Nobelpreis für Literatur 2020

Louise Glück
Louise Glück, 2012

Die US-amerikanische Lyrikerin Louise Elisabeth Glück (77) erhält in diesem Jahr den Nobelpreis für Literatur. Die Verleihung erfolgte heute Mittag um 13 Uhr durch die Schwedische Akademie in Stockholm. Das Nobelkomitee, das für die Auswahl der Kandidaten zuständig war, bestand in diesem Jahr aus sieben Mitgliedern der Akademie und des Literaturbetriebes. Die Jury begründet die Preisverleihung mit Louise Glücks „unverkennbarer dichterischer Stimme, die mit herber Schönheit das individuelle Dasein allgemeingültig macht“.

Grattis, fru Glück!

(In den beiden vergangenen Jahren war die Verleihung des Nobelpreises für Literatur überschattet von Skandalen. 2018 führten Geheimnisverratsvorwürfe an das damalige Komiteemitglied Katarina Frostenson sowie die Verurteilung ihres Ehemannes wegen Vergewaltigung zur Aussetzung der Preisverleihung. 2019 wurde der renommierte Preis deshalb doppelt vergeben: an die Polin Olga Tokarczuk und an den Österreicher Peter Handke. Die Auszeichnung Handkes erwies sich aus Gründen seiner politischen Haltung als problematisch; der Schriftsteller wurde wegen seiner proserbischen Stellungnahm im Jugoslavienkrieg kritisiert, die in seiner Grabrede für Milošević kulminierte, einer ehemaligen serbischen Führungsfigur, die sich vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal verantworten musste. – Mit der Verleihung des Preises im Jahr 2020 an Frau Glück ist nun gewiss kein weiterer Eklat zu befürchten.)

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Über die Nobelpreisträgerin 2020

Die amerikanische Lyrikerin Louise Glück wurde 1943 in New York als Nachfahrin einer aus Ungarn stammenden jüdischen Familie geboren. Sie lebt mittlerweile in Cambridge, Massachusetts. Neben ihrer Schriftstellerei ist sie als Professorin für Englisch an der Yale University in New Haven tätig. Sie debütierte im Jahr 1968 with Firstborn, und wurde bald als eine der herausragendsten Dichterinnen der amerikanischen Gegenwartsliteratur gefeiert. Sie erhielt mehrere prestigeträchtige Auszeichnungen, darunter den Pulitzer-Prize (1993) und den National Book Award (2014). Louise Glück hat zwölf Gedichtsammlungen und einige Bände mit Abhandlugen über Lyrik veröffentlicht.

„But these farewells, I said, are the way of things.
And once more I alluded to the vast territory
opening to us with each valediction. And with that phrase I became
a glorious knight riding into the setting sun, and my heart
became the steed underneath me.“
An Adventure, Faithful and Virtuous Night, 2014

Auf deutsch erschienen:

  • Averno: Gedichte / übersetzt von Ulrike Draesner. – München: Luchterhand, 2007. – Originaltitel: Averno
  • Wilde Iris: Gedichte / übersetzt von Ulrike Draesner. – München: Luchterhand, 2008. – Originaltitel: The Wild Iris

(Keines ihrer Werke ist derzeit im deutschen Buchhandel verfügbar.)

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Woanders kommentiert:

  • Beglückende Dichtung, FAZ, 8.10.2020
    „Die Schwedische Akademie überrascht: Nach dem Doppelschlag vom vergangenen Jahr mit den internationalen Berühmtheiten Olga Tokarczuk und Peter Handke geht der Preis des Jahres 2020 an die amerikanische Lyrikerin Louise Glück.“
  • Leben – auch wenn man die Hölle gesehen hat: Die Botschaft der Literaturnobelpreisträgerin Louise Glück, NZZ, 8.10.2020
    „Ihre Gedichte wirken manchmal täuschend klar und schlicht, doch ihr Werk hat eine enorme Spannweite. Die Amerikanerin Louise Glück baut gern auf Gegensätze, schlägt Brücken zwischen Antike und Gegenwart und spricht die Leser unmittelbar an.“
  • Nobelpreis für Literatur geht an Louise Glück, DerStandard, 8.10.2020
    „»Überrascht, aber glücklich« reagierte die US-Lyrikerin Louise Glück: eine bedeutende Poetin, die in lakonischem Ton Verlust und Tod besingt.“
  • Louise wer?, SZ, 8.10.2020
    „Louise Glück wollte schreiben, dafür tat sie alles. Also quasi. Eine satirische Würdigung. […] Es war nur eine Frage der Zeit, bis Stockholm zuschlagen und den Feuilletons eine Nase drehen würde.“
  • Auf der Suche nach Weltanspruch, TAZ, 8.10.2020
    „Louise Glück ist eine Nobelpreisträgerin, an deren Rang als Lyrikerin keine Zweifel bestehen. Doch womöglich ist genau das ein Problem.“
  • Die Stimme und der Verlust, DIE ZEIT, 8.10.2020
    „Der Nobelpreis für die Lyrikerin Louise Glück ist eine überraschende und unpolitische Entscheidung. Ihr Werk verbindet Natur, Mythologie und intime Reflexion.“
T.C. Boyle twittert Glück
T.C. Boyle twittert Glück
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