
Dystopische Geschichten sind gerade wieder en vogue. Unter dem Titel Dein Land in Schutt und Asche hat Autor Georg Adamah im Frühjahr eine solche Erzählung herausgebracht: Deutschland in drei Jahren. Was wir uns alle nicht vorstellen wollen, ist jenseits der glatten Oberfläche der medialen Berichterstattung und der behäbigen Gleichgültigkeit des Politikbetriebs langsam aufgeblüht. Im Verborgenen wurde die Glut der Unzufriedenheit angefacht und bricht plötzlich als Flächenbrand hervor. Bürgerkrieg! Mitten in Deutschland! Wer die Entwicklung nicht wahrhaben wollte, wird mit einem Donnerschlag aufgeweckt und sieht sich mit einem Mal seiner Existenz beraubt. Tod oder Flucht, eine dritte Alternative ist nicht erkennbar. Adamahs Protagonist Ismael van Weyden ist einer derer, die völlig unvorbereitet ihr bisheriges Leben zurücklassen müssen, nur um überhaupt überleben zu können.
„Nennt mich Ismael“
Adamah beginnt seine Geschichte mit einem der berühmtesten Romanzitate der Weltliteratur, nämlich mit dem ersten Satz Herman Melvilles in seinem Klassiker Moby-Dick: Die Erzählung des Matrosen Ismael, der sich im 19. Jahrhundert dem starrköpfigen, verbitterten Kapitän Ahab anschloss auf dessen Strafexpedition gegen den Weißen Wal. Auf eine Expedition, die mit dem Tod fast aller Beteiligten endete. Lediglich Ismael konnte sich retten.
Beinahe zwei Jahrhunderte später tritt der moderne Ismael ein Reiseabenteuer an, das zwar überhaupt nichts mit Walfang zu tun hat. Wohl aber erneut mit der Unfähigkeit des Menschen, die Zeichen der Zeit zu erkennen. Und mit der Unbeirrbarkeit unserer Spezies, stets im Kleinen unseres persönlichen Eigeninteresses zu handeln und dafür das Gelingen eines größeren Plans aufs Spiel zu setzen.



