Flashback Zufallsrezension: Jeden Sonntag eine neu & zufällig ausgewählte Buchbesprechung aus der Vergangenheit — Gute Bücher altern nicht!
Auf der Su­che nach Lese­stoff? Hier fin­dest Du Buch­be­spre­chun­gen mit An­spruch aber oh­ne Al­lü­ren. Ich schrei­be meist über bel­le­tris­ti­sche Ti­tel; über sol­che, die mir ge­fal­len oder auch mal nicht ge­fal­len ha­ben; manch­mal Main­stream, manch­mal ab­seits der aus­ge­tre­te­nen Pfa­de. (Per­sön­li­che Emp­feh­lun­gen und ein paar Wor­te zu die­sem Pro­jekt gibt’s ganz un­ten auf die­ser Sei­te.)

Piccola Sicilia

Daniel Speck, Piccola Sicilia, 2018
Daniel Speck, 2018

Im Alter von 49 Jahren hat der Münchener Autor Daniel Speck seinen zweiten Roman mit dem Titel Piccola Sicilia veröffentlicht. Namensgeber für die gut 650 Buchseiten lange Geschichte ist ein vorgelagertes Stadtviertel von Tunis, das meist nur La Petite Sicile oder Piccola Sicilia, also Klein-Sizilien genannte wurde. Denn das am Hafen der nordafrikanischen Großstadt gelegene Viertel hat eine lange süditalienische Tradition. Seine Bewohner stammten ursprünglich meist aus Sizilien, in den Straßen wurde vorwiegend italienisch gesprochen. Auch die bekannte italienische Filmdiva Claudia Cardinale (86) wurde in Tunis geboren, ihre Großmutter lebte in Piccola Sicilia. Und selbst Autor Speck hat tunesische Wurzeln. Denn sein Vater stammt aus dem afrikanischen Land, das keine 160 Kilometer Luftlinie von Sizilien entfernt ist. Heute findet man den Ort der Romangeschichte unter der Bezeichnung La Goulette als Vorort von Tunis mit Handelshafen und Kreuzfahrtterminal.

Die Kerngeschichte des Romans trägt sich Anfang der 1940er-Jahre zu: Der deutsche Wehrmachtssoldat Moritz Reincke begleitete damals in Nordafrika als Kriegsberichterstatter und Kameramann die Einheiten von Generalfeldmarschall Erwin Rommel, seinerzeit bekannt unter dem Spitznamen „Wüstenfuchs“. Deutsche Truppen hielten während des Afrikafeldzuges die Stadt Tunis zwischen November 1942 und Mai 1943 besetzt, bevor sie vor den Amerikanern kapitulieren mussten. Fast eine Viertelmillion deutscher Soldaten wurde gefangen genommen. Das Dritte Reich neigte sich seinem Ende entgegen.

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Deutscher Buchpreis 2024

Martina Hefter, Deutscher Buchpreis 2024
Martina Hefter, 2024

Zu Beginn der alljährlichen Buchmesse in Frankfurt wurde vorgestern der Preis des Deutschen Buchhandels 2024 vergeben. Der Preis ging an die aus dem Allgäu stammende Leipziger Performancekünstlerin und Schriftstellerin Martina Hefter (59) für ihren Roman Hey guten Morgen, wie geht es dir? Im vergangenen Jahr war der Österreicher Tonio Schachinger für Echtzeitalter ausgezeichnet worden. 2022 wurde die Schweizer Person Kim de l’Horizon für Blutbuch prämiert.

In der Begründung der Wahl der siebenköpfigen Jury heißt es:

„Auf faszinierende Weise verbindet der Roman zermürbenden Alltag mit mythologischen Figuren und kosmischen Dimensionen, er navigiert zwischen Melancholie und Euphorie, reflektiert über Vertrauen und Täuschung.“

Protagonistin der Geschichte mit autobiografischen Zügen ist eine Mittfünfzigerin namens Juno. Die Frau lebt als Performancekünstlerin in Leipzig. Zum Ausgleich ihres Lebens an der Seite eines Multiple-Sklerose-Patienten taucht sie nachts in die Welt das Love-Scammings ein. „Das Werk verbindet Alltagsrealität mit mythologischen Anspielungen und digitalen Begegnungen“, heißt es im Nachschlagwerk Wikipedia.

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Nobelpreis für Literatur 2024

Han Kang, 2017
Han Kang, 2017

Die Schwedische Akademie EN gab heute Mittag bekannt: Der Nobelpreis für Literatur geht mit einer Dotierung von knapp einer Million Euro in diesem Jahr an die Südkoreanerin Han Kang (53). Das Komitee begründete seine Wahl mit der „intensiven poetischen Prosa, die sich mit historischen Traumata auseinandersetzt und die Zerbrechlichkeit des menschlichen Lebens aufzeigt“. Frau Han ist die 121. Preisträger¦in, die 18. Frau unter allen Erstplatzierten und schließlich der/die erste Träger¦in des Preises in Korea.

Grattis, fru Han!

Im Jahr 2023 war die Auszeichnung an den Norweger Jon Fosse und im Jahr davor an die Französin Annie Ernaux verliehen worden.

Nobelpreis für Literatur 2024 – Über die Nobelpreisträgerin 2024

Han Kang wurde 1970 in der südkoreanischen Provinzhauptstadt Gwangju, gut dreihundert Kilometer südlich von Seoul, als Tochter eines Schriftstellers geboren. In Seoul wuchs Frau Han auf und studierte dort das Fach Koreanische Literatur. Ihren ersten literarischen Preis erhielt die junge Schriftstellerin im Alter von 24 Jahren von der Hauptstadtzeitung Seoul Shinmun. Es folgten weitere koreanische Auszeichnungen und schließlich im Jahr 2016 den Man Booker International Prize für ihren Romanerstling Die Vegetarierin, die Geschichte einer Verweigerung. Darin geht es um eine koreanische Hausfrau, die beschließt, sich ausschließlich vegetarisch zu ernähren. Sie verweigert sich zunächst ihrem Eheman, dann ihrer Familie und entschwindet schließlich in einer Art Selbstauslöschung.

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