Noch vor dem Aufschlagen des Paperbacks werden Erinnerungen wach an das furchtbare Machwerk von Elizabeth George, das ich Ende letzten Jahres verrissen hatte. Schon wieder eine Amerikanerin, die über Kriminalfälle auf der europäischen Insel schreibt? – Doch Frau Crombie entpuppte sich schließlich als erfreuliches Gegenbeispiel. Trotz des unsäglichen Romantitels erwies sich Nur wenn du mir vertraust als relativer Glücksgriff in die Krimikiste.

Das Grundrezept, nach dem sowohl Crombie, als auch George ihre Romane anlegten, ist zwar das gleiche. Aber wo die George ins Seichte abgleitet, bleibt Deborah Crombie auf dem Pfad der schriftstellerischen Tugend.

Nur wenn du mir vertraust – Erfolgsrezept

Ihre Recherchearbeit erweist sich als erfreulich fundiert. Die Schreibe ist flüssig, ohne allzusehr ins Triviale abzugleiten. Auch ihre kriminalistischen Schlussfolgerungen bleiben ohne Fehl und Tadel. Die Handlung ist fast durchgehend spannend. Sie wartet zuletzt mit einer schlüssigen, wenn auch nicht unbedingt völlig überraschenden Aufklärung des zu Grunde liegenden Mordfalls auf.

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Dr. Sex

Dr. Sex
T. C. Boyle, 2007

Bereits vor zwei Jahren erschien die deutsche Übersetzung von Thomas Coraghessan Boyles Roman über den Vorreiter der sexuellen Revolution, über Prof. Dr. Alfred C. Kinsey, den seine Mitarbeiter an der University of Indiana schlicht Prok und der Rest der Bevölkerung von Bloomington Dr. Sex nannten. Im April 2007 erschien die Taschenbuchausgabe des Romans, über den ich nun ein paar Worte niederschreiben möchte. Wie bereits in früheren Romanen greift Boyle historische Sachverhalte auf und spinnt rund um die biografischen Aussagen eine persönliche Geschichte, die bekannte Details relativiert und in neuen Blickwinkeln erscheinen lassen.

Nach der Lektüre der Hippiesaga Drop City hatte ich bereits angekündigt, dass jener Roman zwar mein erster, aber nicht mein letzter Boyle gewesen sein sollte. Und wie bereits vor einem Jahr Drop City schlug mich nun auch Dr. Sex in seinen Bann. Die Kinsey-Geschichte erzählt T. C. Boyle aus der Sicht des fiktiven Studenten John Milk. Dieser junge Mann gehört im Roman zu den ersten Hörern des Sexualforschers und wird zu dessen erstem Projektmitarbeiter. Milk begleitet den Wissenschaftler von den Anfängen der Forschungen bis zu Kinseys Lebensende.

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Easter Parade

Easter Parade
Richard Yates, 2007

Der US-amerikanische Autor Ri­chard Ya­tes wur­de 1926 ge­bo­ren und starb im Jahr 1992. Post­hum legt die Deut­sche Ver­lags-An­stalt eini­ge sei­ner Wer­ke in neu­er Über­set­zung er­neut auf – mit sehr gu­tem Grund!
Easter Parade ist die jüngs­te die­ser Neu­auf­la­gen. Ein kraft­vol­ler Ro­man, der zu Zei­ten von Ya­tes eige­ner Le­bens­span­ne spielt und die his­to­ri­schen Hin­ter­grün­de sei­nes Da­seins wi­der­spie­gelt. Der Autor er­zählt die Ge­schich­te zwei­er Schwes­tern, die ihr Le­ben nach Außen hin an­nä­hernd per­fekt zu meis­tern schei­nen. Im Lau­fe der Hand­lung wird je­doch deut­lich, dass längst nicht al­les Gold ist, was glänzt.

Sarah Gri­mes, die äl­te­re der bei­den Schwes­tern ver­hei­ra­tet sich stan­des­ge­mäß und zieht Kin­der groß. Die jün­ge­re Emi­ly bleibt un­ver­hei­ra­tet und macht Kar­ri­ere in der Wer­be­bran­che. Dem ers­ten Ein­druck nach ver­wirk­li­chen die zwei Schwes­tern ih­re Le­bens­plä­ne ganz nach ih­ren je­wei­li­gen Vor­stel­lun­gen. Da­rü­ber hin­aus er­fül­len sie auch noch die Wunsch­vor­stel­lun­gen ih­rer an Stan­des­dün­kel lei­den­den Mut­ter.
Doch die so un­ter­schied­li­chen Kar­rie­ren er­wei­sen sich beide als Sack­gas­sen: Sa­rahs Ehe­le­ben ver­läuft un­ter der Ober­flä­che ka­tas­tro­phal. Emi­ly be­zahlt ih­re Un­ab­hän­gig­keit mit dem Preis der Ein­sam­keit. Bei­de Schwes­tern su­chen schließ­lich Trost im Al­ko­hol.

Ob­wohl die Ro­man­hand­lung ein paar Jahr­zehn­te in der Ver­gan­gen­heit liegt, hat sie bis heu­te nichts an Ak­tu­ali­tät ein­ge­büßt. Ya­tes schil­dert zwei be­klem­men­de Frau­en­schick­sa­le in be­ein­dru­cken­den, kla­ren Bil­dern. Da­rü­ber hin­aus weist sei­ne Ge­schich­te deut­lich auto­bio­gra­fi­sche Zü­ge auf.

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