Easter Parade

Easter Parade
Richard Yates, 2007

Der US-amerikanische Autor Ri­chard Ya­tes wur­de 1926 ge­bo­ren und starb im Jahr 1992. Post­hum legt die Deut­sche Ver­lags-An­stalt eini­ge sei­ner Wer­ke in neu­er Über­set­zung er­neut auf – mit sehr gu­tem Grund!
Easter Parade ist die jüngs­te die­ser Neu­auf­la­gen. Ein kraft­vol­ler Ro­man, der zu Zei­ten von Ya­tes eige­ner Le­bens­span­ne spielt und die his­to­ri­schen Hin­ter­grün­de sei­nes Da­seins wi­der­spie­gelt. Der Autor er­zählt die Ge­schich­te zwei­er Schwes­tern, die ihr Le­ben nach Außen hin an­nä­hernd per­fekt zu meis­tern schei­nen. Im Lau­fe der Hand­lung wird je­doch deut­lich, dass längst nicht al­les Gold ist, was glänzt.

Sarah Gri­mes, die äl­te­re der bei­den Schwes­tern ver­hei­ra­tet sich stan­des­ge­mäß und zieht Kin­der groß. Die jün­ge­re Emi­ly bleibt un­ver­hei­ra­tet und macht Kar­ri­ere in der Wer­be­bran­che. Dem ers­ten Ein­druck nach ver­wirk­li­chen die zwei Schwes­tern ih­re Le­bens­plä­ne ganz nach ih­ren je­wei­li­gen Vor­stel­lun­gen. Da­rü­ber hin­aus er­fül­len sie auch noch die Wunsch­vor­stel­lun­gen ih­rer an Stan­des­dün­kel lei­den­den Mut­ter.
Doch die so un­ter­schied­li­chen Kar­rie­ren er­wei­sen sich beide als Sack­gas­sen: Sa­rahs Ehe­le­ben ver­läuft un­ter der Ober­flä­che ka­tas­tro­phal. Emi­ly be­zahlt ih­re Un­ab­hän­gig­keit mit dem Preis der Ein­sam­keit. Bei­de Schwes­tern su­chen schließ­lich Trost im Al­ko­hol.

Ob­wohl die Ro­man­hand­lung ein paar Jahr­zehn­te in der Ver­gan­gen­heit liegt, hat sie bis heu­te nichts an Ak­tu­ali­tät ein­ge­büßt. Ya­tes schil­dert zwei be­klem­men­de Frau­en­schick­sa­le in be­ein­dru­cken­den, kla­ren Bil­dern. Da­rü­ber hin­aus weist sei­ne Ge­schich­te deut­lich auto­bio­gra­fi­sche Zü­ge auf.

Easter Parade – Hintergrund & Parallelen

Von Beginn an lässt Richard Yates seine Leser nicht im Zwei­fel über die Paral­le­len zwi­schen den Grimes-Schwes­tern und sei­nem eige­nen Schick­sal. Sowohl die bei­den Frauen, als auch er selbst und seine Schwes­ter Ruth wach­sen vor dem Hin­ter­grund geschie­de­ner Eltern­ehen bei ihren Müt­tern auf. Aus der Mut­ter „Poo­kie“ in Yates eige­nem Leben wird im Roman „Doo­kie“. Beide Rest­fami­lien leben ein Noma­den­le­ben, zie­hen stän­dig um. Sowohl Yates selbst, als auch seine Roman­fi­gur Emily ver­brin­gen einige Jahre in den Metro­po­len Euro­pas. Sowohl der Autor, als auch seine Pro­tago­nis­ten zwei­feln an der eige­nen Exis­tenz, den eige­nen Fähig­kei­ten und wer­den zu Alko­holi­kern.

Richard Yates schreibt mit zuneh­men­der Erzähl­dauer immer unver­hoh­le­ner aus der Sicht der jün­ge­ren Schwes­ter Emily. Im Laufe der Ge­schich­te wird schließ­lich klar, dass er in der Figur der Emily sein eige­nes Leben wie­der­gibt.

Zwi­schen­zeit­lich jedoch ver­tieft er seine ver­zei­fel­ten Erfah­run­gen als Schrift­stel­ler in der Per­son des fik­ti­ven Autors Jack Flan­ders. Die­ser Jack ist einer der Lieb­ha­ber Emi­lys, der stets auf der Suche nach sei­nem eige­nen Kön­nen ist. Zum Teil hoch gelobt von Kri­ti­kern – genau wie Yates selbst –, gelingt es Flan­ders nicht, sein Werk auf dem ange­streb­ten Niveau fort­zufüh­ren und zu voll­en­den. Schließ­lich ver­lässt Emily im Roman den längst schwer alko­hol­abhän­gi­gen Schrift­stel­ler Jack.

Pro­ji­ziert man die­sen Teil der Roman­hand­lung auf die Wirk­lich­keit des Lebens von Richard Yates, ent­steht ein erschüt­tern­des Bild vor dem Auge des Beob­ach­ters. Der hilf­lose Mensch Emily/Yates gibt sich selbst, dem gestran­de­ten Autor Flan­ders/Yates den Lauf­pass. Er schei­tert also letzt­lich in vol­lem Bewusst­sein und in der gan­zen Trag­weite die­ser Tat­sa­che am eige­nen, feh­len­den Selbst­bewusst­sein.

Fazit:

Man kann die scho­nungs­lose Auf­rich­tig­keit die­ser kom­plex struk­turier­ten Selbst­dar­stel­lung gar nicht hoch genug wer­ten. Easter Parade ist sowohl in sprach­li­cher, als auch mora­li­scher Hin­sicht ein Meis­ter­werk und hat einen Ehren­platz in jeder anspruchs­vol­len Bib­lio­thek ver­dient. Der Roman hat die volle Punkt­zahl von fünf Ster­nen ohne Ein­schrän­kung ver­dient. – Ein Klas­si­ker im wahrs­ten Sinn des Wor­tes.

Ich be­dan­ke mich herz­lich bei der Buch­hand­lung Bol­lin­ger für das zur Ver­fü­gung ge­stell­te Le­se­exem­plar

Richard Yates: Easter Parade
Deutsche Verlags-Anstalt, 2007

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