Der König von Berlin

Horst Evers, Der König von Berlin, 2012
Horst Evers, 2012

Dass Rio Reiser der Kö­nig von Deutsch­land war, wis­sen wir seit 1986. Aber wer ist Der König von Berlin? Die Ant­wort da­rauf gibt uns Horst Evers in sei­nem kla­mau­ki­gen Kri­mi um das nie­der­säch­si­sche Land­ei Cars­ten Lan­ner. Der jun­ge Kom­mis­sar wird zu einer Fort­bil­dung nach Ber­lin ver­setzt. Dort ge­rät er in die Er­mitt­lun­gen um den To­des­fall des In­ha­bers einer Schäd­lings­be­kämp­fungs-Fir­ma, die Ber­lin rat­ten­frei hal­ten soll. Doch bei sei­nen Nach­for­schun­gen stößt Lan­ner auf ma­fiö­se Struk­tu­ren und einen schreck­li­chen Plan.

„Mein Va­ter sagte im­mer: Ein gu­ter Kam­mer­jä­ger kommt im­mer wie ein Por­no­heft, al­so im neu­tra­len Schutz­um­schlag.“

Wer schon auf der ach­ten Text­sei­te sei­nes Ro­mans mit einem sol­chen Satz auf­war­tet, hat mich ja im Sack. Und wenn Autor (oder Ver­lag) dann auch noch so cle­ver sind, ein ein­sa­mes Huhn auf einem un­ter­ir­di­schen U-Bahn­hof auf das Co­ver zu brin­gen, bin ich schon nicht mehr ob­jek­tiv; ich star­te viel­mehr mit ma­xi­ma­ler Er­war­tungs­hal­tung in den Kri­mi von Herrn Evers.

Der König von Berlin – Erfolgsrezept

Schnell wird klar, dass mir auch die Ge­schich­te selbst liegt. Es han­delt sich näm­lich nicht um einen Kri­minal­fall im Rah­men der übli­chen gesell­schaft­li­chen Erwar­tungs­hal­tung – also irgend­was mit „ent­täuschte Ge­lieb­te wird zur Mör­de­rin“ oder „armer Schlu­cker konnte dem vie­len Geld nicht wider­ste­hen“. Genauer gesagt ist anfangs über­haupt nicht klar, in wel­cher Sache denn nun tat­säch­lich ermit­telt wird. Das macht aber nichts. Man liest sich amü­siert durch eine Art ver­län­ger­ten Pro­log im Ber­li­ner Schäd­lings­bekämp­fungs­mi­lieu, in dem die Roman­figu­ren alle mehr oder weni­ger hef­tig einen an der Waf­fel haben.

Ich bin hart­gesot­te­ner Fan skur­ri­len Per­so­nals und absur­der Ge­schich­ten. Das erkennt man auch daran, dass über lange Jahre hin­weg ein Sissy-Roman zu mei­nen Favo­ri­ten gehörte, der noch immer in mei­nem Bücher­bord steht. (Also nicht etwa eine Ge­schic­hte über die lei­wande k.u.k. Monar­chin, son­dern über Tom Rob­bins‘ Tram­pe­rin mit den über­dimen­sio­nier­ten Dau­men; ja, goo­gelt das ruhig mal.)

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Fazit:

Mir hat die Ge­schich­te über den König von Berlin mit ihren vie­len uner­war­te­ten, haar­sträu­ben­den Wen­dun­gen, mit james-bon­di­gen Knall­effek­ten, die dann doch immer – Gott sei Dank! – mit Ber­liner Schnod­drig­keit rela­ti­viert und klein­gere­det wer­den, ganz gut gefal­len. Aller­dings muss ich ein­räu­men, dass eine Leser­schaft, die Wert auf eine stim­mige Ent­wick­lung, weni­ger Holly­wood-Dra­matur­gie, und weni­ger Sprü­che­klop­fe­rei zu Guns­ten eines rea­lis­ti­schen Krimi-Plots legt, wahr­schein­lich irgendwo in der Mitte des Romans auf­ge­ben und das Buch kopf­schüt­telnd zur Seite legen wird.

Beküm­mert war ich übri­gens durch den Umstand, dass das viel­ver­spre­chende, U-Bahn fah­ren­den Cover-Huhn kei­nen Auf­tritt in der Ge­schich­te hat. Ledig­lich ab und an kommt Feder­vieh als neben­säch­li­ches Stich­wort vor, zum Bei­spiel bei Hin­wei­sen auf des Kom­mis­sars ersten Fall um einen nord­deut­schen Hüh­ner­ba­ron. Schade, eigent­lich.

Ins­ge­samt ver­leihe ich dem König von Berlin drei von fünf mög­li­chen Ster­nen: Ein net­ter lite­rari­scher Zeit­ver­treib mit gelun­ge­nen kaba­ret­tis­ti­schen For­mulie­run­gen, aber sicher nichts, was einem über län­gere Zeit im Gedächt­nis haf­ten blei­ben wird.

Horst Evers: Der König von Berlin
Rowohlt Verlag, 2012

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