Flashback Zufallsrezension: Jeden Sonntag eine neu & zufällig ausgewählte Buchbesprechung aus der Vergangenheit — Gute Bücher altern nicht!
Auf der Su­che nach Lese­stoff? Hier fin­dest Du Buch­be­spre­chun­gen mit An­spruch aber oh­ne Al­lü­ren. Ich schrei­be meist über bel­le­tris­ti­sche Ti­tel; über sol­che, die mir ge­fal­len oder auch mal nicht ge­fal­len ha­ben; manch­mal Main­stream, manch­mal ab­seits der aus­ge­tre­te­nen Pfa­de. (Per­sön­li­che Emp­feh­lun­gen und ein paar Wor­te zu die­sem Pro­jekt gibt’s ganz un­ten auf die­ser Sei­te.)

Jenseits des Flusses

Jenseits des Flusses, Caryl Phillips, 1995
Caryl Philips, 1995

Jenseits des Flusses ist der fünf­te Roman des Schrift­stel­lers Caryl Phillips. In seinem Werk beschäf­tigt sich Philipps vor­ran­gig mit den The­men Her­kunft, Zuge­hörig­keit und Exklu­sion. In Jenseits des Flusses beleuch­tet er die Hin­ter­gründe des afri­kani­schen Skla­ven­han­dels in einer vier­stim­migen Erzäh­lung. Ihren Ur­sprung nimmt die Geschich­te in einem Vor­wort eines namen­lo­sen afri­kani­schen Vaters, der soeben seine drei Kinder Nash, Mar­tha und Tra­vis an Skla­ven­händ­ler ver­kauft hat.

Der Autor Caryl Phillips ist selbst dunkel­häuti­ger West­inder, weder Jude noch Euro­päer oder Afri­kaner. Aber er weiß wovon er spricht, wenn er Natio­nalis­mus und Rassis­mus als schlimmste Übel dieser Welt bezeich­net.
Phillips wurde 1958 auf der Karibik­insel St. Kitts geboren, wuchs in Eng­land auf, stu­dier­te in Oxford und lehrt heute mit gut sech­zig Jahren in New Haven, USA, als Litera­tur­pro­fessor an der Yale Uni­versity. Er hat am eige­nen Leibe erlebt, was es bedeu­tet, „ein farbi­ger Ein­wan­derer“ zu sein.

Für seinen fünften Roman, der im Ori­gi­nal Cros­sing the River heißt, hat er den Common­wealth Writers‘ Prize und den James Tate Black Memo­rial Prize erhal­ten und wurde für den Booker Prize nomi­niert.

→ weiterlesen

Bruderschwur

Claudia Magerl, Bruderschwur, 2009
Claudia Magerl, 2009

Nach der gelun­ge­nen Über­ra­schung durch Der Tempel des Castor werde ich mich lang­sam aber sicher auch durch die frü­he­ren his­tori­schen Romane der Auto­rin Clau­dia Magerl durch­ar­bei­ten. Zehn Jahre vor dem Tem­pel, näm­lich im Jahr 2009, wurde Magerls ers­ter Roman mit dem Titel Bruderschwur ver­öffent­licht. Bereits in die­sem Roman behan­delt die Auto­rin das his­tori­sche Rom. Wir tau­chen ein in das letzte vor­christ­li­che Jahr­hun­dert. Haupt­fi­gur der Ge­schich­te ist Agrip­pa, Feld­herr, Freund und Ver­trau­ter des ers­ten römi­schen Kai­sers Augus­tus.

Zum Einstieg ler­nen wir sogleich, dass der wich­tig­ste Name im alten Rom nach Vor- und Fami­lien­name eigent­lich der dritte ist. Mit die­sem Namen gaben damals Väter ihren Kin­dern eine Bot­schaft mit auf den Lebens­weg. Mar­cus Vip­sanius „Agrippa“ bekam von sei­nem Vater Lucius kein gutes Omen ver­lie­hen. Agrippa lei­tet sich ab von Aeger Partus, dem „schwer Gebo­re­nen“, wegen sei­ner Steiß­ge­burt.

→ weiterlesen

Das Licht

T. C. Boyle, Das Licht, 2019
T. C. Boyle, 2019

Der Chro­nist der Flower-Power-Ära, T. C. Boyle, greift wie­der ein­mal tief ins Füll­horn der histo­ri­schen Alter­nativ­szene Ameri­kas und präsen­tiert den Roman Das Licht. Dies­mal geht es um Timo­thy Leary, den LSD-Papst der Sech­ziger­jahre. Damit knüpft Boyle an seine Erfolgsbiografien wie Willkommen in Wellville und Dr. Sex an. Er erzählt die Geschichte der Wende­jahre Learys, als der Harvard-Profes­sor beginnt, im Zir­kel seiner Dokto­ran­den und deren Ehe­frauen Drogen­experi­mente durch­zu­führen: Insbe­son­dere mit Psilo­cybin und Lysergsäurediethyl­amid. Das Licht ist Boyles siebzehnter Roman und wurde im Original drei Jahre nach Die Terranauten und zwei Jahre vor Sprich mit mir veröffentlicht.

Wenn es um Sex, Drugs & Rock’n’Roll geht, läuft T. C. Boyle stets zur Höchst­form auf. Des­halb wun­dert es nicht, dass Das Licht wie­der ein­mal zu einem Glanz­licht der his­to­­ri­sch-bio­gra­fi­schen Romane gewor­den ist. Im engli­schen Origi­nal heißt der Titel übri­gens Out­side Looking In. Damit nimmt der Autor Bezug auf die Pop-Kul­tur der Sech­ziger­jahre. In ihrem Song Legend Of Mind besan­gen die Moody Blues die Ikone der Bewusst­seins­er­wei­te­rung:

„Timothy Leary’s dead
No, no, no, no, he’s outside looking in“
(Moody Blues, 1968)

→ weiterlesen

Cookie-Hinweis