Gelber Kaiser

Gelber Kaiser
Raymond A. Scofield, 1997

„Ein Pano­rama der chine­si­schen Ge­schich­te von der Grün­dung der Volks­repu­blik bis hin zur Gegen­wart. Gelber Kaiser – Ein Roman über macht­poli­ti­sche Schach­züge, uner­bitt­li­che Grau­sam­keit und über zer­bor­stene Träu­me.“

So also steht es auf dem Ein­band des Buches. Und tat­säch­lich hält der Gelbe Kaiser die­ses Ver­spre­chen. Am Schick­sal der ameri­kani­schen Missi­onars­fami­lie Far­lane schil­dert der Autor Ray­mond Sco­field in sei­nem ersten Roman chine­si­sche Histo­rie über Gene­ratio­nen hin­weg. Begin­nend in den Drei­ßiger Jah­ren des zwan­zig­sten Jahr­hun­derts bis hin zu einem fik­ti­ven Fina­le in der nicht genau datier­ten Gegen­wart. Sco­field schafft da­bei eine nicht ganz ein­fach zu ver­fol­gende Kette aus histo­ri­schen Fak­ten und erfun­denen Lebens­geschich­ten, die schließ­lich in einer drasti­schen Auflö­sung gip­felt.

Gelber Kaiser – Worum es geht

„Operation Gelber Kaiser“ nennt eine Cli­que chine­si­scher Gene­räle den Plan zur Rück­erobe­rung Tai­wans. Die­ser namens­geben­de Teil der Hand­lung ist irgend­wann am Ende des zwei­ten Jahr­tau­sends zu ver­or­ten. Um aller­dings den Hand­lungs­strang der Gegen­wart plau­si­bel zu machen, holt der Autor weit aus.

In manch­mal schwer mit­zuvoll­ziehen­den Zeit­sprün­gen zwi­schen 1931 und dem Heute erzählt er chine­si­sche Geschich­te aus dem Blick­winkel dreier Gene­ratio­nen der Fami­lie Far­lane. Er beginnt näm­lich beim China-Missio­nar John und schließt mit des­sen Enkel Sten­ton Far­lane ab, einem Pro­fes­sor für chine­si­sche Spra­che.

Interes­sant ist der histo­ri­sche Ab­riss für alle Leser ohne geschicht­liche Vor­bil­dung alle­mal. Wir kön­nen uns unbe­dingt darauf freuen, einen Über­blick über die Ent­wick­lung Chinas von der Grün­dung der Volks­repu­blik über die Tra­gik der Kul­tur­revo­luti­on bis in die Moder­ne vor­ge­setzt zu bekom­men.
Häppchen­weise ser­viert Sco­field histo­ri­sche Tat­sachen aus dem Blick­win­kel der han­deln­den Perso­nen. Aller­dings ver­hin­dert dabei die Ver­mi­schung von Fak­ten und Fik­tion, von real existie­ren­den und erfun­de­nen Gestal­ten, dass am Detail Interes­sierte eine klare Tren­nung voll­ziehen könn­ten. Zur Verwir­rung trägt darüber hinaus auch die ansehn­liche Samm­lung chine­si­scher Namen bei. Diese sind näm­lich beson­ders für west­liche Namens­gedächt­nisse nicht ein­fach aus­ein­ander zu hal­ten. Nicht einmal ein Per­sonen­register auf den ersten Sei­ten des Buches kann Ver­wechs­lungen und Orien­tierungs­schwierig­keiten des Lesers immer verhin­dern.

Doch über seine Bemü­hun­gen, der Hand­lung zu folgen, sollte sich der Leser auf kei­nen Fall die Lecker­bissen ent­gehen lassen, die Sco­field in seinen Roman ein­streut. So kristalli­siert sich zum Bei­spiel im Laufe der Geschich­te ein durch­weg nega­tives Ur­teil über die histo­rische Rolle Mao Zedongs heraus. Es lohnt sich übri­gens, sich die Ent­wick­lung der einzel­nen Perso­nen aus dem Namens­regis­ter einzu­prägen. Denn gegen Ende des Wer­kes ver­knüpft der Autor bis dahin zusammen­hangs­lose Hand­lungs­stränge. Er löst dabei die Geschich­te auf den aller­letz­ten Sei­ten in einem über­raschen­den Finale auf. Da verzeiht man ihm sogar den rela­tiv unwahr­schein­lichen poli­tischen Plot der Gegen­wart.

Fazit:

Gelber Kaiser ist ein mehr als passa­bles, fesseln­des Lese­ver­gnügen vor allem für Freunde groß ange­leg­ter Histo­rien­schmö­ker. Ich habe deshalb lange mit mir gerun­gen, ob ich statt der vier nicht doch alle fünf mög­li­chen Ster­ne ver­geben hätte sol­len.

[Nachtrag am 12.04.2021:] Insbeson­dere angesichts der aktu­ellen wirt­schaft­lichen und welt­politi­schen Ent­wick­lung Chinas kann ich diesen fast 25 Jahre alten Roman ganz beson­ders emp­fehlen. Allein schon um sich vor Augen zu hal­ten, woher dieser Staat mit der welt­weit höchsten Bevöl­kerungs­zahl (2019: 1,4 Milliarden) und dem inzwi­schen, näm­lich seit über zehn Jah­ren zweit­höchs­ten Brutto­inlands­produkt (2020: 14,9 Bil­lio­nen US$) gleich nach den USA gekom­men ist.

Raymond A. Scofield: Gelber Kaiser
Lichtenberg Verlag, 1997

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